Jahrgang 
2 (1879)
Seite
517
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ich muß ihn auch wohl als Hausarzt annehmen. viel denkſt Du wohl, daß Du für Deinen Vater erübrigen

Alſo ſo bald ſchon, das dachte ich kaum. Und wo denkt Ihr Euere Flitterwochen zu verleben? In Paris; wir haben jedoch nur vierzehn Tage Zeit. O, meine Liebe, das iſt lange genug; in manchen Fällen ſchon zu lange! Und dann kehrt Ihr hierher zurück und er⸗

freut Euch Euerer Tauſender?

Ja.

Euer Haus und die Einrichtung iſt wohl ſchon fertig?

Ja.

Und Ihr haltet Wagen und Pferde; wie viel Pferde hat er?

Doktor Ford hat jetzt ſechs Pferde. Auf Ehre, das iſt kein ſchlechter Landdoktor! Ich denke, Und wie

kannſt? Während dieſer Unterhaltung war die Mahlzeit auf⸗ getragen. Herr David ſetzte ſich an den Tiſch und ließ es

ſich vortrefflich ſchmecken; ich war zu elend, um auch nur das Geringſte anrühren zu können, und war am Fenſter ge⸗

blieben.

Wie meinen Sie das? ſagte ich vernichtet auf ſeine letzte Frage.Wollen Sie denn ſonſt noch etwas von mir haben?

Nun, immerhin noch etwas mehr, als Du mir bis jetzt ſchon gegeben; das ſoll doch unmöglich Alles ſein? antwortete er, verächtlich auf meine Börſe deutend.Du wirſt doch nicht denken, daß hiervon Jemand lange exiſtiren kann?

Meine Uhr habe ich auch noch, erwiderte ich nervös und verſuchte zitternd, ſie von meinem Gürtel zu löſen,und die anderen Sachen, die ich vorhin nannte, das iſt aber in Wahr⸗ heit Alles, wie Sie ſelbſt ſehen.

Unſinn, Kind! Dieſe Trödeleien helfen mir nicht, die würde man auch gleich zu Hauſe, wenn Du heimkehrſt, bei Dir vermiſſen, und man würde Dich auf's Blut ausfragen, wo Du ſie gelaſſen. Nein, nein, Du biſt doch dümmer wie ich glaubte, und es iſt nothwendig, daß wir uns deutlich aus⸗ ſprechen. Du ſagſt, fuhr Herr David fort, indem er Meſſer und Gabel bei Seite legte, ſeine Hände auf die Kniee ſtützte und ſich zu mir wandte,Du ſagſt alſo, Dein Vetter Ulih hat jährlich wenigſtens einige Tauſende einzunehmen; wie viel an baarem Gelde ſoll ich davon haben? Verſtehſt Du mich nun?

Bei dieſer Frage des Herrn David war ich wie nieder⸗ geſchmettert, poſitiv wußte ich ja gar nicht einmal, wie groß die Einnahme des Vetters Ulih war, und nun wurde mir die Frage vorgelegt, wie viel davon ich regelmäßig für Jemanden, der gar keine Anſprüche an ihn erheben konnte, ausſetzen wollte! Dieſe Frage konſternirte mich vollends, und ich ſtarrte Herrn David an, ohne ihm zu antworten.

Wie lange denkſt Du, mich warten zu laſſen? fragte er roh.

Was meinen Sie denn eigentlich? ſtieß ich heraus.Ich weiß ja gar nicht, wie viel er mir geben wird.

Das hat damit gar nichts zu thun! Alles, was er hat, haſt Du auch und ſteht unter Deiner Kontrole. Du kannſt für mich ſo viel ausſetzen, wie Du willſt; das ſage ich Dir aber gleich, unter zweihundert Pfund Sterling nehme ich kein Gebot an. Zudem mußt Du Dich auch heute gleich ſchriftlich

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vorpflichten, regelmäßig Zahlung zu leiſten, ſonſt erlebe ich, daß Du mich ſitzen läßt. Mit Rückſicht darauf, daß Du auf meine Geſellſchaft nicht allzu viel giebſt, will ich Dich echappiren laſſen, doch Du kommſt nicht eher fort, bis Du mir das ſchrift⸗ liche Verſprechen gegeben haſt; habe ich das in Händen, ſo magſt Du zu Deiner Freundſchaft gehen, wann Du willſt. Iſt das nicht ein guter Handel?

Ich war bis zum Tode erſchreckt und fühlte mich namen⸗ los unglücklich ich wußte gar nicht, wie lange er mich dort feſthalten wollte, und ob ich je meine Freunde und meine Heimat wiederſehen würde, doch klarer und immer klarer wurde mir all' die Schande, die er mir zumuthete, die lebenslängliche Täuſchung, die darauf folgen mußte, und meine Unwürdigkeit, je wieder einen Kuß von meinem Ulih anzunehmen. Laut und entſchieden erwiderte ich ihm:

Nein, niel

Was ſagſt Du? rief Herr David mit rollenden Augen aus und ſprang von ſeinem Stuhle auf; ich hatte ein Gleiches gethan, und mitten in der Stube ſtanden wir uns gegenüber.

Nein! wiederholte ich feſt, trotzdem daß er mich an ſtarrte, als oh er mich wegen meiner Kühnheit zu Boden ſchmettern wollte.Ich unterſchreibe nicht und verſpreche auch nichts für die Zukunft; Alles, was jetzt mein iſt, habe ich Ihnen angeboten, von meinem demnächſtigen Gatten hängt es ab, was ich ſpäter bekommen werde, und darüber werde ich ihm auf Heller und Pfennig Rechenſchaft ablegen.

Du weigerſt Dich alſo wirklich? weigerſt Dich hark⸗ herzig, inmitten Deines Wohlſtandes, Deinem Vater in ſeiner bitteren Noth beizuſtehen und ihm zu helfen?

Dieſer Wohlſtand iſt nicht der meinige, mein kann ich nichts nennen, Alles gehört ihm. Er ſpendet mirr reichlich aus freien Stücken, doch nicht um dafür mit ſchmählicher Täuſchung belohnt zu werden. Mein Herr, treu habe ich Ihr Geheimniß bewahrt, treu werde ich es auch noch länger bewahren, ſo ſchwer es mich auch niederdrückt, doch weitere, noch ſchwerere Verantwortung übernehme ich nicht; nie und nimmer würde ich unter den Bedingungen, die Sie mir zu⸗ muthen, den Vetter Ulih heiraten, ſo innig ich ihn auch liebe. Sie haben mein Leben ſchon hinlänglich verbittert.

Nach dieſen Worten glaubte ich faſt, er wollte mich zu Boden ſchlagen, und inſtinktmäßig ſuchte ich Schutz hinter einem Stuhl und hielt mich daran, doch roh faßte er mich am Arm und zog mich vorwärts.

Weißt Du denn auch, daß Du ganz in meiner Gewalt biſt? ſchrie er mir in's Ohr und durchbohrte mich mit ſeinen Blicken, aus denen Wuth und Haß hervorblitzten.

Währenddem hörte ich auf der Straße Raſſeln von Wagen und im Hauſe lautes Geräuſch; das Erklingen der Gläſer miſchte ſich mit den ſingenden Stimmen, und zugleich ver⸗ nahm ich auf der Treppe heftige Tritte. Alles dieſes diente jedoch nur dazu, mir die Gefahr meiner Lage zu vergrößern.

Ich gerieth in unbeſchreibliche Angſt, ich dachte ſogar ſchon, er könnte mich in ſeiner Enttäuſchung und Wuth tödten, und ohne zu wiſſen eigentlich, was ich that, rief ich in meiner Todesangſt ſo laut ich konnte:

Ulih, Ulih!

In demſſelben Augenblick wurde draußen an der Thür ge⸗ rüttelt und ich erneute meinen Hilferuf; und nach verſchiedenen heftigen Stößen ſprang die Thür auf, und herein ſtürzte Vetter

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