Jahrgang 
2 (1879)
Seite
535
Einzelbild herunterladen

Muriel Trevanard Mann und Weib waren, ihrer Heirat wußten.

Es dauerte einige Augenblicke, bis Madame Balo genügend gefaßt war, um zu antworten.

Mr. Cliſſold, ſagte ſie endlich erregt,Sie haben mich zu einer ſehr unglücklichen Frau gemacht. Dieſe Arme die Märtyrin verurtheilt von ihrer eigenen Mutter verſchmäht, geſtoßen aus dem Schoße ihrer Familie gequält, bis ſie den Verſtand verlor war eine ſo ehrliche Frau, als ich es bin ein treues und braves Weib, mit George Penwyn legal und mit meinem Wiſſen verbunden. fand eine Heirat ſtatt, und ich war bei der Ceremonie an⸗ weſend. Ich war thöricht genug, mich von Kapitän Penwyn in ſeinen unmännlichen Plan einer geheimen Heirat ziehen zu laſſen. Es ſollte blos eine legale Heirat ſtattfinden, unr ein

daß Sie von

Ja, 08

Band, ſie für immer zu binden aber nicht mehr, bis George ſeines Vaters Zuſtimmung gewonnen haben würde. George Penwyn kam, ehe er nach Eton ging, zu mir,

um für eine öffentliche Schule vorbereitet zu werden. Ich

Concordia.

535

war noch ein junges Mädchen, hatte eben erſt mein Inſtitut eröffnet, und war froh, dem kleinen Knaben des Squire's zwei Stunden zu geben, der auf ſeinem Ponny nach Seacomb her⸗ über zu reiten pflegte, von einem Reitknechte begleitet. Er war ein dankbarer, gutherziger Junge, und vergaß niemals ſeine alte Freundin, oder den altmodiſchen Garten mit den dicken, gelben Eierpflaumen an der weſtlichen Mauer. In ſeinen Sommerferien kam er oft, mich zu ſehen, und ebenſo ſpäter, als er bei der Armee war. Er brachte niemals dreit Tage zu Hauſe zu, ohne daß er widmete.

mir nicht einen Morgen

Sah er Muriel Trevanard zuerſt in ihrem Hauſe? Nein, er war zu der Zeit, als Muriel bei mir war, im

Auslande. Meine erſte Kenntniß von ſeiner Bekanntſchaft

mit Muriel und von ſeiner Liebe für ſie kam von ſeinen

eigenen Lippen und war für mich eine Ueberraſchung. Madame Balo hielt inne und ſeufzte tief auf.

(Fortſetzung folgt.)

Gefunden!

Roman

von

C. Engels.

(Fortſetzung.)

Mit wachſender Unruhe war Frau von St. Etienne der Erzählung ihrer Tochter gefolgt. Nun richtete zürnenden Blick auf dieſelbe.

ſie einen

Wie unvorſichtig, Eve! Nie wieder darfſt Du Dich in jene Gegend wagen, hörſt Du es? Nie wieder! Bedenke, wenn das alte, unheimliche Weib Dir nun etwas zu Leide

gethan hätte! Solche von irgend einem Wahn glückliche können bei dem ungeahnteſten Anlaß in namenloſe Wuth ausbrechen. Wie nun, wenn ſie Deine Flucht aus dem Fenſter vermuthet, Dir im Garten aufgelauert und in ihrem Bemühen, Dich zarſczubalen, mit einem bereit gehaltenen Meſſer Dich vielleicht verwundet hätte?

O nein, Mama! lächelte Eva.So ſah ſie nicht aus. Ich habe ſogar die Abſicht, ſie wieder einmal zu beſuchen. Vielleicht gewöhnt ſie ſich dann an meinen Anblick und lernt begreifen, daß ich eine Andere ſei, als für die ſie mich hält.

Um Gottes willen nicht! Nimmermehr darfſt Du die Alte wiederſehen, ich werde das nie zugeben; meide das Haus. Du verſprichſt mir, daß Du meinen Wunſch erfüllen wirſt?

Ein Verſprechen brauchſt Du mir nicht abzunehmen, Mama, erklärte Eva;wie könnte ich wohl etwas thun, von dem ich wüßte, daß es Dir unangenehm iſt?

Ihre Erzählung, Fräulein von St. Etienne, hat mein Gedächtniß wunderbar aufgefriſcht, nahm Freda das Wort. Jetzt erinnere ich mich ganz genau, daß meiner verſtorbenen Mutter und mir bei den damaligen: Beſuchen, welche wir der Malerin machten wie Sie ſich erinnern werden, erzählte ich neulich davon ſtets eine alte Perſon öffnete, die, ob ihres turbanartig um den Kopf gewundenen Tuches, mir immer einen fremdartigen Eindruck machte. Wenn ich ſie ſah, mußte ich an den Sultan in meinem Bilderbuch denken. Auch fällt mir jetzt ein, daß die Dame ſie Hanna nannte. Unzweiſelhaft iſt die jetzige Bewohnerin desSpukhauſes mit jener Hanna identiſch.

befallene Un⸗

Gewiß! erwiderte Eva.Und die Malerin, Sie erzählten, war ihre Herrin und hieß Regine.

Vielleicht auch war dieſe Regine nur ihr angenommenes Kind, ihre Pflegetochter?

Langſam und gewichtig ſprach Worte aus. Dabei richteten ſeine ſich mit forſchendem Ausdruck auf Frau von St. Etienne.

Dieſe, ſeit der Erzählung ihrer Tochter von einer nervöſen Unruhe befallen, war außer Stande, ihr Mißfallen an der Unterhaltung zu verbergen. Offenbar wünſchte ſie, ſpräch über dieſen Punkt beendet zu ſehen. Bei Plotzk merkung und unter ſeinem leiſe forſchenden Blick zuckte ſie leiſe zuſammen; ganz leiſe nur aber doch nicht unmerklich genug, als daß die ſcharfen Augen des ſie freundlich An⸗ lächelnden dies nicht wahrgenommen hätten.

Pflegetochter? wiederholte Freda den Kopf. doch wohl, nicht! Alte Fräulein Regine geſagt hat. ſtehen bleiben, d geweſen iſt.

Aber was

von det

Herr von Plotzki dieſe

kleinen Schlangenaugen

das Ge⸗

i 8 Be⸗

wiegte zweifelnd Sie hörten ja, daß die Wir müſſen ſchon dabei daß Regine die Herrin und Hanna die Dienerin

und

Das Das

geht das Alles uns an? St. Etienne, ſichtlich beſtrebt, eine innere Bewegung zu unter drücken und gleichgiltig zu ſcheinen;das Geplapper einer blödſinnigen Alten kann uns doch wahrhaftig nicht intereſſiren. Du biſt doch ſonſt ſo gut, Mama, ſchmollte Eva, züni für dies arme, alte Weſen haſt Du gar keine Theilnahme übrig Nun, nun, mein Kind lenkte Frau von St. Etienne eines iſt nicht bös gemeint. Wenn es Dich beruhigt, werde ich ſogar ſelbſt einmal zu der Alten gehen natürlich nur unter dem nöthigen Schutz und ſehen,

fragte Frau von

ob ich etwas

für ſie thun kann. Nur Du darfſt mir das Haus nicht wieder betreten. Nachdem man einige Erfriſchungen eingenommen, noch

t geplaudert und Freda die

über dieſe und jene Tagesneuigkei 2 6