Jahrgang 
2 (1879)
Seite
474
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474 Concordia. 5

hatte ihn an dieſem Morgen Beſorgniß ergriffen, die ſich ſteigerte, ſo daß er wünſchte, er und ſeine Tochter hätten das gewagte Spiel nicht unternommen. Er bedurfte den Anblick Mariens, um ſich zu ſtärken, um die Ahnungen, welche ihn quälten, zu verſcheuchen. Sobald es thunlich war, eilte er darum in die Zimmer, welche ſie bewohnte. Er fand ſie bei der Toilette, um ſie die Zofe beſchäftigt, welche ihr der Pſeudomarquis gegeben. Marie war heiter und ihre Miene drückte keine Beſorgniß aus.

Was bringen Sie, Etienne? fragte ſie, ſich lächelnd zu ihm mendend.Sie ſchauen ſo ernſt darein.

Im Grunde bekümmert es mich, daß der Familienſchmuck nicht zur Stelle, um würdig vor den ehrwürdigen Prieſter treten zu können. Das Wenige, das Sie hier beſitzen, iſt unbedeutend, gnädige Frau!

Auch ohne Diamanten und Perlen kann man froh zum Altar treten, bemerkte Marie.

Das ſollſt Du nicht, Du holdes Weib, tönte Cartouche's Stimme hinter Etienne's Rücken und der falſche Chateaufort eilte auf ſie zu, drückte einen flammenden Kuß auf die weiße Stirn und überreichte ein Käſtchen von Cedernholz. Sie öffnete daſſelbe und ſtieß einen Schrei der freudigen Ueber⸗ raſchung aus.

Nun, gefallen Ihnen die Brillanten? fragte Dominique und lächelte.

Und Sie können fragen? Schönere hat keine Königin. O, über Ihre Verſchwendung, Sie theurer, lieber Mann. Und ſie ſchlang ihre Arme um ſeinen Nacken und küßte ihn mit herzlichem Feuer. Dann wandte ſie ſich zu Etienne:Schauen Sie her, iſt das nicht prächtig, herrlich dieſe Diamanten?!

Etienne nahm das Käſtchen aus ihrer Hand und blickte ſcharf auf den Schmuck.

In der That, das iſt ein eines Königs würdiges Braut⸗ geſchenk. Hiergegen verſchwinden allerdings die Juwelen der Frau Gräſin zu einem Nichts. Der Schmuck iſt mindeſtens ſeine hunderttauſend Dukaten werth.

Hunderttauſend Dukaten! Die Gräfin hätte bei dieſem Gedanken laut aufjubeln mögen. Dadurch würde die Glücks⸗ ritterin ſich verrathen haben; aber ein Blick des Vaters hielt ſie zurück.

Ziemlich getroffen, erwiderte das Oberhaupt der fran⸗ zöſiſchen Gauner in leichtem Tone,und die Liebe mag es für das Zehnfache anſehen, wenigſtens verdient die Schönheit meines Bräutcheus Ungewöhnliches.

Marquis, Sie ſind der liebenswürdigſte Mann unter dem Himmel, verſetzte die Gräfin mit ſeligem Blick.

Entzückt ſchloß er ſie an die Bruſt.

Da öffnete ſich die Thür, ein Diener trat herein und meldete den ſoeben eingetroffenen Grafen du Chatelet.

Nur raſch herein mit ihm, rief Cartouche, ohne darauf zu achten, daß Marie bei dem Namen erbleichte.

Im nächſten Augenblick war Alexander in dem Zimmer und ſtand den Beiden gegenüber.

Du kommſt ein wenig ſpät, mein Freund, bemerkte der Pſeudomarquis, ihm entgegentretend.

Zu unſerem Heil; denn als ich

Laß das für heut', unterbrach ihn der falſche Chateaufort.

In der nächſten Stunde iſt es vielleicht zu ſpät.

Pah; hier die Gräſin d'Argentière, meine Braut.

Die Gräfin d'Argentiere?! wiederholte der frühere Lieute⸗ nant der Nobelgarde ſtutzig.

In der That meine Braut, beſtätigte Dominique. Aber was iſt Euch? Starrt Ihr Euch nicht an, als ob Ihr Geiſter ſähet? Kennt Ihr Euch aus früheren Zeiten?

Das Weib hatte ſich ſchon gefaßt.

Die Phantaſie ſpielte mir ſoeben einen häßlichen Streich, ſagte ſie;als ich den Herrn Grafen erblickte, glaubte ich, daß mein verſtorbener Gemahl aus ſeinem Grabe erſtiegen mir gegenüberſtände.

Und auch ich ſinde in der gnädigen Frau eine Aehnlichkeit, die mich an eine Wendung meines Schickſales mahnt.

Das Spiel der Natur iſt manchesmal merkwürdig, lächelte Cartouche.Da hatte ein armer Burſche, Charles Bourguignon, ſolche Aehnlichkeit mit mir, daß Jeder uns ver⸗ wechſelte, wenn er uns auch kannte. Aber Deine Tollette, meine theure Marie, iſt noch nicht beendet. Halte Dich bereit, in einer Stunde mit mir vor den Prieſter zu treteu. Komur, Alexander, laſſen wir meine Braut allein.

Die Beiden verließen das Zimmer. Kaum hatte ſich die Thür hinter ihnen geſchloſſen, ſo trat Etienne Marien näher und fragte leiſe, durch einen Blick auf die Zofe aufmerkſam machend:Du kennſt den Grafen?

Ich kann mich nicht täuſchen, entgegnete Marie ebenſo, es iſt derſelbe Offizier, den ich für todt hielt. Du weißt

Die Frau Gräſin ſcheinen mir bleich zu werden, ſagte Etienne laut.

In der That, die Freude, die Aufregung! Amelie, haben Sie doch die Güte und bringen Sie mir ein Glas Waſſer.

Die Zofe entfernte ſich.

Derſelbe, um den Dich Villeneuve fortjagte?

Eine Kopfbewegung gab die Beſtätigung.

Wetter, das iſt eine üble Geſchichte, fuhr Etienne fort. O, dieſer himmliſche Schmuck! er wird uns begleiten und unſer Loos iſt, dank der freigebigen Verliebtheit, geſichert!

Das wir erſt fort von hier wären!

Vielleicht gelingt es uns ſchon morgen, der Gefahr zu entfliehen.

Gebe es der Himmel.

Ich werde keine Gelegenheit aus dem Auge laſſen.

Trotz der Vorſicht, mit der Ernſt de Villenenve. Her wirkliche Marquis von Chateaufort ihre Anordnungen getroffen hatten, wären ihre Vorbereitungen zum unvermutheten Angriff und zur Gefangennahme des berühmten Räubers noch vor der Zeit entdeckt worden, würde nicht du Chatelet durch den Anblick ſeiner früheren leichten Eroberung aus der Gedanken⸗ bahn gelenkt worden ſein. Als der ehemalige Offizier ſich nämlich Cartouche's Aufenthaltsort, der ſonſtigen Falſchmünzer⸗ werkſtatt, näherte, war es ihm vorgekommen, als wenn er von verborgenen Spähern beobachtet ſei jedenfalls ging um ihn etwas vor, welches das Verderben in ſich tragen konnte. Dieſe Ahnung war ihm bald zur Gewißheit geworden, und er beeilte ſich, um Dominique zu warnen. Hätte er die Warnung vorgebracht, ſo war an eine Ueberraſchung der Gauner nicht zu denken; vielleicht gelang es denen ſogar, den Kreis, der ſie umgab, zu durchbrechen und ſich zu retten. Da hatte ſein Blick Marie getroffen und die Warnung unterblieb.

Du haſt alſo eine meiner Braut ähnliche Dame nicht

gekannt? fragte Dominique, nachdem die Beiden Mariens