Jahrgang 
2 (1879)
Seite
573
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Concordia. 573

Der alte Gerhard ſaß am Tiſch in der Mitte des kleinen

Zimmers und ſchaute mit gefalteten Händen hinaus in das Toben der Elementen Seine Frau hatte das alte abgegriffene

Geſangbuch zur Hand genommen und las ein frommes Lied, während Suſanne in Gedanken verſunken vor ſich hinſtarrte.

Da uswie ein Feuerball fiel es vom Himmel zur Erde

herab und ein furchtbarer Donnerſchlag dröhnte durch die

Lüfte und verlor ſich grollend in der Ferne.

Gott ſei uns gnädig! flüſterte der Bahnwärter und trat

an's Fenſter, aber mit einem Ausruf des Schreckens wankte

er zurück die alte Edeltanne drüben, ſeine Wetterfahne, lag

zerſchmettert am Boden und neben ihr ja, was war das? ein menſchliches Weſen.

Ohne Beſinnen ſtürzte der Alte hinaus. zu damn kaum

zwanzig, Schritte entfernten Unglücksorte, gefolgt von den beiden Frauen. Da lag der ſtolze Baum, gelnif wie ein

ſchwaches Rohr, und hierS Ein markerſchütternder Schrei ertönte:Ernſt! mein Ernſt rigf Suſanne im Tone der höchſten Verzweiflung und ſank

ohnmächtig neben dem lebloſen, Körper zuſammen.

33, Kapitel. E Lpcg, dreiviertel Wegſtunden vonGatterſee liegt das freundliche, Dörfchen Bixkenthal, Die rothen Ziegeldächer

lugen zwiſchen dichtem grünen Laubwerk hervor, als ſpielten ſie Verſteckens, und das hellſchimmernde Kirchlein mit dem

kleinen ſchiefergedeckten Thurme ſteht inmitten der Häuſerſchaar, wie ein ſorgender Hirte unter ſeiner Heerde. Der kleine Dorf⸗

bach plätſchert munter zwiſchen den grünen Hecken dahin, vor den Thüren ſitzen barfüßige, paushäckige Kinder, herzhaft in

das mächtige, Butterbrot in ihrer Hand beißend, und auf der Darfſtraße, wandelt grgpitätiſch und leiſe ſchnatternd, eine hinter

der anderöne, eine Schga, Gänſe dem nlahen, Keiche zu.

Am Ende des Ortes ſtand ein Gehöft, das ſich von den übrigen durch maſſivere Bauart auszeichnete. Es wurde durch ein Wohnhaus und zwei rechtwinkelig daranſtoßende Seiten⸗ gebäude gebildet; die vierte Seite nahm eine hohe Mauer ein, in welcher ſich ein breiter Thorweg befand, über dem, in Stein gehauen, die ſiebenzinkige Freiherrnkrone und ein Wappen prangten. Letzteres war verwittert und nur noch in der äußeren Form erkennbar, die Mauer zerbröckelt und theil⸗ weiſe verfallen, und auch die Gebäude hätten einer durch⸗ greifenden Reparatur dringend bedurft.

Alles deutete darauf hin, daß der Beſitzer des Gutes ent⸗ weder zu arm oder zu naihlaäſſtg war, daſſelbe in Stand ſetzen zu laſſen.

Das Gehöft gehörte dem Baron von Waltersdorff der mit ſeiner Tochter Eliſe hier hauſ'te. Letztere lag, obgleich es um die Mittagszeit war, noch im Morgenanzuge auf einer Ottomane, deren Plüſchüberzug einſt violett geweſen ſein mochte, jetzt aber in eine zweifelhafte Miſchung von grau und kupferfarben übergegangen war. Die Baroneſſe hielt ein Buch in den Händen, deſſen ſchmuziges, abgegriffenes Aeußere den unverkennbaren Urſprung aus einer Leihbibliothek verrieth.

Plötzlich ſchleuderte Eliſe das Ech weit fun und er⸗

hob ſich.

Es iſt doch zum Sterben kangweiligi in dieſem glegenen Dorfe! ſagte ſie zu ſich ſelbſt, indem ſie an's Fenſter trat und an die Scheiben trommelte.Während ſo viele meiner Bekannten ſich in Franzensbad, Iſchl oder Baden⸗Baden amüfiren, muß ich den ganzen Sommer in dieſem bden Neſt⸗ vertrauern.

Sie ergriff eine kleine filberne Klingel und ſchelle heftig.

ch will Toilette machen, ſagte ſie zu dem eintretenden Mädchen;aber beeile Dich, ich erwarke Beſuch.

(Fortſetzung folgt.) 15

1 D9 ens 3n Zum guten Herzen.

Ans din R gstied ertönte das Geſtrot des grüͤnen Heu⸗ pferdes und der aute Schlag des Wachtelkönigs, während die rathgeftügelte Holzheufchtecke in der Haide knarrend auf⸗ und niederflog und das ſchriltende Gezirp der Grille weithin tönte. Leiſe neigten ſich die Aehren des Korns und die Spibzen der Linden und Pappeln, die die Wohnungen überragten. Dann und: wa iſchte ſich die Stimme eines Sängers im Dorfe in das einfache Konzert aus Buſch und

Feld und Halide und Luft, bis der Farbenſchmelz ganz von

dar Wolten gewichen wat und die ganze Gegend tiefere Schätten angettommen hatte. Mit den Bewohnern der Häuſer verſtummten auch die Stimmen unter freiem Himmel) aur vom Walde herüber vernähm man immer deutlicher ein un⸗ endlich ſanftes Geſääüſel der Fichten, das etwas Schauerliches hatte im Hinblick auß die ſtumme, große, düſtere Ebene, deren Rühe und nächtliche Feier de Alabtud zeiner künſteiee Er⸗ habenheit frugmemn 730.

Das kleine beſcheidene Sauechen an 1 de IEPasiſtfäßs ver⸗ ſchwänd faſt gänzlich in dieſem gtoßen Bilde, düch war in ihm mehr Leben und Bimoguig, nals in t der laanzen ſichibaſen

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Eine Noveble. (Fortſetzung.) 11 G 1. Ichin isa 1 Umgegend. Evelis waltete daheim, ſie harrte des Vaters in

Ungeduld; ſein einfaches, von ihren Händen bereitetes Abend⸗ mahl ſtand ſeit faſt zwei Stunden unangerührt auf dem Tiſch, der große Schlagbaum war niedergelaſſen, die Laterne über dem Fenſter und die kleine Oellampe mit dem Docht von Binſenmark über dem Eßtiſch erhellten das Wohnzimmer und die Käammer des Hauſes. Vor einein Spinnrade ſaß des Einnehmers Tochter und zupfte den ſchimmernden Flachs aus dem bauſchigen Wocken und ließ ihn von der drehenden Spule zwiſchen den Fingern zum Faden zuſammenlaufen. ECvelis galt im Dorfe für eine geſchickte Spinnerin; wenn die Bauer⸗ mädchen während der Winterabende bald hier, bald dort im

Dorfe zuſammenkamen, mit ihren Spinnrädern um die große

Oellampe Platz nahmen unde unter heiterem Geplauder oder luſtigem Geſange um die Wette ſpannen, lernten die Freun⸗ dinnen von ihr; ſie ſpann mit beiden Händen auf zwei Spulen

G zugleich, und der Faden ihres Garnes war eben und fein wie

ein Haar. Es war eine Luſt, ihr zuzuſchauen, wie hurtig ſie das Rad drehte und den Flachs durch die Finger gleiten lies, vhne üi der Füden reißen dülften 21

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