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und daß er für ihn ein gefährlicher Rival ſein könnte, wenn ſie zwiſchen Beiden ſchwankte. Petronel machte er keinen, auch nicht den geringſten Vorwurf, daß ſie ein doppeltes Spiel geſpielt;— nein, dazu war ſie zu gut und zu un⸗ ſchuldig!— wenn ſie Ernſt Moore den Vorzug vor ihm gab, ſo that ſie es, ohne es ſelbſt zu wiſſen, wenn ſie ſich deſſen bewußt wäre, ſo hätte ſie es ihm ſicher zuerſt geſagt.
Seit er ſie kennen gelernt und an ihre Liebe zu ihm zu glauben gewagt hatte, hatte er oft Gott innig dafür gedankt, daß er ihm ſeinen Glauben an das weibliche Geſchlecht wieder⸗ gegeben; ſollte er nun ſie und damit all' ſein Hoffen auf irdiſches Glück wieder aufgeben, ſo mußte er Gott erkenntlich dafür ſein, daß dieſer Traum nicht auf ſo grauſame Art und Weiſe wie damals zerſtört wurde. Der Entſchluß ſtand feſt bei ihm, unter keiner Bedingung wollte er es dieſes Mal zu einer Täuſchung kommen laſſen, das liebe, theure Kind ſollte nicht der Gefahr ausgeſetzt werden, aus Furcht vor ihm etwas zu thun, was ihm und ſeinem Namen je Unehre bringen könnte.
Den Angaben ſeiner Schweſter konnte und wollte er auf ihre alleinige Ausſage keinen Glauben ſchenken; ſollten ſie ſich als wahr herausſtellen, ſo wollte er Petronel die freie Wahl laſſen und Alles, was in ſeiner Macht lag, ihun, um ſie glücklich zu machen, er ſchuldete ihr viel für die Freuden, die ſie ihm bis dahin gemacht.
Dieſes ungefähr waren ſeine Gedanken während der Fahrt nach Frampton. Gegen ſieben Uhr Abends fuhr er dort vor, und trotz all' ſeines Heroismus beſchlich ihn doch ein Gefühl unſagbaren Elends. Es iſt und bleibt immer trübe, an Je⸗ manden, den man ſo innig liebt, zweifeln zu müſſen; wenn man in derartigen Lagen des Lebens auch immer ausruft: „Ich glaube es nicht und kann nicht daran glauben!“ wie Doktor Ford es that, ſo täuſcht man ſich nur ſelbſt, der wahre Glaube iſt dann ſchen in's Wanken gekommen, die Seele iſt trübe, man ſehnt ſich nach dem Tode, nach dem ein⸗ zigen Ende aller Zweifel.
Bei ſeiner Vorfahrt ſetzten die enttäuſchten Mienen der Dienerſchaft, die ihm den Wagen öffnete, Ulih ſchon in Er⸗ ſtaunen, offenbar war mit ihm noch ſonſt Jemand erwartet.
In der Vorhalle trat ihm ſeine Schweſter entgegen und ſogte:
„Wo iſt Petronel? Ich dachte, Du hätteſt ſie mitgebracht?“
„Petronel?“ rief er aus,„was meinſt Du damit? ſie denn nicht hier? Ich habe ſie gar nicht geſehen!“
„O, ich meinte nur!“ erwiderte Marcia faſt triumphirend, und lief eiligſt, gefolgt von ihrem Bruder, mit ihrer ſchlechten Neuigkeit nach der Bibliothek.„Ulih iſt da, er hat aber von ihr nichts geſehen! Was ſagt Ihr nun?“
„Ich weiß es mir nicht zu erklären, meine Liebe,“ ant⸗ wortete Lady Halſtedt wegwerfend.
„O mein Gott, es iſt unmöglich!“ rief Miß Mary laut weinend aus, doch Lady Halſtedt winkte ihr, ruhig zu ſein, und wandte ſich zu Ulih, indem ſie ihre zitternden Hände in die ſeinigen legte:
Iſt
„Ford, lieber Ford, was iſt Deine Meinung?
uns offen und ehrlich!“
Sage ſie
„Meine Meinung? Worüber denn?“ wiederholte Doktor Ford und ſah ſich fragend nach allen Seiten um.„Was
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Concordia
wollt Ihr damit ſagen, wovon ſprecht Ihr?— Wo iſt das Kind?“ „Ja⸗ kopfſchüttelnd. „Ich dachte mir die ganze Sache ſo harmlos, Ulih,“ fuhr ſeine Tante fort,„ſonſt hätte ich ja nie meine Einwilligung
dazu gegeben.“
„Es ſchien ja auch ſo,“ ſchaltete Miß Mary ein;„wer konnte auch ſo etwas von ihr denken!“
„O, ſie war von jeher ſchlau!“ rief Marcia Ford aus. Bei dieſem Meinungsaustauſch der Damen wurde Doktor Ford todtenbleich; etwas Außergewöhnliches war paſſirt, das war ihm zweifellos, etwas beſonders Betrübendes; doch er wußte ſich nicht zu entziffern, was es war; gleich einem Opferlamm, das nur den einzigen Wunſch noch hat, ſeine Tortur zu beenden, wandte er ſich mit flehendem Blick zu Lady Halſtedt.
„Sagen Sie mir, Tante, was iſt paſſirt?“ ſtöhnte er.
„Sie iſt entflohen, mein lieber Ford! Am Vormittage erbat ſie ſich von mir die Erlaubniß, mit dem jungen Moore, der zur Bahn fuhr, nach Rockbury fahren zu dürfen, ſie ſagte, ſie wolle nach Deinem Hauſe und dann mit Dir oder mit ihrer Couſine wieder zurückkehren; ſeitdem haͤben wir nichts von ihr gehört und geſehen.“
„Ich bin vor meiner Abfahrt hierher gar nicht zu Hauſe vorgefahren,“ ſagte er ängſtlich,„wahrſcheinlich wartet das arme Kind dort nun auf mich!“
„Bitte um Verzeihung,“ erwiderte ihm ſeine Schweſter,
„ich fuhr auf meiner Rückfahrt bei unſerem Hauſe vor und fragte Wheeler, ob Jemand dort geweſen ſei, er antwortete: Nein.“
„Nun gut, wenn das auch!“ ſagte er ſtolz,„Du denkſt doch nicht und kannſt doch nicht ſo närriſch ſein, zu ver⸗ muthen, daß ſie—“
Doch eingedenk deſſen, was ſie ihm vorhin geſagt, und deſſen, was er in dieſem Hauſe ſchon einmal erlebt, brach er ab und ſank wie vernichtet in den nächſten Stuhl.
„O Ulih, lieber, lieber Ulih!“ rief Lady Halſtedt aus; „ich bin ſo betrübt um Dich!“
„Es ruht ein wahrer Unſegen auf der Familie!“ murmelte Sir Lionel, der ſich bis dahin ganz ſtill verhalten.
„Und wir Alle hielten ſie für ſo treu, ſo wahr!“ ſchluchzte
„Es iſt nicht wahr!“ ſagte Ulih Ford mit einer hohlen
Stimme, die nicht die ſeine zu ſein ſchien.„Es muß ein Irrthum obwalten; iſt Jemand auf ihrer Stube geweſen? Liegt dort kein Brief, keine Zeile von ihr?“
Bei dieſer Frage verließ feine Schweſter die Bibliothek, der maliziöſe, triumphirende Ausdruck, der ſich vorhin bei der Freude, daß ihr Bruder nun ganz ihr wieder zurückgegeben werden würde, in ihren Mienen abſpiegelte, war beim Anblick ſeines namenloſen Schmerzes gänzlich verſchwunden; wie ſie jedoch nach einigen Angenblicken, einen Brief in der Hand haltend, zur Geſellſchaft zurückkehrte, ſah man ihn wieder in ihren Zügen.
„Hier iſt der Brief,“ rief ſie aus;„den Petronel dieſen Morgen von Herrn Moore erhielt; ſie muß ihn durch Zufall oben verloren haben. Jetzt trauſt Du vielleicht meinen Worten, Ulih?“
wo?— Gott mag es wiſſen!“ ſagte Miß Marcia
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