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Concordia.
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„Was mir fehlt?“ rief er—„Alles!“ „ Alles?“ fragte ſie raſch und ihre glühenden Blicke bohrten ſich lauernd in ſein Auge;„dann haſt Du Dein Mädchen verloren!“
Joſip erbebte.
„Verloren, und die Liebe dazu, und Alles iſt todt und öde und leer, Alles!“ Ein dämoniſches Feuer flauunte in dieſem Augenblicke in dem Auge der Jüdin empor, ein Lächeln des Triumphes über⸗ flog auf einen Moment das wunderbare Antlitz, doch wie Foſip zu ihr emporſah, verſchwand es augenblicklich und machte dem Ausdrucke der innigſten Theilnahme Platz.
In dieſem Augenblicke wurde die Thür leiſe geöffnet und Ferenz, ſichtlich aufgeregt, trat in den Verſchlog.
Joſip reichte ihm die Hand, doch erbebte Ferenz bei der
Berührung und konnte dem Freunde nicht in das Auge
ſchauen.
„Meine Freunde,“ brach endlich Joſip das peinliche Schweigen,„Ihr kennt mein Wirken und Streben. Ihr wißt, was für Ziele ich verfolge. Ich war ein junger, hoffnungs⸗ voller Burſche, die Welt lag offen vor mir und die Zukunft lachte mich freundlich an. Mit Feuereifer verlegte ich mich auf meine Studien, machte es nicht wie meine Kameraden, die ihren Beruf in den Trinkgelagen zu finden glaubten. Denn ich fühlte in meinem Iunern den diamantenen Quell der Poeſie entſpringen und Lieder keimten in heiliger Be⸗ geiſterung. Ein Dichter wollte ich werden, ein echter Dichter meines Volkes, ein Dichter ſo groß wie Vuk Karadzik als Sprachforſcher. Und war ich es? Sag' Du es ſelbſt, Ferenz, der Du mein Jugendfreund geweſen, hat nicht Vuk ſelbſt, als ich ihm meine Lieder ſandte, ſie auf das Wärmſte anerkannt, ſchrieb er mir nicht: Rüſtig vorwärts, junger Mann, ich grüße Dich als einen Poeten meines Volkes!?— Da ſah ich Marie auf einem Jahrmarkte, und ſeit dieſem Augenblicke handelte ich wie ein Wahnſinniger. Ich ließ meine Studien, meine Pläne, ich ſuchte ſie auf in ihrem Dorfe, ich verdingte mich ihrem Vater und wurde ein elender Dorfkrämer, nur, um ſie immer zu ſehen, die Muſik ihrer Stimme zu hören, den Duft ihres Athems zu trinken. Unter'n Bauern lebte ich, machte Düten ſtatt Verſe, las Preiscourante ſtatt Klaſſiker, und fühlte ich mich unglücklich? Nein, denn ſie war mir ja Alles, Welt und Himmel und Poeſie. So gingen Monate, ſo wurden Jahre daraus. Ob ſie mich liebte? Ich weiß es nicht. Sie war immer gleich freundlich, gleich herzgewinnend. Aber der Duft der Jungfräulichkeit, der über ihrem ganzen Weſen lag, ſtimmte mich andächtig, wenn ich in ihrer Nähe war. Sie kam mir dann immer vor wie eine Heilige, zu der man betet, der man aber nicht ſagen kann, daß man ſie liebt. Auch ich ſagte es nicht, denn es fehlte mir der Muth dazu. Aber meine Augen mußten ſprechen. Ob ſie dieſelben verſtand? Ich weiß es nicht. Ob ſie meine glühenden Blicke erwiderte?
Rein. Sie hatte ja die Augen eines Engels, und in dieſen lebt nichts Irdiſches. Da kam ein großes Leid über mich und riß mich mit einem Male aus allen meinen Träumen.— Des Pfarrers Bruder, Dragutin Sajevic, war als Ofſizier in unſer Dorf gekommen und vorbei war es mit Glück und Liebe. Denn ich bemerkte bald, daß Marie erröthete, wenn er kam, daß ſie nachdenkend und träumeriſch wurde, wenn er ging. Und geſtern Abend, als ich das Fenſter öffnete, um der
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ſcheidenden Sonne nachzuſehen, da ſaßen Marie und Dragutin unter demſelben, da ſagten ſie einander, daß ſie ſich lieben; da ging ein Riß durch mein Innerſtes, da war Alles dahin, was ich gehofft, geträumt, geglaubt, ich ſah nur Nacht, ſchwarze, finſtere Nacht, und kein Lichtſtrahl fiel in meine Seele. Und Nacht iſt es noch immer in mir und Nacht wird es bleiben!“
Rachel hatte mit ſteigender Aufmerkſamkeit zugehört, ein Gedanke beſchäftigte ſie, denn plötzlich leuchtete es in ihrem Geſicht empor und ein bedeutender Zlick traf Ferenz.
Dieſer ſenkte ſein Auge darunter.
Nachel aber fragte Joſip:
„Was wirſt Du jetzt thun, mein Freund?“
„Ich gehe hinaus in die weite, weite Welt,“ rief der Slavonier,„heimatlos und liebeleer, und wo ſie mich einſt todt finden, mögen ſie mich einſcharren, ohne Kreuz, ohne Stein, denn ich ſterbe ohne Liebe, ohne Glauben!“
„Und was machſt Du heute in Eſſeg?“ forſchte die Jüdin weiter.
„Das letzte Geſchäft will ich dem Alten noch beſorgen und dann mein Bündel ſchnüren und ſcheiden, ohne ſie noch ein⸗ mal zu ſehen. Habe wie alljährlich die Runde in der Stadt gemacht und bringe dem Krämer die eingeſammelten ſieben⸗ hundert Dukaten heim,“ erwiderte der Slavonier.
Rachel zuckte unwillkürlich zuſammen.
Das war ja, was ſie wiſſen wollte.
Nicht die Liebe Joſip's ecregte ihre Theilnahme, ſie wollte wiſſen, ob er das Geld habe und wie hoch die Summe ſei.
Er hatte das Geld.
Es war mehr, als ſie brauchte.
Das egoiſtiſche Weib wollte frei und die Gattin Ferenz's ſein um jeden Preis.
Von dieſem Moment an war ſie einig mit ſich ſelbſt.
„Wie!“ rief ſie dem Slavonier zu,„ſeid Ihr Männer, iſt das Euer Muth, Eure Stärke? Gutwillig willſt Du zurück⸗ treten und dem Anderen Deine Liebſte gönnen, ohne daß ſie wiſſen ſoll, was Du für ſie gefühlt? Willſt Du ſie am Grabe noch ſegnen für die Qual, die ſie Dir bereitet? Willſt Du ihr Glück wünſchen für das Elend, das ſie über Dich gebracht? Das iſt wohl Großmuth, Ihr Thoren, das heißt wohl ge⸗ handelt wie ein Mann? Pfui, Schwachheit iſt's, ſage ich Euch und Feigheit, und weil Ihr Euch deren ſchämt, ſo mas⸗ kirt Ihr ſie mit Edelmuth. Und haſt Du daran gedacht, daß Du Deine ganze Zukunft, Deinen Ruhm dieſer Krämerin geopfert, daß Du Deinen Namen ausgeſtrichen aus dem gol⸗ denen Buche des Vaterlandes, darin ſeine Dichter ſtehen, daß Du dafür ihren winzigen, unbedeutenden Namen mit flammen⸗ den Lettern in Dein Herz geſchrieben? Haſt Du der Ent⸗ ehrung und der unwürdigen Stellung gedacht, die Dich ge⸗ troffen, als Du Jahre lang unter Tonnen und Oelfäſſern vegetirt mit Deinem Wiſſen, Deinem Genius? Der Qual, als Du ſie täglich geſprochen, ohne gehört zu werden? Haſt Du nicht gedient um ſie, wie Jakob um Lea? Und nun kommt dieſer Kroate daher und zerſtört in zwei Tagen, was Du durch Jahre gebaut, erreicht mit einem Worte, was Du mit allen Deinen Liedern nicht vermochteſt! Pſui, Joſip, das wirſt Du nicht, das kannſt Du nicht thun, wenn Du ein Mann biſt!“
Joſip hatte mit ſteigender Erregung zugehört. ein Glas Wein nach dem an
Er ſtürzte
eren hinunter.
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