Jahrgang 
2 (1879)
Seite
487
Einzelbild herunterladen

erſten Beſuche des Schloſſes Mrs. Darvis das Porträt George Penwyn's gezeigt.

Viola nahm eine Kerze von dem Kamingeſimſe und führte ihn den Weg nach dem Studirzimmer, das jetzt noch zu Ge⸗ ſchäftsbeſprechungen mit Aufſehern und Pächtern gebraucht wurde und aus dem ſich eine zweite Thür auf einen Gang öffnete, der mit den Schreibſtuben und einer obſkuren Hinter⸗ treppe in Verbindung ſtand, auf welcher ſo untergeordnete Weſen in die Gegenwart des Squire zugelaſſen wurden.

Maurice nahm die Kerze aus Miß Bellingham's Hand und hielt ſie empor vor das Gemälde über dem Kamin⸗ geſimſe. Der Griff, mit dem er den bronzenen Leuchter hielt, wurde feſter, und ſein Athem kam ſtärker und raſcher, als er emporblickte, aber er ſagte kein Wort.

Das Bild war für ihn eine ſtärkere Beſtätigung ſeiner Idee über Juſtina's Abkunft, als jeder Beweis, der aus an⸗ deren Umſtänden hervorzugehen ſchien. In dieſen gemalten Linien ſah er dieſelben Linien wie in Juſtina's Angeſicht Linien, die in ihren Mienen natürlich modifizirt und durch weibliche Schönheit geſänftigt, aber zu charakteriſtiſch waren, um auch nur von einem zufälligen Beobachter überſehen werden zu können.

Es iſt ſeltſam, daß mir dieſe Aehnlichkeit nicht ſo lebhaft auffiel, als ich dieſes Bildniß zuerſt ſah, dachte er.Aber zu jener Zeit hatte ich in Juſtina's Antlitz erſt mit gleichgil⸗ tigen Augen geblickt. Ich wußte ihre Miene nicht ſo aus⸗ wendig wie jetzt. Und ich erinnere mich, daß mir bei dieſem Bilde auch damals ſeine Aehnlichkeit mit Jemandem, den ich kannte, auffiel. Es gelang meinem Gedächtniſſe nur nicht, ſich an dieſes Individuum zu erinnern.

Concordia.

Dieſe blaugrauen Augen mit ihrem etwas melancholiſchen Ausdruck waren ſogleich den Augen, die er erſt vor drei Wochen traurig auf ſich gerichtet geſehen, als Juſtina ihm Lebewohl ſagte; ſo gleich den Augen, von denen er ſich erinnerte, wie ſie von der blumigen Wieſe zu Eborsham zuerſt zu ihm emporgeblickt. Er ſtellte die Kerze nieder, ohne ein Wort zu ſagen.

Ich hoffe, Sie haben dieſes Gemälde lange genug an⸗ geſtarrt, ſagte Viola lachend.Sie ſcheinen ein beſonderes Intereſſe daran zu finden.

Es iſt ein ſehr intereſſantes Porträt für mich.

Warum insbeſondere für Sie?

Weil es Jemandem ähnlich ſieht, der mir ſehr theuer iſt.

Ah, ich verſtehe, ſagte Viola ſanft.Ihr armer Freund, James Penwyn!

Maurice verſuchte nicht, ihre Anſicht zu berichtigen.

Laſſen Sie uns jetzt die Bücher anſehen, ſagte er, zu dem Sekretär gehend, auf dem ſich ungefähr dreißig hübſche Bände befanden. Es waren der von Valpy herausgegebene Shakeſpeare, Wordsworth, Coleridge, Byron, Shelley Keats, Hood und einige andere Bände, hauptſächlich Klaſſiker für den Gebrauch in Oxford, die Mr. Penwyn von der Univer⸗ ſität gebracht, keineswegs Bücher eines Mannes, dem es an Wiſſen und Kultur gefehlt haben konnte. Maurice ſah auch, daß dieſe Bücher viel geleſen worden waren, indem er in einige der Bände blickte. Mancher mit Bleiſtift unterſtrichene Vers deutete daraufhin, daß der Leſer dieſe Stelle beſonders werthgeſchätzt hatte.

(Fortſetzung folgt.)

Gefunden!

Roman

von

C. Engels

(Fortſetzung)

Herbert und Freda waren indeß herangekommen. In dieſem Augenblick wurde das Gackern einiger Hühner ver⸗ nehmbar.

Horch', bei der Hexe gackern die Hühner! rief ein Vor⸗ witziger aus dem Kreiſe der Spielenden.

Bei welcher Hexe? fragte Herbert.

Nun, bei der alten Hexe da im grauen Hauſe.

Woher wißt Ihr denn, daß es eine Hexe iſt? Es ja keine Hexen.

Jawohl, ſchrie der kleine Burſche entrüſtet,es giebt welche. Meine Mutter hat es geſagt. Wir ſollen uns nur vor ihr in Acht nehmen und ja nicht zu nahe an das Haus gehen, daß ſie uns nicht'was anhext; denn das kann ſie. Einem kleinen Mädchen hat ſie auch ſchon'mal'was angehert. Das hat dann ſterben müſſen.

Iſt es nicht eine grenzenloſe Narrheit, wenn erwachſene

Nenſchen, die doch verſtändig ſein ſollten, Kindern ſolche Dinge einreden? fragte Eva traurig.Man könnte an der Bildungsfähigkeit des Volkes verzweifeln, wenn man dieſen Unſinn vernimmt, denn ich bin feſt davon überzeugt, die Eltern ſelbſt glauben es.

Freda's unſchöner Mund verzog ſich zu einem häßlichen

Lächeln.

giebt

V

V V

Wie kann man nur über den Unverſtand der Menge ſich noch ärgern! ſagte ſie wegwerfend.Mich wundert ſehr, daß Sie, die Sie doch ſchon ziemlich viel gereiſt ſind, dieſen Fehler noch nicht haben ablegen können. Sie beſſern damit nichts. Werden Sie älter und Sie werden gleichgiltiger da⸗ gegen, was das Volk denkt und glaubt. Meinetwegen können ſolche Menſchen im Aberglauben umkommen, ich lache höchſtens darüber.

Wir find auch zwei durchaus verſchiedene Naturen, er⸗ widerte Epa.Ich für mein Theil geſtehe es unverhohlen ein, daß in blindem Wahn befangene Geiſter mir ſteis ein

Gefühl ſchmerzlichen Bedauerns abnöthigen. Zugleich aber wird es mich empören ſo lange ich lebe, wie ſie ſich hartnäckig und ſtörriſch beſſerer Einſicht verſchließen. Nach Freiheit ſoll

der menſchliche Geiſt ringen und nicht in die Knechtſchaft des Aberglaubens verſinken!

Verſuchen Sie nur erſt Ihr Heil als Apoſtel der Wahr⸗ A 3

heit, höhnte Freda;Sie werden ja ſehen, wie weit Sie kommen werden. Entweder haßt man Sie oder man lacht Sie aus! Beides recht ergötzlich! Zuletzt bleibt Di nan⸗ als

ſegensreiche Ernte Ihres Thuns, nichts als ein Gefüh loſer Bitterkeit.

Laſſen Sie uns dieſen hoffnungsvoll

1 grenzen⸗

en jungen Menſchen