Jahrgang 
2 (1879)
Seite
476
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In der That?

So wahr, wie ich Marie d'Argentièére.

Dann muß es in der That der Fall ſein, Marie Courbier, lachte Dominique hell auf.

Wie ein Zlitzſtrahl aus heiterem Himmel ſchmetterte ihr wahrer Name auf die frühere Geliebte des Herrn de Ville⸗ neuve, aber zerſchmetterte ſie nicht im nächſten Moment hatte ſie ſich ſtolz aufgerichtet.

Es ſcheint, als wollten Sie Ihre Gattin beleidigen, Herr Marquis, rief ſie,Sie, der mich vor jedem Unbill ſchützen müßte. Welch' ein Wahnſinn hat Sie gepackt? Haben Sie Ihr Ohr dem Gifte der Verleumdung erſchloſſen? Wer wagt es, von der Gemahlin des Marquis von Chateaufort Un⸗ würdiges zu reden?

Sie ſind alſo nicht Marie Courbier?

Ich denke, ich habe Ihnen meinen Namen nie ver⸗ ſchwiegen.

Lügnerin, donnerte Cartouche,um die dieſer Mann (er zeigte auf du Chatelet) faſt in den Tod gegangen, die Maske herunter! Dein Richter ſteht vor Dir!

Du ſelbſt Deine Maske herunter! Dein Richter er⸗ wartet Dich, donnerte Villeneuve's Stimme unter der Thür. In den Saal ſtürzten er und Chateaufort, von einem Dutzend Polizeiwachen begleitet, in der Rechten das Schwert, in der Linken das doppelläufige Piſtol.Wer ſich rührt, iſt des Todes. Ergreift die Schurken.

Beſtürzung hatte die Räuber ergriffen, der Ueberfall hatte ſie zu raſch betroffen; aber nur einen Augenblick dauerte der Zuſtand der Lähmung. Schon donnerte Cartouches Stimme:

In die Hölle mit ihnen, Jungen. 4

Schwerter klirrten gegen Schwerter Piſtolenſchüſſe durch⸗ hallten das Gebäude. So furchtbar die Uebermacht der Ver⸗ theidiger des Eigenthums, ſo unerwartet ihr Angriff die Banditen betroffen hatte, die nicht einmal ihren Feinden gleiche Bewaffnung entgegenſetzen konnten, ebenſo verzweifelt fochten die Verbrecher. Es gelang ihnen ſogar, ſich nach dem Thurme eine Bahn zu brechen, und ſchon fielen aus deſſen Fenſtern Schüſſe auf die Soldaten und die Beamten der Maréchauſſée.

Zweimal hatten ſich die Degen Cartouche's und Villeneuve's gekreuzt, zweimal waren die beiden Feinde getrennt worden, ohne daß Einer den Anderen verletzt hatte. Jetzt focht der Führer der Räuber nicht weit vom Eingange des Thurmes, ein zweiter Cocles, den Angriffen von zwanzig Schwertern Trotz bietend. Unverwundet ſtand er da, trotzdem daß die Kugeln um ihn herum einſchlugen; aber lange konnte er, umzingelt, nicht mehr Stand halten, vielleicht fiel er ſchon mit der nächſten Minute in die Hände der Gerechtigkeit.

Da ſtürzen Joſef Lami, Bouchard, du Chatelet, Grandtéte wieder aus dem Thor des Thurmes zurück. Wüthend hauen ſie ſich Bahn, auf ihren Schwertern ſcheint der Tod zu ruhen das Wagniß gelingt, Cartouche iſt in ihrer Mitte. Aber zwiſchen ſie und den Thurm wirft ſich der Marquis von

Chateaufort mit mehreren Dragoneroffizieren, während Ville⸗ neuve ſie von der Seite angreift. Da ſinkt Bouchard, da ſinkt Grandtéte, durch den Kopf geſchoſſen, da wankt Joſef Lami, eine Wunde in der Seite.

Leb' wohl, Dominique! ruft er und ein Dutzend Arme

ſtrecken ſich nach ihm aus er iſt gefangen.

Concordta.

Raſend wie ein gereizter Löwe wirft ſich Dominique auf die Uebermacht. Zum dritten Mal kreuzt ſich ſeine Klinge mit der Villeneuve's, da pfeift du Chatelet's Schwert dazwiſchen Revanche! und Ernſt ſinkt ſchwer getroffen zur Erde. Der Fall des Führers läßt die Untergebenen beſtürzt werden. Dieſen Augenblick benutzen die Beiden der Thurm nimmt ſie auf.

Ihnen nach! Rächt Euren Führer! tönt die Stimme des Marquis von Chateaufort, und Alles ſtürzt ſtürmend herbei.

Das Thor bietet keinen Widerſtand, da die Verbrecher noch nicht im Stande waren, es zu ſchließen. Man ſicht im Inneren des Thurmes, die Treppen empor, nach der Plattform zu. Wüthend vertheidigen die Banditen Stufe für Stufe, Gemach für Gemach; aber ihre Zahl wird kleiner und kleiner. Kaum ſind es jetzt nur noch zwanzig Männer, welche das flache Dach des Thurmes erreichen und dort den letzten Ver⸗ zweiflungskampf fechten. Unter ihnen befindet ſich Cartouche und du Chatelet nicht mehr.

Wo war der Führer? wo war der frühere Offizier ge⸗ blieben? Waren ſie beim erſten Anſturm niedergeſtreckt worden?

So wild Cartouche gefechten, hatte er die Beſinnung nicht verloren. Kaum war es ihm gelungen, den Thurm zu er⸗ reichen, als er, du Chatelet mit ſich fortreißend, in einen Gang ſprang, der in die Keller führte. Niemand hatte dis⸗ her daran gedacht, ſich dorthin zu begeben, außer Bouchard, der jedoch ſeinem Eide getreu für den Führer gefallen war, kannten doch nur er und Cartouche das Geheimniß des Weges unter der Erde, der von den Kellern ausging und tauſend Schritte weiter in einem unſcheinbaren Gebüſch ſein Ende erreichte.

Wohin willſt Du? fragte Alexander.

In's Freie! wir ſind gerettet!

Cartouche ſchob hinter ſich die Riegel einer ſchweren Thür

zu dichte Finſterniß umgab die Beiden. Der Räuberchef fand jedoch ſogleich Schwefelfaden, tahl und Feuerſtein, in der nächſten Minute brannte ein Windlicht. Dann deutete er auf eine Thür zur Rechten. Leicht würde es ſein, ſagte er,unſere Jäger mit uns zu verderben. Doch gehen wir mit ihnen zu Grunde, werfen wir Feuer in die Pulverkammer. Hierauf wandte er ſich links und drückte an eine Feder in der Mauer. Mit einem leiſe kreiſchenden Ton öffnete ſich dieſelbe, eine Treppe lag vor ihnen.

Per aspera ad astra! hinunter! wir ſind gerettet.

15. Kapitel. Herr Charles Bourguignon.

Carkouche war gerettet, aber der Angriff nicht geſcheitert, nicht erfolglos geweſen. Dreiundſechszig gefürchtete Räuber bedeckten als Leichen das Schlachtfeld, dreizehn(unter ihnen Lami) waren lebendig in die Hände der Gerechtigkeit gefallen. Nicht ohne bedeutende Opfer war dieſer Sieg erkauft worden; neunzehn Dragoner und noch mehr Leute der Schaarwache zählten zu den Todten, die doppelte Anzahl faſt war ver⸗ wundet. Den größten Vortheil gewährten die Gefangenen jedoch der Juſtiz und Polizei; denn die Tortur ließ ſie Ge⸗ noſſen und deren Schlupfwinkel verrathen, ſo daß auch Dominique, obgleich frei, jetzt das Leben eines gehetzten Wil⸗