Jahrgang 
2 (1879)
Seite
547
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durch einen Mord; denn Jener, den ich mordete, führte viel des verfluchten Geldes bei ſich, ſo viel, als wir brauchten,

um ein Paar zu werden. Ich habe die That vollbracht, bin aber ſchmählich um den Gewinn betrogen, denn ich habe das Geld nicht erlangt, und noch dazu die Braut verloren und meine Ruhe und meine Seligkeit! Ich habe mich lange gewehrt gegen die That, aber liebte ich nicht Rachel wie ein Raſender, war ſie nicht das ſchönſte, begehrenswertheſte Weib, das ich getroffen in meinem Leben? Ich habe der Verſuchung widerſtanden, aber als mich der Teufel der Eiferſucht gepackt, da gab es kein Bedenken mehr. Ich folgte meinem Opfer, als es heimkehrte, harmlos mit demſelben plaudernd, aber vor dem Thore verließ ich es und lauerte dem Burſchen auf, als er in die Schänke ging. O, es war fein abgekartet. Denn in der Schänke ſaß der begünſtigte Nebenbuhler des Burſchen, und wir hatten letzteren gehörig angetrunken und gereizt, mit dem Begünſtigten ſeiner Herzliebſten anzubinden. Wie wir ver⸗, muthet, ſo kam es, ein furchtbarer Wortwechſel entſpann ſich in der Stube und drang zu meinem Verſtecke. Kurze Zeit darauf ſtürzte mein Schutzbefohlener heraus. Ich hinter ihm her und ſtieß ihn nieder. Raſch wollte ich nach der Geldtaſche greifen. Da hörte ich Geräuſch. Der Nebenbuhler des Ge⸗ mordeten, dem es galt, die That in die Schuhe zu ſchieben, eilte aus der Schänke. Ich verbarg mich, aber ſo oft ich mich der Leiche näherte, kamen neue Leute und ſtörten mich in meinem Vorhaben. Zum Glück mar es ſehr finſter, ſo daß Niemand die Leiche bemerkte. Endlich gegen Morgen wurde es ruhiger. Ich trat zu dem Todten, ich griff ihm auf die Bruſt, wo ich wußte, daß die Geldtaſche lag. Meine Hand wurde feucht von Blut. Es überlief mich kalt, da war 2s Täuſchung oder Wirklichkeit? da umklammerte die Hand des Todten meinen Arm. Entſetzt ſchrie ich auf, da trat der Mond aus den Wolken und beleuchtete das Geſicht des Todten. Es war mir, als ruhten ſeine Augen mit einem fürchterlichen Ausdruck auf mir. Ich konnte es nicht länger ertragen. Ich floh ohne den Lohn, um den ich gemordet, und irre nun herum, wie von Furien gepeitſcht. Gebt mir Ruhe, Herr, tödtet mein Gewiſſen, wie ich ihn getödtet!

Ein Sturm von Gefühlen hatte ſich in der Bruſt des Pfarrers erhoben.

Konnte es noch zweifelhaft ſein? Vor ihm knieete der Verbrecher, der jenen Mord vollbracht, deſſen ſein Bruder an⸗ geklagt, ja wegen deſſen er bereits zum Tode verurtheilt war.

Es galt noch, den letzten Zweifel zu heben.

Und wer iſt es, den Ihr gemordet? fragte er zögernd.

Der Fremde lachte wild auf.

Wer? Mein beſter Herzensfreund, mit dem ich meine ganze Jugend verlebt, mit dem ich die Schule beſucht, der auf mich baute wie auf Felſen! Dieſen meinen Freund habe ich verrathen; mehr als das, ich habe ihn hinterrücks wie ein feiger Schuft niedergeſtoßen! Nicht wahr, ich bin ein Elender, ein Niederträchtiger; denn ſelbſt ein Räuber handelt nicht ſo an ſeinen Kameraden. Und wer mein Freund war? Des Krämers Gehilfe, Joſip Leſic.

Der Pfarrer fuhr mit einem Freudenrufe empor.

O tauſend Dank Dir, ewig gerechter, allbarmherziger Gott! rief er,dann iſt mein Bruder Dragutin unſchuldig, wie er uns betheuerte!

Ferenz, denn dieſer war der Fremde, ſtarrte den Prieſter

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eine Weile erſtaunt an, dann ſchrie er plötzlich, wie von einem Gedanken erfaßt:

Halt, Schlaukopf, ſtehen wir ſo zuſammen? wirſt jetzt hingehen und mich verrathen, um den Bruder zu retten! Nein, beim Teufel, das wirſt Du nicht, denn ich will noch leben, hörſt Du?

Damit warf er ſich auf den Pfarrer, faßte ihn an der Bruſt, riß ihn aus dem Beichtſtuhle und ſchleppte ihn vor den Altar.

Dort ſank der Prieſter erſchöpft zuſammen.

Vor ihm, hochaufgerichtet, das blitzende Dolchmeſſer ſchwin⸗ gend, ſtand Ferenz.

Die ewige Lampe warf ihren röthlichen Schein auf die Gruppe, auf das todtenbleiche Antlitz des Jüngers der Liebe und der Vergebung, auf das wildverzerrte, dunkle Geſicht des Mannes der Rache und des Haſſes.

Ja, leben will ich, Prieſter, leben! rief Ferenz,denn ſoll ich mich betrügen laſſen um den Lohn meiner furchtbaren That? Niemals, denn ich kann dieſes Weib niemals verlaſſen, dem ich mein Seelenheil geopfert. Ich habe unſeren Bund mit dem Herzblute meines Freundes gekittet. Soll dies Blut umſonſt vergoſſen ſein? Sollſt Du, der Du ein Prieſter der Barmherzigkeit biſt, dieſen Bund zerreißen? Das ſollſt Du nicht, ich will Dich daran hindern!

Damit erfaßte er das ſilberne Kruzifix, das auf dem Altar ſtand, und hielt es dem Prieſter vor.

Schwöre bei dieſem heiligen Zeichen einen ernſten, un⸗ lösbaren Eid, nie und nirgends und gegen Niemand zu ent⸗ decken, daß ich der Mörder des Joſip Leſic bin, wenn es auch Dein Bruder, den man des Mordes beſchuldigt, wenn Du auch Dein eigen Blut zu retten vermöchteſt mit dieſem ein⸗ zigen Worte. Deine Zunge möge verdorren, Deine Hand er⸗ lahmen, ſtatt Heiligkeit möge die Sünde auf Dein Haupt ſich ſenken, und wenn Du ſegnen wollteſt, ſollſt Du nur Fluch bringen, ſobald Du jemals meineidig wirſt an Deinem Schwure. Kein Prieſter Gottes ſollſt Du heißen, ſondern als ein Verdammter ohne Ruhe und Frieden herumirren unter den Menſchen, wie ich es gethan. Schwöre mir dies auf's Kruzifix, oder ich ſtoße Dich nieder mit jenem Stahl, an dem noch das Blut meines gemordeten Freundes klebt! Schwur oder Tod, wähle!

Da zog ein milder, unbeſchreiblicher Ausdruck über das Geſicht des Prieſters.

Das Auge ſah wie verklärt mit einem innig frommen Blicke zu dem Altarbilde empor.

Er erhob ſich ernſt und feierlich, ſeine Geſtalt ſchien zu wachſen, und mit dem Ausdruck hoher Würde hielt er dem wilden Geſellen die Stola hin.

Schwören ſoll ich? ſagte er.Warum? Bin ich nicht ein Prieſter des Herrn, geziert mit dem Zeichen ſeines Dienſtes? Kamſt Du nicht zu mir als ruheſuchendes Beichtkind, wie viele Andere? Daß Deine Schuld gewaltiger und ſchwerer iſt, ändert dies meine Pflicht? Was ſoll ich ſchwören? Dich nicht zu

verrathen? Darf ich es? Unter dem Siegel des Beicht⸗ geheimniſſes haſt Du mir Dein Verbrechen eingeſtanden.

Darf ich dies Geheimniß verrathen? Nie und nirgends, denn ein heiliges Gelöbniß zwingt uns, dies Geheimniß, das wir an Gottes Statt entgegengenommen, zu bewahren und niemals preiszugeben den Menſchen. Und wenn mein eigener Bruder und wenn ich ſelbſt zum Opfer fallen ſoll, ſo möge es ge⸗ ſchehen, mein Mund jedoch muß ſchweigen. Denke an Johann

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