Jahrgang 
2 (1879)
Seite
572
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hier vorbei und hat mir ſo Manches erzählt. Die wird manch⸗ mal geholt, wenn es im Garten Beete umzugraben oder Un⸗ kraut zu jäten giebt; die kennt alle Schliche und Winkel in Gatterſee. Geſtern iſt ſie auch im Schloß geweſen.

Nun, die wird gewiß nicht mit zur Tafel gezogen, wenn die Herrſchaften ſpeiſen! warf der Bahnwärter mit einem Anfluge von Spott ein.

Aber ſie iſt mit der Müllern, der Frau des Stallknechts, bekannt und kann von deſſen Stube aus ein großes Stück Park überfehen. Wahrſcheinlich giebt es mächſtens eine Doppel⸗ hochzeit drüben.

Suſanne ſchaute überraſcht auf.

Eine Doppelhochzeit, Mutter? möglich?

Die Alte lachte kurz. na⸗

Beſteht denn die Herrſchaft drüben nicht aus zwei Per⸗ ſonen, Mutter und Sohn, und hältſt Du die Frau Gräfin zum Heiraten für zu alt und den jungen Herrn für zu jung? Die Asmuſſen hat geſeh'n, wie der Herr, der ſchon ſeit Wochen auf Gatterſee zum Beſuche iſt er wird Legationspath titu⸗ lirt nach dem Feuerwerk mit derGräfin die Polonaiſe durch den Park angeführt und wie dieſelbe ganz ausnehmend freundlich mit ihrem Gaſte verkehrt hat; die tolle Guſte wollte ſogar wiſſen, daß ſich die Beiden, bereits mit dem vertraulichen Du angeredet hätten⸗ dir 11h 11509

Das würde immer erſt eine einfache Hochzeit geben, warf das Mädchen ſchüchtern ein⸗ Auoln

Ei du grundgütiger Himmel nun, das andere Braut⸗ paar iſt der junge ⸗Graf, und die Baxoneſſe Eliſe pon Walters⸗ dorff, die Tochter des alten Herrn mit, dem dicken pothen Geſichte; Int hle l nnt

Meine Wetterfahnen hat recht,, ſagte der Bahnwärter, mit der Hand nach dem Fenſter zeigend,dort drüben zieht ſich ein Gewitter zuſammen.n 19121, 1a

Suſanne war auffallend leicht gewondenen Sie hatte das Geſicht tief auf ihre Arbeit herabgebeugt⸗ aber ihre Hand zitterte heftig, ſie vermochte kaum die Nadel zu haltenl

Sie müſſen die Verlobung ſehr beeilt haben, ſonſthhätte er doch gewiß uns davon erzählt, als er das letzte Malchier war. Du lieber Himmel! fuhr Frau Gerhard geſprächig fort,wien doch die Zeit vengehtn Wenn ich an den kleinen Ernſt denke, wie er mit ſeiner Wärterin hei, ſchönem Wetter faſt täglich(durch den Wald zu uns kam und mit welchem Appetite er das Glas Ziegenmilch und das Stück Schwarzbrot verzehrte, das ich ihm vorſetzten da iſt es mir, gaals wäre es gar nicht, möglich, daß der hübſche gjunge Graf der kleine Ernſt von damals ſein könnte.(1un⸗ 1II5of 4661100 1150

Das Gewitter konunt näher, ich werde oben die Fenſter ſchließen⸗ ſagte Suſanne und erhob ſich haſtig,

Kaum nhatte ſie die Thüy hinter ſich geſchloſſen, als ein Thränenſtrom unaufhaltſamt über ihre Wangen flutheten, Oben in ihrem Kämmerlein ſank ſie in, die Kniee und vergrub das Geſicht in die Kiſſen ihres Bettes: ſie mußte ſich ausweinen, ſie wäre geſtorben, wenn ſie ihre Thränen länger hätte zurück⸗ halten müſſen: isar et 1I im aig chun ann 10

Der junge Graf Ernſt von Gatterſee war ein ziemlich ſchwächliches Kind geweſen. Die Aerzte hatten dahey über⸗ einſtimmend angeordnet, daß der Knabe angehaltem werde, ſich möglichſt viel in friſcher Waldluft zu hewegen. So kam es,

Wie, wäxe denn das

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Concordia.

daß ſeine Wärterin täglich mit ihm hinaus in den Wald ging undoft, den Kräften des Kindes angemeſſen, ziemlich weite Spaziergänge unternahm. Auf einem ſolchen entdeckten ſie einſt Gerhard's Bahnwärterhaus, zu dem ſie von dem eigent⸗ lichen Waldwege auf einem wenig betretenen Seitenpfade ge⸗ langten. Es war nicht die Abſicht der Wärterin geweſen, das Häuschen aufzuſuchen, aber da ſie ſich jetzt zufällig ſo nahe dabei befanden, beſchloß ſie, das Kind dort ein wenig ruhen zu laſſen.

Die freundliche Aufnahme, die ſie bei den damals noch jungen Bahnwärtersleuten fand, das biedere, treuherzige Weſen derſelben, endlich aber auch das kleine blondlockige Suschen, in welcher Ernſt eine willkommene Geſpielin ge⸗ funden hatte, obgleich ſie drei bis vier Jahre jünger war, ver⸗ anlaßten die Wärterin, ihre Beſuche zu wiederholen, und ſchließlich perging kaum ein Tag, wo ſie nicht mit ihrem Pflegebefohlenen den Weg nach dem Bahnwärterhäuschen unter⸗ nommen hätte. Die Kinder gewöhnten ſich ſo aneinander, daß ſie ganz traurig wurden, wenn das Wetter den Beſuch un⸗ möglich, machte, und zuweilen wurde ſogar das kleine Suschen hinüber guf's Schloß geholt, wenn der Knabe, allzu große Sehn⸗ ſucht nach ſeiner Spielgefährtin hatte. So wuchſen die Kinder auf, und, gls Ernſt, nach erfolgter Konfixmation guf eine höhere Bildungsanſtalt nach der Reſidenz geſchickt wurde, da war im Bahnwärterhäuschen großes Hexzeleid Während der Ferien verſäumte der junge Mann aber nie, ſeine Jugendfreundin aufzuſuchen, und als zr vor etwg einem Jahre ſeine Studien beendet hatte und in das eltexliche Schloß zurückgekehrt war, ſprach er auch wieder jede Woche einige Male in dem kleinen Wärterhäuschen vor. Freilich war das Verhältniß nicht mehr ſo kindlich unbefangen, der junge Graf war zum Jüngling und Suſgnne zux Plühenden Jungfrau geworden, aher die alte pertrauliche, Herzlichkeit beſtand noch immer, ja aus der Jugendfreundſchgfthatte ſich, Beiden unhewußt, eine tiefere Neigung entwickelt, die bei der unerwarteten Nachricht von Ernſt's Verlobung mit einem Schlage in Suſanne zur hellen Leidenſchaft aufloderte. B114, 8 99 Umſonſt ſuchte das Mädchen ſeinen Schmerz mit Pernunfts⸗ grüͤnden zu beſchwichtjgen, vergebens ſagte ſie ſich, wie thöxicht es ſei, wenn ſie, dis gpme Bahmpürtersthchter, ihr Augs zu dem reichen, hochadeligen Grafenſehne erhöbe, ſie fand keine Beruhjgung, das pitterſuße Gefühl imm Meuſchenherzene das wir Liebe nennen, läßt ſich mit nüchternen Rathſchlägen nicht auterdrcene 15 I nchlgdg

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Zaß ſich dieſe anter der, Berührugg der düſtegen, Maſſen ſeit⸗ wärts, bogegtn ge gegen einander, als gelte, Fs, die Herrſchaft am Firmamneſte zu erkämpfene und dgiwiſchen rollte zund tobte der Doſtnen, daß die kleinen Fenſter im Bahnxäxterhaußin, fibrifende Be⸗ wegung geriethen, Kratteppd, wie Pnunter, rochenes, Peleton⸗ feuer, ſchlugen diegoßen, ſchweren Regentropffn, an die Scheihen, und zu alll dieſem, Läym und Aufruhr heulie der Wind ſeine ſchauexliche Schlachtguſik,⸗ons⸗ 6aIIi Ifis dof

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