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Dunkel der Bäume und Sträuche aufhielt, welches die Grotte umgab. Der Tag, an dem zunächſt das hübſche Mädchen allein hinausging, ſollte Cartouche zur Erreichung ſeines un⸗ lauteren Zweckes dienen. 3—
Bald geſchah es denn auch, daß ſich Alles für ſeine Pläne günſtig fügte. Louiſon machte ſich allein auf den Weg. Sogleich folgte er ihr, ohne daß ſie es bemerkte, umging, als das Mädchen in dem Garten verſchwunden war, das Land⸗ gut, ſtieg im Rücken der künſtlichen Grotte über den Um⸗ grenzungszaun und nahte leiſe der Stelle, wo ſich Louiſon befand.
Das junge Mädchen hatte ihre Handarbeit auf ihren Schoß ſinken laſſen und hing ihren Träumen nach. Sie war in der That mehr als hübſch und bot in dieſem Augenblick ein reizendes Bild dar, das ſich vortheilhaft von der Tiefe der Grotte abnahm. Raſch trat Cartouche vor, ſie ſo aus ihren Träumereien erweckend.
„Ah, Sie ſind es, Herr Bourguignon,“ ſagte ſie naſe— rümpfend.„Es iſt nicht hübſch, eine Dame zu erſchrecken.“
„Iin Gegentheil, ſchöne Louiſon, deucht die Gelegenheit mir zu günſtig, daß ich nicht der Königin die Huldigungen meiner Gefühle zu Füßen legte. O, wie ſchön Sie ſind, wie anbetungswürdig!“ Er warf ſich vor ihr auf die Kniee, ergriff ihr Hand und bedeckte ſie leidenſchaftlich mit Küſſen.
„Mein Herr, laſſen Sie mich,“ rief ſie aufſpringend und ſuchte ihm ihre Hand zu entziehen, aber ſchon hatte er ihre Hüfte umſchlungen, ſchon ruhten ſeine glühenden Lippen auf ihrem Buſen.
„Zurück! Hilfe!“
„Niemand hört Dich, Täubchen!“ Und er trug ſie in die Tiefe der Grotte.
„Erbarmen! Hilfe! Erbarmen!“ jammerte ſie, ſich gegen ſeine Kraft vergeblich ſträubend.
Erbarmen mit der Jungfrau war Dominique fern, aber nicht dem Himmel; er ſchickte den Retter in Geſtalt des Gärtnerhundes, der ſich wühend auf Cartouche warf, ſo daß dieſer ſeine Beute laſſen mußte, um ſich gegen den grimmigen Feind zu wehren. Eine halbe Minute ſpäter lag der Hund todt am Boden, aber das Mädchen hatte ſich gerettet, war ſeiner Gewalt entflohen. Er ſtampfte wild die Erde.
Dieſer Vorfall erregte einen förmlichen Sturm in dem kleinen Städtchen. Hei, wie waren da die Zungen der Klatſchgevattern und Baſen thätig! Die öffentliche Meinung zeigte die Zähne, ſo daß die alte Bourguignon, obgleich mit ſchwerem Herzen, ihrem vermeintlichen Sohn unter großen Vorwürfen den Rath gab, auf einige Monate Bar⸗ſur⸗Seine zu verlaſſen. Schwerlich wäre Dominique dem nachgekommen, wenn er nicht durch einen Brief zur Nachgiebigkeit in dieſer Beziehung geſtimmt worden, wenigſtens hatte er anfangs den Ermahnungen gründlichen Widerſtand entgegengeſetzt und mit Hohn die geifernden Kleinſtädter betrachtet.
Das Schreiben aber, das er erhielt, war von einer ſeiner vertrauteſten Maitreſſen, einer früheren Fiſchhändlerin, die er ſeine Sultanin zu nennen pflegte. Dieſelbe berichtete ihm, daß er von der Wittwe Champion aus Rouen verrathen ſei, daß dieſelbe ſich jetzt in Paris aufhalte, und daß die Brief⸗ ſchreiberin ihn rächen wolle, wenn er ſeine Zuſtimmung geben würde.
„Nein, nein,“ ſagte er;„ich komme ſelbſt, um zu Gericht zu ſitzen.“
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Am folgenden Tage befand er ſich ſchon auf der Reiſe nach Paris, wo er die Sultanin ſogleich aufſuchte.
Als er in einfachem Bürgerkleide zu ihr in das Zimmer kam, ſchrie ſie jubelnd auf und warf ſich um ſeinen Hals, ihn mit ihren Liebkoſungen faſt erdrückend. Geduldig ließ er ſich das einige Minuten gefallen, dann fragte er ſie, was vorgefallen ſei.— Der Bericht war nicht verlockend; das Reich, welches Dominique gegründet hatte, ſchwankte ſeinem völligen Untergange entgegen. Strick und Henkerſchwert, Galeere und Zuchthaus hatten unter den Gaunern eine ſchreckliche Ernte gehalten.
Schweigend, finſteren Blickes hörte Cartouche ihrem Be⸗ richte zu; als ſie geendet, ſagte er dumpf:
„Und das Alles einer Weiberzunge wegen. Sidi, Sidi, was haſt Du gethan?“ Dann wandte er ſich zur Sultanin und fragte ſie, wie ſie den Verrath hätte rächen wollen.
„Ich hätte ſie erwürgt,“ antwortete die frühere Fiſchhänd⸗ lerin,„habe ſchon die ſeidene Schnur dazu zurechtgelegt.“
Sie nahm aus einem Kaſten wie zur Beſtätigung dieſelbe heraus.
„Pah, liebes Kind, dann hätte ſie ja im Augenblick zu leiden aufgehört. Nein, ſie hat Schwereres verdient, und es ſoll ihr werden.“ Er ließ ſich hierauf Sidi's Wohnung ſagen und fragte ſodann, ob das„Piſtolet“ in der Couttille entdeckt ſei. Als dies verneint wurde, erkundigte er ſich, wie ſie dem Gefängniß entgangen wäre.
Die Sultanin lachte laut auf.
„Sicher,“ erklärte ſie,„hätte Herr d'Argenſon mich ein⸗ ziehen laſſen; aber da hat er weder eine Ahnung, daß ich Dir nahe ſtehe, noch würde er es wagen, mich anzutaſten; denn Herr Dubois, der wackere allmächtige Miniſter, unterhält gerade ein Liebesverhältniß mit meiner Schweſter, ja hat ſich ſterblich in ſie verliebt. Nun würde aber Jeanneton alle
Minen ſpringen laſſen——“ „Du verkennſt den Generalpolizeilieutenant— er nimme
keine Rückſicht,“ unterbrach Dominique ihre Rede,„jedenfalls würde Jeanneton's Protektion zu ſpät kommen, um Dich vor ſeiner Frage zu bewahren.“
„Und dennoch nicht; denn einer der Polizeiſekretäre ſchwärmt für mich und würde es mir ſogleich mittheilen, drohte mir Gefahr. Durch ihn habe ich auch erfahren, wer Dich verrathen hat.“
„Du haſt alſo während meiner Abweſenheit Deine Huld von mir auf einen Anderen übertragen?“
„Biſt Du eiferſüchtig geworden? Ich konnte doch in der langen Zeit, daß Du abweſend wareſt, nicht mich kaſteien und dem Schmerz hingeben. Dazu bin ich von der Natur nicht gemacht. Biſt Du da, gehöre ich Dir ganz und Dir allein, ohne Anſprüche zu machen, wie die Wittwe Champion es that— wenn Du aber nicht da biſt—— 77
„Schon gut, meine Sultanin,“ ſagte Dominique lächelnd und ſchloß ſie in die Arme.——
Mit erſtaunlicher Schnelligkeit verbreitete ſich unter den übrig gebliebenen, noch zahlreichen Genoſſen des Räuberchefs die Nachricht, er ſei zurückgekehrt. Freude und Luſt ergriffen die Verbrecher; die Hoffnung, daß die alten erſehnten Zeiten wiederkehren würden, riß ſie faſt zu dem Taumel der Trunken⸗ heit hin. Seit ſeinem Scheiden hatte die Seele der Ver⸗ bindung gefehlt, Jeder hatte auf eigene Hand geraubt und 63


