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Concordia.
von Nepomuk, der das Beichtgeheimniß ſeiner Königin mit
in den Tod nahm. Ich werde nicht ſchwören, denn mein erſter und heiliger Schwur als Prieſter galt ja der Bewahrung dieſes Geheimniſſes. Darum ziehe ruhig hin, ich werde Dich nicht verrathen. Jedoch, bevor Du ſcheideſt, höre noch einmal den Prieſter, Deinen Seelenfreund. Zieh' nicht ſo fort in Sünden, rette Deine Seele! Gehe hin und ſage: Ich habe die That vollbracht, ich habe den Freund gemordet, aber meine Sinne waren beſtrickt, mein Auge ſah nicht klar. Laß das Gericht der Menſchen über Dich ergehen und wende Deine Seele zu Gott. Bereue die That, die Du vollbracht, und ſühne ſie mit Deinem Blute! Gott wird Dir verzeihen, denn es iſt im Himmel mehr Freude über einen Ungerechten, der gerettet wurde, denn über zehn Gerechte. Geh' in Dich, Menſchenkind, und kehre zu Deinem Gott zurück. Lade nicht einen zweiten Mord auf Dein ſchuldiges Haupt, indem Du einen Unſchuldigen opferſt für Dich!“
Ein Donnerſchlag erzitterte die Kirche, ein Blitzſtrahl er⸗ leuchtete den Raum.
Das ungewiſſe Licht machte die Geſtalt der Prieſters noch größer, die erhobene Hand noch drohender.
Ferenz ließ das Meſſer fallen und verhüllte ſein Angeſicht mit beiden Händen.
„Und jetzt,“ ſprach der Prieſter und knieete vor dem Mörder nieder,„jetzt laſſe mich als Menſch zum Menſchen reden. Habe Barmherzigkeit mit einer greiſen Mutter, die den Ver⸗ luſt ihres Sohnes und ihrer Ehre nicht ertragen wird, mit einem Prieſter, der ein Vorbild der Gemeinde ſein ſoll, und deſſen Bruder man einen Mörder nennt, mit einem Mädchen, das den Verurtheilten liebt und wahnſinnig wird, wenn ſie ihn verliert. Auf meinen Knieen bitte ich Dich, ſchone meinen Bruder!“
Ferenz blickte wild empor.
„Ha, Schonung!“ rief er höhniſch,„Schonung ihm, damit ich verdorben bin? Nimmermehr! Ich brauche Deine Barm⸗ herzigkeit nicht und Deinen Gott, ich will das Leben und den Beſitz Rachel's. Dein Gelübde ſteht mir für das Geheimniß!“
Er raffte ſein Meſſer auf und ſtürzte aus dem Gotteshauſe.
Der Prieſter aber hob die Hände zum Altar empor und betete:
„Herr, wie Du willſt, in Deine Hände empfehle ich ſeinen Geiſt!“
* 8*†
Noch in der Nacht machte ſich der Pfarrer auf den Weg nach Vukovar.
Gegen Morgen trat er in das Gefängniß ſeines Bruders.
Thränen traten ihm in die Augen, als er in das ſchreck⸗ lich bleiche Antlitz Dragutin's ſah, als dieſer die matten, er⸗ loſchenen Blicke auf ihn richtete.
Von Rührung überwältigt, ſank er vor dem Strohlager nieder und bedeckte den Unglücklichen mit heißen Küſſen. Dann ſtand er auf, legte ſegnend ſeine Hände auf deſſen Stirn und ſprach feierlich:.
„Selig ſind die unſchuldig Verfolgten, denn ihrer iſt das Himmelreich.“
Dragutin ſah ihn groß an.
„Glaubſt Du nun, daß ich unſchuldig bin?“ rief er und erhob ſich bebend,„o, ſo bringe mir Rettung, überzeuge meine Richter, mache mich frei, aber nur bald, ſonſt iſt es zu ſpät!“
Ein tiefer Schmerz malte ſich in den Zügen des Prieſters.
Er erhob die Hand zum Himmel.
„Dort iſt Hilfe und Rettung, auf Erden nicht,“ ſagte er leiſe.„Trage Dein Loos in Ergebung!“
Dragutin ſtieß ihn mit einem Schrei zurück.
Der Pfarrer verließ erſchüttert das Gefängniß.
Noch ein Gedanke beſchäftigte ihn.
Bevor er Nuſtar verließ, hatte er noch raſch einen Eil⸗ boten nach Vukovar an den dortigen Biſchof geſandt.
Dieſem theilte er in einem in geheimer Chiffreſchrift ab⸗ gefaßten Brief den Fall mit, und bat, wie es bei allen wichtigen Fragen üblich iſt, um den geiſtlichen Rath ſeines Oberhirten. Der Bote konnte noch vor Vollſtreckung des Ur⸗ theils in Vukovar ſein.
Mit Todesangſt wartete der Prieſter auf ihn.
Der Tag vor der Hinrichtung ging zu Ende.
Schon brach die Dämmerung herein und ſenkte ihre Schatten auf die Gegend.
Noch keine Nachricht.
Der Mond zog herauf.
Durch den feuchten Nebel blickte heute ſeine Scheibe röth⸗ lich und düſter.
Ahnte er Blut?
Die Mitternacht kam.
Der Nachtwächter blies die Stunde mechaniſch ab.
Dann ging er zur Ruhe.
Das Herz des Prieſters aber fand weder Ruhe noch Frieden.
So wurde es Morgen.
Die Nebel ſanken.
Ein falber Streifen wob ſich um die fernen Berge.
Es wurde empfindlich kalt.
Doch heiß durchwogte es den Körper des Unglücklichen.
Schon ſcholl Trommelwirbel durch die Stadt.
Es galt dem Verurtheilten.
Und noch kein Bote.
Der Prieſter lag vor einem Kruzifix in furchtbarer Auf⸗ regung. Er wollte beten und konnte nicht. Er wollte ſich mit Gewalt beherrſchen, jedoch ſein Inneres empörte ſich gegen den langgewohnten Herrſcher.
Der Trommelwirbel kam näher.
Jetzt dröhnte er gerade vor dem Hauſe.
Der Prieſter ſtürzte zum Fenſter. Da unten führte man ſeinen Bruder zum Tode.
Heiliger Gott! Und er war doch unſchuldig!
Der Prieſter ſchlug die Hände vor das Geſicht und ſtöhnte: „Herr, laſſe den bitteren Kelch an mir vorübergehen!“
Dragutin ſchritt wankend in der Mitte der von der Sonne gebräunten Grenzſoldaten. Sein Geſicht war das eines Todten
Jetzt bog der Zug um die Ecke. 1
In dieſem Augenblicke ſchrie der Prieſter, der am Fenſter ſtand, unwillkürlich auf.
Aus der entgegengeſetzten Straße ſprengte ein Reiter auf ſchweißbedecktem Roſſe.
Es war der Bote.
Der Prieſter flog die Treppe hinab. in die Zügel.
Er griff mit zitternden Händen nach dem Brief.
Haſtig riß er das Siegel auf und durchflog das Schreiben.
Da umſchleierte ſich ſein Auge, der Brief ſank zur Erde.
Der Prieſter aber ſtürzte ohnmächtig zuſammen.
Er ſiel dem Pferde


