Jahrgang 
2 (1879)
Seite
524
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524 Concordia

Von Wort zu Wort flammte ſein Auge höher auf, über⸗ goß dunklere Gluth ſeine Wangen.

Die verlockenden Worte der Jüdin umſtrickten die Seele des heißblütigen Jünglings und weckten den Dämon in ſeiner Bruſt. Da faßte Rachel ſeine Hand und preßte ſie heftig.

Rächen mußt Du Dich, Joſip, rief ſie im höchſten Affekte,rächen wie ein Mann, wie ein Sohn jenes Stammes, deſſen Vorfahren durch Jahrhunderte dem Muſelmann be⸗ wieſen, daß, wer den Slaven ſchädigt, nur eine Antwort bekommt, den Tod! Hintreten mußt a vor dieſen ſtolzen Kroaten, der mit ſeinem goldenen Flitterſtaat prunkt, und welcher doch nur zeigt, daß er des Kaiſers Diener iſt. Du aber biſt ein freier Mann und liebſt Dein Vaterland, ohne Dich dafür beſolden zu laſſen. Frage ihn, wer ihm das Recht giebt, ſich zwiſchen Dich und Marie zu drängen, un⸗ gerufen und unbefugt, und wenn er ſich auf das Jungferchen bezieht, dann ſage ihm, Du nähmeſt nur eine Entſcheidung an, und das ſei jene der Waffen. Wenn Du das thuſt, dann, Joſip, biſt Du ein Dichter, wie ich mir ihn denke, der nicht blos zierliche Verslein ſchmiedet von Heldenkraft und Mannes⸗ muth, der auch ein Leben mit Thaten beſtätigt, was ſeine Feder geſchrieben. Wenn Du es nicht thuſt, dann warſt Du nie ein Dichter, wirſt Du nie ein Mann!

Joſip war aufgeſprungen. Seine Bruſt arbeitete gewaltig. Große Schweißtropfen perlten über ſeine geniale Stirn.

Ja, Du haſt recht, Mädchen, rief er keuchend,ich will Rechenſchaft fordern von dieſem Diebe, der mir mein ganzes Erdenglück geſtohlen und doch mit ſeiner Ehrenhaftigkeit prahlt; heute noch will ich es thun, wenn ich heimkehre und er über⸗ müthig lachend an der Seite ſeines Bruders, des heuchleriſchen Prieſters, in unſerer Schänke ſitzt und ſeinem Redeſtrome freien Lauf läßt, daß dieſe Dörfler mit offenem Munde daſtehen und ihn anſtaunen wie ein Mirakel. Ich will ſein Gefaſel unliebſam genug unterbrechen. Und wenn er mirr nicht Rede ſteht, will ich ihn zerſchmettern wie dieſen Becher.

Damit ſchleuderte er das Kryſtallglas zu Boden, daß es in tauſend Scherben zerſplitterte.

Nachel's Antlitz überflog ein Lächeln des Hohnes.

Jetzt aber beruhige Dich, mein Freund, und bevor Du Dich aufmachſt, will ich Dir ein treffliches Mahl herrichten, denn Du haſt vor Aufregung den ganzen Tag nichts ge⸗ noſſen, ſagte die Jüdin und ging in die Küche, indem ſie Ferenz hinauswinkte.Haſt Du es gehört? flüſterte ſie dieſem zu;giebt es eine beſſere Gelegenheit, unentdeckt zum Gelde zu kommen? Du begleiteſt Deinen Freund bis vor Nuſtar, dann nimmſt Du Abſchied von ihm und er möge ſeines Weges ziehen. Halte die Schänke im Auge. Der Er⸗ folg wird lehren, wie Du die Sache angreifſt, aber geſchehen muß ſie. Sei auf der Hut, daß Dich Niemand ſieht. Gelingt es, ſo iſt in Kurzem Rachel Dein Weib.

Ferenz ſtand unſchlüſſig.

Da überflog die Gluth des Zornes das ſchöne Antlitz der Jüdin.

Wohlan, Feigling! rief ſie mit unterdrückter Wuth,ſo muß ich Dir Alles ſagen, damit Du weißt, woran Du biſt. Meinſt Du denn, der ſchöne Slavonier ſei mir gleichgiltig geblieben, meinſt Du denn, wenn er heute käme und ſagte: Rachel, willſt Du mein Weib ſein? ich ſagte Nein? Ja, lagte ich, das kannſt Du mir glauben, und biſt Du zu feig,

mich zu erkämpfen, ſo werde ich mir die Mühe nehmen, den ſchönen Slavonier von ſeiner Liebe zur blonden Dentſchen zu heilen, daß er nicht leben ſoll ohne die ſchwarzlockige Jüdin. So ſtehen wir miteinander, damit Du es nur weißt. Es iſt alſo nicht mehr Dein Freund, den Du vor Dir haſt, ſondern ein Nebenbuhler, und von Dir wird es abhängen, ob er der begünſtigte wird.

Ferenz's Geſicht wurde erdfahl, ein widerlicher Zug von Tücke überflog daſſelbe, und kaum hörbar murmelte er:Du ſollſt mein Weib werden!

Darauf ſtürzte er fort.

Rachel ſah ihm nach und zuckte verächtlich die Achſeln.

Endlich, ſagte ſie dumpf,und es bedurfte der Eifer⸗ ſucht, um ſeinen Muth zu wecken. Aber ich bin doch am Ziele!

** *

Kurze Zeit darauf verließen Joſip und Ferenz die Juden⸗

ſchänke und brauſten auf dem Geſpann des Erſteren pfeil⸗

ſchnell gegen Nuſtar.

Mit Ferenz war eine große Veränderung vorgegangen, ſeine freundſchaftlichen Geſinnungen gegen den Jugendgeſpielen waren gewichen; etwas war trennend und entfremdend zwiſchen ihn und den Slavonier getreten.

Dies Etwas war Rachel.

Eine wahnſinnige Liebe zu ihr loderte verzehrend in der Bruſt Ferenz's empor und hielt alle ſeine Sinne gefangen.

Nur mit ihr vereint, ſah er Licht und Glück. Ohne ſie fand er nur Nacht und Weh. Ja er konnte ſich ein Leben ohne Nachel nicht denken, da er nicht leben konnte ohne ſie.

Die ſchlaue Jüdin hatte die Eiferſucht in ihm entzundet und von dieſem Moment an hatte ſie geſiegt.

Die Eiferſucht bedenkt nichts, vermag Alles. Wen ſie er⸗ faßt, der folgt blindlings und unaufhaltſam ihrer Macht.

Der Eiferſüchtige iſt ein Wahnſinniger.

Ferenz blickte oft verſtohlen auf Joſip; zum Glück war dieſer ſelbſt ſtill und in Träumereien verſunken, ſonſt müßte er den Zuſtand ſeines Freundes bemerkt haben.

Sie ſaßen ſtumm nebeneinander und Keiner wollte ein Schweigen unterbrechen, das Beiden willkommen war.

So vergingen mehrere Stunden.

Der Mond brach für einen Augenblick aus den Lolken und beleuchtete in der Ferne einen Thurmknauf.

Joſip erkannte den Kirchthurm von Nuſtar und theilte es Ferenz mit.

Da erwachte dieſer aus ſeinem Hinbrüten und ſprang vom Wagen.

Glück zu, Jofip, rief er,ich kehre heim.

Darauf verſchwand er in der Dunkelheit. Joſip hieb in die Pferde und fuhr in das Dorf.

Spät Abends trat der Slavonier in das Schänkzimmer, wo noch einige Gäſte ſaßen. Lieutenant Dragutin war unter ihnen.

Ei, ſo ſpät aus Eſſeg zurück? rief er dem Eintreten⸗ den zu.

Früh genug, rief dieſer erglühend,um Dir zu ſagen, daß Du ein Schuft biſt!

Dragutin ſtand auf, Todtenbläſſe bedeckte ſein Geſicht, alle anderen Gäſte fuhren von ihren Sitzen empor.

Ja, ein Schuft, rief Joſip mit erhobener Hand weiter;

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