Jahrgang 
2 (1879)
Seite
559
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Concordia. 559

Ich bedauere, ſagen zu müſſen, daß das Geſchäft, welches mich heute hierherbringt, ein ſehr peinliches iſt.

Churchill's Geſicht wurde weiß bis zu den Lippen, und ſeine dünne, nervöſe Hand hielt ſich mit einem feſten Griff an den Rand des Tiſches, gegen welchen er gelehnt ſtand, als ob er ſich ohne Stütze kaum aufrechterhalten könnte.

Bitte, welcher Art ſind Ihre Nachrichten? fragte Churchill, wieder Faſſung gewinnend.

Dieſes Eigenthum die Beſitzung Penwyn iſt Ihnen wohl ſehr theuer, denke ich? fragte Maurice.

Sie iſt mir ſo theuer, als das Geburtsrecht eines Men⸗ ſchen ihm natürlicherweiſe ſein muß; und es iſt die glückliche Heimat meines ehelichen Lebens geweſen.

Mr. Penwyn, ich bin hier, um Ihnen zu ſagen, daß ein Mitglied Ihrer Familie exiſtirt, welches einen größeren Anſpruch an dieſes Eigenthum beſitzt.

Sie träumen, Sir, oder Sie ſind durch irgend einen Betrüger getäuſcht. Ich und mein Kind ſind die einzigen Repräſentanten der Familie Penwyn.

Geheimniſſe giebt es in jeder Familie, Mr. Penwyn. Es hat auch in Ihrer Familie ein Geheimniß gegeben, ſorg⸗ fältig durch mehr als zwanzig Jahre gewahrt, aber neuerdings zum Theile durch meine Thätigkeit an's Licht gebracht.

Was, Sie, Sie ſind als Spion in dieſes Haus gekommen, um insgeheim meine Stellung als Erbe der Beſitzung meines Couſins anzugreifen?

Ich habe Ihnen mitzutheilen, daß Ihr Onkel, George Penwyn, ehe er zum letzten Male England verließ, insgeheim die Tochter eines Pächters ſeines Vaters, Michael Trevanard's zu Borcel⸗End, heiratete.

(Schluß folgt.)

Gefunden!

Roman von C. Engels. (Fortſetzung.)

Der Klang der Glocke ſchreckte Epa aus ihrem Nach⸗ denken auf.

Wer konnte kommen? Nur jetzt kein fremder Beſuch! Ihre noch feuchten Augen verriethen zu deutlich, daß ſie ge⸗ weint hatte.

Die Thür des Salons wurde geöffnet; ein Diener meldete: Herr Baron von Seidenau! und ließ den Genannten ein⸗ treten.

Ein heißer Schreck überrieſelte Eva. rade jetzt!

Mama iſt nicht zu Hauſe ſtotterte ſie.

Nein! entgegnete Herbert, indem er näher trat,der Diener theilte es mir bereits im Vorzimmer mit. Zürnen Sie etwa, Fräulein Eva, daß ich trotzdem wagte, einzutreten? Ich komme, um mich von Ihnen zu verabſchieden; ich habe einige Tage Urlaub genommen, da mein Verwalter meine Anweſenheit auf dem Gute für dringend nothwendig erachtet. Aber ich wollte nicht reiſen, ohne ohne Sie, Fräulein Eva, vorher noch einmal geſehen zu haben. Ich bedauere, daß

Er und ge⸗

Ihre Frau Mama nicht anweſend; wollen Sie derſelben meine Empfehlungen ausrichten?

Gewiß, ſehr gern! erwiderte Eva.Werden Sie lange fortbleiben?

Nicht einen Tag, nicht eine Stunde länger, als un⸗ umgänglich nothwendig iſt, rief er lebhaft.So ſchnell als möglich kehre ich wieder, denn hierher treibt mich eine ge⸗ heime Macht

Herbert ſprach die letzten Worte mit heiſerer Stimme, während er der erröthenden Eva forſchend in die Augen blickte.

Sie haben geweint fuhr er fort und neigte ſich zu ihrdarf ich nicht wiſſen, warum?

Eva ſchwieg. Es lag etwas ſo Ueberwältigendes in dem leife vibrirenden Klang ſeiner Stimme, etwas ſo Sinnverwirren⸗ des in dem Zlick, der tief in ihre Augen tauchte, daß ſie ſie niederſchlagen mußte und um die Welt nicht ein Wort zu

ſprechen vermochte.

Eva! flüſterte Herbert und zog die in ſüßer Verwirrung Befangene an ſeine Bruſt,kannſt Du mich ein wenig lieben?

Und plötzlich fanden ihre ſtummen Lippen die Sprache wieder. Aber nicht Worte waren es, die ihnen entſtrömten, ſondern Küſſe, heiße, leidenſchaftliche Küſſe, die auf ſeinen Lippen brannten und heißer, leidenſchaftlicher von ihm er⸗ widert wurden.

Glühend und zitternd noch vor Seligkeit, löſten ihre Arme ſich endlich von ſeinem Halſe.

O Herbert, ſprach ſie mit einem faſt ſchmerzlichen Lächeln,ich muß Dir ſagen, was mein Herz beſchwert. Du glaubſt Eva von St. Etienne zu lieben und ich bin doch eine ganz Andere.

Närriſches Kind, wie ſoll ich das verſtehen?

Ich bin nicht die rechte Tochter der Frau, die ich Mutter nenne. Sie nahm mich als zweijähriges Kind, als Waiſe, wie ſie glaubte, zu ſich, und jetzt kommt plötzlich ein Mann, der mein Vater ſein will und mich zurückfordert. Ich habe dies Alles erſt jetzt erfahren und ſchon viele Thränen darum ver⸗ goſſen. Denke, wenn Deine Eva nun arm und niedrig ge⸗ boren wäre

So würde ich ſie darum nicht minder lieben! unter⸗ brach Herbert ſie.Nicht Deinen Namen liebe ich, ſondern Dich! Aber ſage mir doch, was ſich eigentlich zugetragen hat?

Eben wollte Eva antworten, als Frau von St. Etienne, die inzwiſchen zurückgekehrt war, in den Salon trat.

Aus den glückſtrahlenden Geſichtern der Beiden entnahm ſie, daß ihre Herzen einig, und ertheilte auf Herbert's Er⸗ öffnungen dem Paare die innigſten Segenswünſche.

Herbert's Bitte um Erklärung des ſoeben von Eva An⸗ gedeuteten beantwortete Frau von St. Etienne dahin, daß ſie auch ihm erzählte, auf welche Weiſe ſie in Eva's Beſitz ge⸗ langte.

In einigen Tagen hoffe ich Ihnen Beſtimmtes über