Jahrgang 
2 (1879)
Seite
557
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Concordia.

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Eine halbe Stunde ſpäter erfuhr Maurice von Michael Trevanard auf ſeine Frage, daß der alte Tomlin im Dezember 1847 geſtorben war. Dies war vor der Geburt Juſtina's, und es erklärte den Umſtand, warum Muriel den geſiegelten Brief nicht hatte an ſeine Adreſſe abgeben können.

22. Kapitel. Es iſt Zeit, du Herz voll Leidenſchaft!

Der Grund von Muriel's Handlungsweiſe war durch die Thatſache von Mr. Tomlin's Tod vollſtändig erklärt. Der einzige Freund, den die Vorſicht ihres Gatten ihr zugewieſen, war vor der Stunde ihrer Noth dahingerafft worden, und ſie fand ſich allein, ohne Hilfe, ohne Rath.

Mit den Briefen von George Penwyn, die Muriel voll⸗ ſtändig als deſſen Gattin anerkannten, fühlte Maurice, daß nun ohne Aufſchub gehandelt werden müſſe. Aber ehe er das Geſetz in Anſpruch nahm, entſchloß er ſich, den ganzen Fall Churchill Penwyn und Juſtina zu unterbreiten, in der Abſicht, vielleicht die Möglichkeit eines Vergleiches zu finden.

Er fuhr noch an demſelben Tage nach London.

Am nächſten Morgen um Elf fand er Juſtina bereit, ihn zu empfangen, friſch und ſchön in ihrem einfachen Herbſtkleide von rehfarbenem Cachemir.

Es iſt eine ernſte Angelegenheit, ſagte er,die ich Ihnen mitzutheilen habe, aber ich hoffe, ſie wird Niemandem Schmerz verurſachen, ausgenommen, was Ihre Zärtlichkeit und Ihr Mitgefühl für Andere betreffen mag. Die Geſchichte, welche ich Ihnen zu erzählen habe, iſt eine traurige, und ſie beginnt mit Ihrer eigenen Kindheit.

Papa darf es doch hören? ſagte ſie, mit einem Blick

auf den Schauſpieler, der ſeine Nachmittagspfeife weggelegt

hatte und nicht ſehr heiter ausſah.

Ja, ich ſehe keinen Grund, warum Mr. Elgood nicht Alles hören ſollte, was ich Ihnen zu ſagen habe. Er wird im Stande ſein, viele meiner Angaben zu beſtätigen.

Matthew Elgood bewegte ſich unruhig auf ſeinem Stuhle, wiſchte ſich die Stirn mit einem ſeidenen Taſchentuche und ſchluchzte laut.

Juſtina war in einem Moment auf ihren Knieen zu ſeinen Füßen, ſchlang ihre Arme um ihn, zog ſein graues Haupt auf ihre Schulter herab und liebkoſte ihn zäértlich.

Theurer Papa, was können Sie meinen? Nicht mein Vater?

Nein, meine Liebe, ſchluchzte der alte Schauſpieler. Geſetzlich habe ich keinen Anſpruch an dieſen Titel, moraliſch iſt es etwas Anderes. Ich hielt Dich über den Taufbrunnen dieſe Hände haben Deine kindlichen Schritte geleitet, doch bin ich nicht Dein Vater. Geſetzlich habe ich keine Autorität über Dich oder Dein Salair.

Sie ſind dennoch mein Vater, antwortete Juſtina mit Nachdruck.Welch' anderen Vater hätte ich ſonſt?

Maurice erzählte ſeine Geſchichte in den klarſten Worten die Geſchichte von Muriel's Heirat und Kummer. Juſtina hörte ihm mit Thränen in den Augen zu.

Nun, Juſtina, ſagte er, nachdem er Alles erklärt,Sie verſtehen, daß Sie einen geſetzlichen Anſpruch auf die Beſitzung Penwyn haben. Das Teſtam⸗n Ihres Großvaters hinterließ das Eigenthum George Penwyn, Ihrem Vater, oder ſeinen

männlichen oder weiblichen Erben. Wenn eine Tochter erbt, ſoll ihr Gatte, den ſie heiratet, den Namen Penwyn annehmen. Ich habe mir die Mühe genommen, das Teſtament zu leſen, und habe keinen Zweifel bezüglich Ihrer Stellung. Sie können ſich an das Kanzlergericht wenden, oder ein Freund für Sie und Sie können Churchill Penwyn von Haus und Hof forttreiben, von all' ſeinem Reichthum und ſeiner ſozialen Stellung. Es wird etwas hart ſein für ſeine Gattin, die eine ſehr gute Frau iſt und viel Gutes gethan hat in ihrer Nachbarſchaft.

Denken Sie, daß ich ſein Geld oder ſein Land wünſche? rief Juſtina unwillig.Nicht einen Heller. Ich will nur den Namen, den zu tragen ich ein Recht habe Jamies Penwyn's Namen. Zu denken, daß wir Couſins waren! Der arme James!

Sind Sie nicht berauſcht von dem Gedanken, die Herrin von Penwyn zu ſein?

Nein. Ich bin zufrieden, zu ſein, was ich bin mein Brot mir ſelbſt zu verdienen und glücklich mit meinem armen alten Papa zu leben, ſagte ſie und legte liebevoll ihre Hand auf die Schulter des Schauſpielers.

Meine Liebe, das iſt einfach kindiſch, rief Mr. Elgood.

Laſſen Sie mich für Sie handeln, Juſtina; vertrauen Sie mir, daß ich den Squire und ſeine Gattin großmüthig behandeln werde.

Ich will Ihnen vertrauen, antwortete ſie, indem ſie mit vollkommenem Vertrauen und Liebe auf ihn blickte.

Und dies war Alles, was über die Beſitzung Penwyn geſprochen wurde. Maurice brachte den Reſt des Tages mit Juſtina zu, führte ſie Nachmittags nach der Weſtminſter⸗Abtei, um einen guten Prediger zu hören, und ging mit ihr nachher in den St. James⸗Park. Hier fühlte er, das er nun die Freiheit habe, ſein Herz zu öffnen, und er ſagte ihr mit den zärtlichſten Worten, wie das Glück ſeines künftigen Lebens an ſie geknüpft ſei, wie ſie ihm, reich oder arm, theurer ſei als die ganze übrige Welt.

Und ſo gelobten ſie einander, in dem Nebel und der Düſter⸗ heit Londons, unter den rauchigen Bäumen der Metropole, ihre Treue und Juſtina war unausſprechlich glücklich.

23. Kapitel. Wir ſehen ſie nie wieder wie ein Kind!

Maurice Cliſſold ging am folgenden Tage mit Vollmachten ausgerüſtet nach Cornwall zurück. Juſtina's lebhaftes Ver⸗ langen war, die unglückliche Mutter zu ſehen, von der ſie ſeit der Stunde ihrer Geburt getrennt war; aber es war nicht das leichteſte Ding in der Welt, ein Zuſammenkommen zwiſchen dieſen Zweien zu Stande zu bringen. Andere Intereſſen mußten vor Allem berückſichtigt werden. Das Albert⸗Theater konnte Juſtina's nicht entbehren, wenigſtens behauptete das der Direktor; und Juſtina war für die ganze Saiſon engagirt. Sie konnte ihr Engagement nicht brechen, außer auf die Ge⸗ fahr hin, ihren guten Ruf bei dem Publikum zu verlieren und außerdem eine geſetzliche Verfolgung zu riskiren.

Das Einzige, was geſchehen konnte, war, Muriel London näher zu bringen, ſobald ſie ſtark genug wäre, die Reiſe zu ertragen. Maurice hoffte viel von dem Einfluſſe der Tochter auf den wirren Geiſt der Mutter. Er war um acht Uhr