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nie in’'s Wirthshaus geht, aber er hat mir's ſchon öfter ge⸗
„Madl!“ ſagte er laut, aber nicht mehr ſo heftig zu ſeinem vor ihm ſtehenden trotzigen Kinde,„haſt Du das vierte Ge⸗ bot Gottes vergeſſen und dafür das fünfte zu übertreten Dir vorgenommen, weil Du ſo zu Deinem alten Vater ſprichſt?“ ſie an die von ihr eben zuvor noch im Gartenhauſe gemachten Drohungen erinnernd.„Anſtatt von Deiner Dich und mich entehrenden Liebſchaft, die ich für keinen Fall dulden werde, abzuſtehen, willſt Du in den Mühlbach ſpringen und ſo der emigen Verdammniß zurennen.— War denn mein vieles Reden alles umſonſt, Reſi?“ fuhr der Mülller jetzt faſt weh⸗ müthig fort.„Haſt Du denn kein Fünkerl Ehrgefühl mehr in Dir, daß Du den verſchrieenen Hieſel am Brandt heimlich zum Loder genommen haſt, und haſt denn auch kein biſſerl Lieb' mehr für Dein' Vater im Herzen, daß Du ihm dies anthun konnteſt? Dies bringt Dir keinen Segen, Madl, und bitterlich wirſt Du's noch bereuen, weil Du net folgſt!“
Dann aber wieder zornig werdend, ballte er plötzlich ſeine rechte Hand zur Fauſt, und zu der Hütte beim Hieſel am Brandt drohend hinaufblickend, hob er nun an:
„Aber den Schandbuben da oben werd' ich ſchon treffen; dann Gnade ihm Gott, der mir mein Kind verführt hat. Meine ganze Hoffnung, mein Glück hat er z'nicht' gemacht, der elende Kerl. Blind werden ſoll er wie ſeine Mutter und wahn⸗ ſinnig umherirren müſſen in die Berg' wie ſeine Schweſter, der gottloſe Wicht und Wilddieb!«
„Vater! um Himmels willen verſündigt Euch net,“ fiel nun Thereſe demſelben in die Rede und unterbrach ſeinen gräß⸗ lichen Fluch.
Ein furchtbarer Donnerſchlag erſchütterte in dieſem Mo⸗ ment die Grundfeſten des Hauſes und der grelle Blitz er⸗ leuchtete das dämmernde Gemach.
„Helf' uns Gott!“ ſprachen fromm Müller und Tochter zugleich und bekreuzten ſich, während ein kurzes Stillſchweigen eintrat, bis Thereſe fortfuhr:
„Schaut, Vater! wenn Ihr den Hieſel kennen thätet, wie ich— ſo könntet Ihr net ſo über ihn reden. Es iſt der ärmſte Bua in der Pfarr'; aber hat ein Anderer ſo viel auszuſtehen wie er mit ſeiner blinden Mutter und der wahn⸗ ſinnigen Wally?— Für Drei hat er zu ſorgen, weil er zu ſtolz iſt, ſeine Leut' in Bettel zu ſchicken, und als wir uns neulich z'ſammen beſtellt haben drüben an dem Seekopf, da hat er mir Alles erzählt, was er durchmachen muß!“
Hier unterbrach mit einer faſt ängſtlichen Neugierde der Müller ſein Kind und trat näher an Thereſe heran.
„Was?— was hat Dir der Hieſel erzählt?“ Und für ſich hinmurmelnd, ſprach er:„Sollte der Bua etwas wiſſen, ſollten die Tiroler was g'redt haben?“ Dann fuhr er erſchreckt auf, als hätte er zu viel geſprochen, und horchte auf Thereſens weitere Auslaſſungen, die von dem plötzlichen Erregtſein ihres Vaters nichts merkte und ſeine ſtillen, für ſich hingeſprochenen Worte nicht vernommen zu haben ſchien.
„Nur aus Noth, nur dann Vater, wenn er beim ſchlechten Wetter gar nichts verdient, net länger den Hunger und das Elend daheim anſchauen kann, geht er auf’'s Wildern!—
Concordia.
Was andere reiche Bauernbub'n aus reinem Uebermuth thun, begeht er aus Noth. Die Buama' und die Bauern halten ihn für einen ſonderlichen Menſchen, weil er nach der Kirch'
ſagt, Vater, daß ſein kleiner Verdienſt's Einkehr'n net leidet,
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weil er für Mutter und Schweſter zu ſorgen und zu ſparen hat, umſomehr ihn die Leut' bei uns herum net einſtellen V wollen, wenn er gleich arbeiten möcht'!— Schau', Vater, wie unrecht dem Hieſel g'ſchieht, und weil ihn Alles verlaßt und Alles veracht', ſo hat er mich erbarmt, der guat' Bua, und ich muß ihm treu ſein, damit er net gänzlich verzweifelt an der Menſchheit, die ihn ſo unrecht beurtheilt; daß er net am End' der böſ' Menſch wird, für den ihn Alles irrthümlich hält. Bei ihm, Vater, kann man das vierte Gebot Gottes net ver⸗ geſſen, der ſich aus Lieb' für ſeine arme Mutter ſo abkümmert und lieber ſelber tagelang nichts ißt, bevor er ſie und die Wally hungern ſehen müßt'. Aber das fünfte Gebot hätt' er längſt wohl übertreten können, indem er ſich in einer ſchwachen Stund' größten Elends und Kummers einmal über ein G'wänd fruntergeſtürzt oder eine Kugel durch den Kopf gejagt hätte, wenn ihm net das vierte Gebot ebenſo heilig wär' und ihn immer ermahnen würde an ſeine Kind'spflichten, lieber Vater.— Was ich Euch jetzt erzählt hab', iſt die reine Wahrheit, das ſchwör' ich Euch, Vater, am Grab' meiner Mutter!“ Und ein glänzendes Naß umſchleierte jetzt den zum Vater erhobenen, faſt bittenden Blick ihrer Augen, als ſie mit den Worten endete:„Und da Ihr jetzt wißt, Vater, wie der Hieſel am Brandt, der arm' Bua, eigentlich iſt, werdet Ihr mir, Eurem einzigen Kind, und dem armen Hieſel droben nimmer fluchen.“
Sprachlos ſtand während der langen Vertheidigung Thereſens, die in ihrem Edelmuthe mehr ihrem Lieb, als ihr ſelbſt galt, der Müller vor dem Mädchen, dabei ſein blaues Käppchen beſtändig am Kopfe hin⸗ und herrückend, als wollte ihm etwas nicht paſſen. Sein Geſicht aber glättete ſich mehr und mehr und nahm einen verſöhnlicheren, ſchon faſt liebevollen Ausdruck an, da er dem nun weinenden Kinde erwiderte:
„Herzliebe Hex' Du!— man kann Dir net bös ſein; gerade wie die ſelige Leni verſtehſt Du es, Alles ſo zu ver⸗ drehen und anzubringen, daß man ſchließlich nimmer weiß, was man denken und ſagen ſoll.“ Und für ſich leiſe ſprechend, ſagte er:„Die jungen Leut' wiſſen, ſcheint es, doch nichts von dem Prozeß mit dem Hieſel ſein' verſtorbenen Vater— ſonſt hätt' mir der Wilderer gewiß ſchon'was an'than—“ Dann wieder an ſeine Tochter ſich kehrend, fuhr er fort:„Nun, für diesmal will ich's guat ſein laſſen!— Laß Dich beim Hieſel nimmer blicken, das will ich hoffen!— aber nun geh' in die Küch' und ſchau', daß die Ch'halten ihre Mahlzeit bekommen.“
Resleins Geſicht ſah, nachdem ſie ihren Vater ſo ruhig geſtimmt hatte, aus, wie der plötzlich in thaufriſchen Regen hineinfallende Sonnenſchein. Während ihre hellblauen, feuchten Aeuglein noch glänzten und ihr Herzchen noch immer laut aufſchluchzte, umſpielte bereits das roſige Mündchen ein an⸗ muthiges Lächeln. Thereſe ging, nun nichts mehr einwendend, aus dem Zimmer zur Küche hinaus, und gar bald darauf
hören wir ſchon wieder den Sang unſeres Lieblings durch das Wohnhaus der Mühle ertönen. Wir lauſchen am Fenſter dieſen klangvollen, natürlichen Gebirgsweiſen, als ſie eben aus dem Stegreife ein paar zur vorigen Szene gar hübſch paſſende Schnaderhüpfeln ſingt:
„Der Mathies muaß mei wer'n,
Dies hab’ i' mir g'ſchwor'n!—
Wär'n d' Hinderniſſ' höher Als's Thurnbacher⸗Horn


