Jahrgang 
2 (1879)
Seite
511
Einzelbild herunterladen

Concordia.

511

Mr. Elgood, der auf der Szene ankam, als die Uhren von Bloomsbury die Stunde ſchlugen, überblickte die Vor⸗ bereitungen mit Augen, die von Zufriedenheit glänzten wenn nicht gar vor Entzücken während ſie von dem Tiſche nach dem Drehtiſche wanderten, wo die erwarteten Porter⸗ Bouteillen ſtanden, mit Spinnengewebe behangen und mit Kreide markirt.

Der angenehme Duft gebratenen Fiſches, gemiſcht mit dem Appetit erweckenden Wohlgeruche gebratenen Fleiſches, hatte die Naſe des Beſuchers ſchon begrüßt, als er die Treppe emporſtieg. Aber auch ſein gutes Urtheil hatte nicht errathen können, ob ihn eine Rinds⸗ oder eine Schöpſenkeule erwarte, aber er meinte, es ſei die letztere. Niemand, als ein Barbar, dachte er, könne ſeinen Tiſch für ein téte-à-téte-Diner mit einer Rindslende beladen, nachdem die Vorſehung die Hügel von Wales ohne Zweifel mit Rückſicht auf die Nothwendigkeit eines kleinen Diners erſchaffen.

Bin erfreut, zu ſehen, daß Sie ſo pünktlich ſind, ſagte Maurice heiter.

Mein theurer Mr. Cliſſold, unpünktlich zu ſein, heißt, ſeinen Wirth inſultiren und ſich ſelbſt eine Injurie zufügen. Was kann eine Sühnung dafür ſein, ein ausgezeichnetes Diner zu ruiniren? Sie werden ſich erinnern, was Swift zu ſeiner Köchin, als ſie eine Lende zu ſcharf gebraten hatte und ſchwach genug war, zu bekennen, daß ſie das Uebel nicht ungeſchehen machen könne:Hüte Dich, Dirne, einen Fehler zu begehen, der nicht gut gemacht werden kann. Ein verdorbenes Diner iſt ein nicht mehr gut zu machender Verluſt.

Die Suppe war auf den Tiſch geſetzt worden, während Mr. Elgood ſo philoſophirte, und ſo ſetzten ſich die beiden Gentlemen ohne weiteren Aufſchub nieder und der Schauſpieler

blickte ſanft auf den bernſteingelben Sherry und den granat⸗ farbigen Claret, während Maurice ein Gebet ſprach, worauf das Mahl begann.

Der Lendenbraten war das köſtliche Hammelfleiſch von Wales, wodurch Mr. Elgood's Seele beruhigt wurde, und er gab ſich den Freuden der Tafel mit ungeheuchelter Aufrichtig⸗ keit bezüglich ihres Zweckes hin. Ein Paar Rebhühner und ein ſeiner Parmeſankäſe folgten; und als dieſe expedirt waren, ſank der Schauſpieler auf ſeinem Stuhle zurück, mit einem Seufzer darüber, daß ſeine Ueberraſchung ihm ein weiteres Vorgehen in dieſer Weiſe unmöglich mache.

Nun, mein theurer Mr. Cliſſold, ſagte er,Sie ſind in jeder Weiſe ein vollendeter Gentleman; aber das muß ich ſagen, daß ich noch nie Jemanden fand, der es ſo wie Sie verſtand, ein gemüthliches kleines Diner zu geben. Savory, oder wie der Mann hieß, hätte Sie darin nicht übertreffen können.

Ich bin erfreut, wenn es Ihnen behagte, Mr. Elgood. Ich bin der Meinung, daß ein gutes Diner das beſte Vorſpiel für ein ernſtes Geſpräch ſei; und ich wünſche dieſen Abend mit Ihnen ruhig und vertraulich über eine ſehr ernſte An⸗ gelegenheit zu ſprechen.

Betrachten Sie mich als in Ihren Dienſten als Ihren Sklaven, der die Befehle erwartet, antwortete Matthew, deſſen Enthuſiasmus nicht leicht zu dämpfen war.Ich öffne Ihnen die geheimſten Falten meines Buſens, ſetzte er, auf ſeine Weſte deutend, hinzu.

Sie waren jetzt allein. Der Diener hatte die Ueberbleibſel des Diners fortgetragen, und nur die Flaſchen und Obſtſchüſſeln blieben auf dem Tiſche.

(Fortſetzung folgt.)

Gefunden!

Roman von C. Engels. (Fortſetzung.)

Mit vorwitziger Hand? fragte Nolding tadelnd.Nun ich muß Ihnen geſtehen dieſen Vorwitz vermag ich ſehr wohl zu begreifen. Wenn Sie die Empfindungen, die in der Bruſt des armen Weibes getobt haben mögen, ſich nur ein wenig klar machen könnten, vermöchten Sie es auch. Mußte ſie nicht glauben, von Ihnen auf die ſchändlichſte Weiſe hinter⸗ gangen worden zu ſein? Wäre es nicht Ihre Pflicht geweſen, ihr offen und ehrlich Ihre Verhältniſſe zu bekennen? Nicht nur Ihre Pflicht, nein, Ihre Ehre! hören Sie es, Mann? Ihre Ehre hätte das erfordert!

Mit finſter dräuender Stirn, die Arme übereinandergelegt, ſtand der Juſtizrath vor dem Baron.

Dieſer ſaß, ein Bild des Jammers, und wagte nicht, das ſcheue Auge zu erheben.

Sie haben recht, Nolding, ſtammelte er, während der Angſtſchweiß auf ſeine Stirn trat,ja, ich habe ehrlos ge⸗ handelt! Aber ich ſchwöre Ihnen, mein Herz hat geblutet bei dieſem niederträchtigen Betrug! Wie ein Gebrandmarkter ſchlich ich umher, denn ich glaubte, Jeder müſſe es leſen auf meiner Stirn, daß ich die Selbſtachtung verloren. Sie kennen ſie nicht, dieſe furchtbaren Qualen, die das Herz zerfleiſchen und uns mit uns ſelbſt entzweien. Danken Sie

Gott! Tauſendmal wohl ging ich mit dem Gedanken um, ihr Alles zu bekennen, und tauſendmal verwarf ich ihn wieder, weil ich mir ſagte, es iſt genug, wenn Einer von uns ſo Furchtbares leidet. Auch war ich nie ſicher darüber, ob ein ſolches Bekenntniß ſie nicht von mir entfernen würde. Und mein Herz war ja mit tauſend Fäden dem ihren verbunden!

Sind Sie wirklich überzeugt, daß Regine Haller Sie aufgegeben hätte, wenn ſie um Ihre wahren Verhältniſſe ge⸗ wußt? Daran iſt noch zu zweifeln.

Sie kannten Regine nicht! Sie war ein edles, hoch⸗ herziges Geſchöpf, von einer Seelenreinheit, wie man ſie ſelten ſindet. Sie liebte mich ebenſo grenzenlos als ich ſie, aber das WortEhebruch hätte ſie mir entfremdet. Ich Unſeliger allein trage die Schuld an Allem, denn ich weiß am beſten, wie hoch ihr Sitte und Ehre ſtanden. Denjenigen, der ſie etwa leichtfertig nennen könnte, weil ſie ſich mir hingab, würde ich mit dem Piſtol in der Hand zur Rechenſchaft ziehen. Die Welt Sie wiſſen es iſt gar ſchnell mit ihrem Anathema da. Diejenigen beſonders, denen ein gütiges Ge⸗ ſchick vielleicht Verſuchungen fernhielt, oder deren leidenſchafts⸗ loſes Herz an allen Klippen im Meere des Lebens ſie un⸗ gefährdet vorüberſegeln läßt, oder welche die Jahre der Wünſche