Jahrgang 
2 (1879)
Seite
563
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Concordia.

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Das iſt ja eine leichte Arbeit. Ihre Dienerin, mein Wertheſter!

Die Schnellern winkte gnädig mit der Hand und fletſchte die Zähne, was ihr mit einem anmuthigen Lächeln gleich⸗ bedeutend war.

Plotzki machte jetzt einen zweiten Beſuch, und zwar bei ſeinem früheren Freund und Commilitonen Florian Beſſelſtein.

Dieſer Edle war ganz herabgekommen.

Er wohnte auf dem Hofe in einem nur nothdürftig mö⸗

blirten Zimmer, ſchrieb gerade einen Bettelbrief an einen

ſeiner früheren Bekannten und roch nach Branntwein.

Menſch, wie ſieht es bei Dir aus! ſagte Plotzki und ſetzte ſich auf den einzigen vorhandenen Stuhl, deſſen Rohr⸗ geflecht, weltmüde ven den Laſten des Erdendaſeins, an allen Seiten wirr herabying;kannſt Du denn das Zimmer nicht wenigſtens einmal reinigen laſſen?

Laſſen? Beſſelſtein lächelte wehmüthig.Nein, wenn ich es nicht ſelbſt thue

Dabei bemühte er ſich vergeblich, den alten zerriſſenen Schlafrock, der ſeinen Körper ſtellenweiſe umſchlotterte, über ſich zuſammenzuziehen.

Beſſelſtein hatte bedeutend an Umfang abgenommen, was ihn faſt jünger erſcheinen ließ, wie vor Jahren. Nur das Haar war ſchon völlig ergraut und das unſchöne Geſicht, beſonders die Naſe, trug als Abzeichen des Laſters, dem er ſich ergeben, eine frieſelartig brennende, fleckige Röthe.

Es giebt etwas für Dich zu verdienen, fuhr Plotzki fort, indem er die ärmliche Ausſtattung des Zimmers muſterte; das heißt, wenn Du mir verſprichſt, Dich ganz genau nach meinen Inſtruktionen zu richten.

Ja, ſagte Beſſelſtein tonlos und mit glaſigem Blich emporſehend.Was ſoll es ſein?

Du ſollſt den gerührten Vater ernes ſchönen, jungen Mädchens ſpielen; ob Du das zu Stande bringſt?

Oho! Beſſelſtein machte einen mißlungenen Verſuch, ſeine zuſammengefallene Geſtalt emporzurichten.Wenn ich nur will

Nun, ſo wolle! Du haſt weiter nichts zu thun, als morgen Nachmittag zur Schnellern zu gehen, Dich von ihr in ein Zimmer führen zu laſſen, wo Du eine junge Damiee finden wirſt, neben dieſer jungen Dame auf dem Sopha Platz zu nehmen und zu derſelben zu ſprechen, was ich Dir ſage.

(Fortſetzung folgt.)

Das Reſerl am Brandt. Erzählung aus den Bergen von A. Weiß. (Fortſetzung.)

Der Jäger hatte noch nicht geendet, als ſchon der Müller zornig aufſprang, und ſein Geſicht färbte ſich dunkelroth, wie der Kopf eines gereizten Truthahns.

Himmel Donnerwetter, Herr Limpöck, was ſagt Ihr jetzt da! ſchrie jetzt der Müller, in höchſter Erregung mit der Fauſt auf den Tiſch hineinſchlagend, daß Teller und Gläſer klirrend von demſelben emporſprangen.Die Schand' thut mir der nichtsnutzige Fratz an, mit einem Wilderer hinter meinem Rücken herumzuziehen, und noch dazu mit dem größten Vagabunden, dem Hieſel da droben, trotzdem ich ihr jede Zu⸗ ſammenkunft mit dem Tagedieb auf's Strengſte verboten hab', weil er als Nachbar ihr doch leicht begegnen könnt'! fuhr er heftig fort doch Zorn und Aerger erſtickten ſeine Stimme.

Der Jäger, der nun ſah, was ſeine Mittheilung für üble Folgen hatte, bereute, dieſelbe gethan zu haben, und einſehend, daß es nun zu ernſten Auftritten zwiſchen Vater und Tochter kommen müſſe, trachtete er fortzukommen. Einige über das Fellhorn aufſteigende, mehrmals aufblitzende Wetterwolken kamen ihm als willkommene Ausrede zu ſtatten, und ſeinen Stutzen und Bergſtock nehmend, ſagte er zu dem fluchend auf⸗ und abgehenden Müller, dabei auf das trübe Gewölk hin⸗ deutend:.

Vater Thalhofer! Ich muß mich auf die Beine machen, ſonſt werde ich tüchtig gewaſchen! Es iſt ein hübſches Stück Weg bis über den Seekopf nach Hauſe. Nehmen Sie meinen Dank für die gute Aufnahme und kommen Sie einmal hinüber zu uns, wackerer Mann, daß ich mich revanchiren kann. Nun Gott befohlen! Das nahende Wetter Sie ſehen es drängt mich zur Eile!

Der erregte Müller hatte faſt keinen Gruß für den

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Gehenden, und als ſich der ſchwatzhafte Jäger entfernt hatte, wurde der Müller, nun allein, noch zorniger. Immer noch wie raſend in dem engen Raume auf- und abgehend oder ge⸗ waltig mit den Füßen den Boden ſtampfend, ſchrie er in barſcheſtem Tone ſeiner Tochter. Thereſe erſchien bald darauf fingend an der hinteren Hausthür, und leichtfüßig den Garten⸗ weg durchſchreitend, war ſie bald bei dem Vater. Als ſie deſſen beinahe wild ausſehendes Geſicht wahrnahm, hörte ſie zu ſingen auf und fragte nach ſeinen Wünſchen.

Komm' nur näher heran, Du grundliederliche Dirn!

So empfing der Müller ſein Kind.Saubere Geſchichten

muß man von Dir hören, Du ehrvergeſſenes, ungerathenes G'ſchöpf Du!

Aber Vater, was hab' ich denn'than? unterbrach ihn das Mädchen; jedoch der Müller achtete nicht auf die Ein⸗ ſprache ſeiner Tochter, ſondern ſchrie oder brüllte weiter:

Schämen muß man ſich, wenn man über d Straßen geht oder in's Dorf'naus muß, wegen Dir elenden Fratzen! Mit Fingern werden d' Jäger und andere Leut' auf mich deuten, wenn ſie's erfahren, was ich für eine nichtsnutzige Tochter heran'zogen hab'! Mit dem größten Lumpen ziehſt Du ohne mein Wiſſen herum. Am helllichten Tag haben Dich d' Jäger mit dem ſauberen Hieſel am Brandt drüben im Seehaus geſeh'n, als ich Dich zum Wirth'nüber ſchickte. Geh' mir aus den Augen! ich will Dich nimmer ſeh'n; ſolang Du ein' Wilddieb als Loder(Geliebten) haſt, kenn' ich Dich nimmer als Tochter an.

4 Doch, wie Alles ſeine Höhe erreicht, ſo war es auch mit dem Zorne des Müllers, und Thereſe ließ gar klug den erſten heftigen Sturm an ſich vorübergehen, ohne durch frühzeitige

Vertheidigung den Vater noch mehr zu reizen. Als ſie ihren 71*