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Concordia.— 473
Beiſpiel diejenigen, die von unſerer verſtorbenen Mutter kommen, und noch einige andere; es wäre mir lieb, wenn Du Dir dieſe auserwählteſt und ſie bezeichneteſt.“
„Wie meinſt Du das?“ fragte ſie ganz erſtaunt.
„Ich meine nur, daß Du wünſchen wirſt, daß Dir dieſe nach Deiner demnächſtigen Wohnung gebracht werden. Ob Du ſchon darüber entſchloſſen biſt, wo Du nach unſerer Verheiratung zu bleiben gedenkeſt, weiß ich nicht, doch dies iſt ja einerlei, Du brauchſt Wheeler die Sachen nur zu zeigen, dann ſollen ſie für Dich bei Seite geſetzt werden; ich möchte nur gern, daß Du ſelbſt darüber beſtimmteſt.“
Miß Ford war wie vom Donner gerührt, ſie konnte den Sinn dieſer Worte nicht mißverſtehen. Doch es war die erſte Andeutung, die ſie erfuhr, daß ſie nicht mehr mit ihm und Petronel leben ſollte, und ihr war zu Muthe, als ſänke die Erde unter ihr. Allein!— ſie ſollte ganz allein wohnen, und ſein Glück nicht einmal anſehen! Das war ſicherlich der Lohn dafür, daß ſie auf jede erdenkliche Weiſe verſucht hatte, der Liebe des Bruders zu ſeiner Mündel in den Weg zu treten, und ihn dahin zu bringen, ſich wieder von ihr zu trennen. Dieſe Ueberzeugung verdutzte ſie vollſtändig und ſie vermochte es nicht, ſich zu faſſen. Ihre Erregung rührte Ulih und er ſagte:
„Ich dachte, Du hätteſt es wohl vermuthet, daß es ſo kommen mußte, auch ohne, daß ich es Dir ſagte, Du haſt Dich bisher bei jeder Gelegenheit ſo feindlich gegen ſie ge⸗ zeigt, daß es eine Thorheit wäre, daran zu denken, daß Ihr Beide glücklich unter einem Dache zuſammen leben könntet. Sieh' nur auf Dein letztes Meiſterſtück!“ Doch fürchtend, daß dieſe Andeutung ihren Zorn aufregen könnte, fuhr er raſch fort:„Davon wollen wir aber jetzt nicht weiter ſprechen; ich komme heute Abend nach Frampton, dann werden wir das Weitere ſehen; Adieu!“ Damit verſchwand er und ließ Marcia in keiner ſehr beneidenswerthen Stimmung allein. „Wann wünſchen Sie zu frühſtücken, Miß Ford?“ fragte ſie Wheeler. Beim Klang ſeiner Stimmung erwachte ſie aus ihrer Träumerei; ſie dankte für Alles, ſie wollte zu ihrer Freundin; es war ihr ein Bedürfniß, dem mitfühlenden Herzen Miß Mathilda Uyjohn's ihren Kummer auszuſchütten, die jederzeit bereit war, ihren Kopf über die Thorheit und Schwäche des„armen Doktor Ford“ zu ſchütteln, nachdem die Mähr von ſeiner beklagenswerthen Verlobung mit dem„Kinde“ zu ihren Ohren gekommen war.
(Fortſetzung folgt.)
Der Räuberkönig von Varis⸗ Roman von Wilh. Grothe. (Fortſetzung)
Der Wechsler van der Staak war einer der reichſten Männer Frankreichs; ſeine Verbindungen reichten weithin, und ſeine Unterſchrift galt in London wie in Madrid. Zu dieſem Manne traten ungefähr eine Stunde nach der Unter⸗ redung zwei Herren in reicher Kleidung, denen ein Diener mit einem ziemlich ſchweren Beutel folgte. Die beiden Herren waren Cartouche und Lami.
„Mein Herr,“ redete der Erſtere den Bankier an,„Sie würden mich ſehr verpflichten, wenn Sie mir ſtatt baaren Goldes Wechſel auf ein Lyoner Haus übergäben, die a vista zahlbar ſind.“
Der Kaufmann verneigte ſich zuſtimmend.
„Die Firma Hache und Kompagnie wird ſogleich meine Papiere honoriren. Ich ſchreibe den Wechſel, wie Sie ihn
wünſchen.“ Während ſich der Kaufmann an die Arbeit machte, leerte
der Diener den Beutel auf einen zur Hand ſich befindenden Tiſch und entfernte ſich.
Van der Staak überreichte Cartouche das Papier. Dieſer gab es Lami mit dem Auftrage, es eilig an den Grafen von Maſſard zu bringen. Joſef ging ebenfalls, während der Räuberchef zurückblieb und die Zählung des Goldes durch zwei Gehilfen abwartete, mit dem Bankier redend, der über die Unterhaltungsgabe ſeines neuen Kunden ganz entzückt war, da dieſer die Klugheit des Geſchäftsmannes mehr als einmal betonte und ihm ziemlich ironiſche Schmeicheleien ſag
Die beiden Kommis waren mit dem Zählen des Goldes noch nicht fertig, als Lami zurückkehrte und ſeinem die Anzeige machte, daß Maſſard ſchon abgereiſt ſei. touche's Stirn verfinſterte ſich.
„Das iſt mir ein hübſcher Freundſchaftsſtreich,“ jagte er.
Car⸗
„Herr van der Staak, da bedauere ich, daß ich Ihnen den Wechſel zurückgeben muß, natürlich gegen den üblichen Ver⸗ luſt. Genügt eine Summe von fünfhundert Livres?“
„Ich akzeptire,“ meinte der Bankier, empfing ſein Papier und ließ Cartouche das Gold wieder einſtreichen, bis auf die fünfhundert Livres, welche als Verluſt gezahlt wurden, ja be⸗ gleitete die beiden Herren zu dem wartenden Wagen.—
Acht Tage darauf erhielt er eine Anzeige der Herren Hache und Kompagnie, daß ſeine Tratte von hunderttauſend Livres eingelöſt ſei.
„Meine Tratte?“ ſchrie van der Staak und erinnerte ſich der wechſelnden Herren. Er ſtürzte nach ſeinem Schreibpulte und fand dort ſeinen Wechſel vor. Als er ihn jedoch genauer prüfte, ergab ſich, daß er nicht der echte war, ſondern eine geſchickte Kopie. Der echte war den Weg nach Lyon gegangen und dort honorirt worden.——
Jean Paturot hatte der Verſuchung nicht widerſtanden; gegen die hunderttauſend Livres lieferte er Cartouche den Schmuck ſeiner Herrin, machte er ſich zum Sklaven des ge⸗ fürchteten Räubers. So rächte ſich die Untreue, das Ver⸗ brechen, welches der vertraute Diener an Frau von Ventadour beging.——
Der Morgen des Hochzeitstages war da. Schon mit dem Früheſten ſtellten ſich die Gäſte ein. Prächtige Kleider und hochtönende Namen verhüllten die größten Banditen Frank⸗ reichs. Ungezwängt bewegten dieſe ſich heute in den ab⸗ gemeſſenen Formen der Etikette, des Ceremoniels, des Rokoko, daß ſelbſt das geübte Auge Etienne's getäuſcht wurde und er die Verkleidungen nicht bemerkte und durchdrang.
Wäre das der Fall geweſen, hätte er ſich vielleicht heimiſcher Zum erſten Male, ſeit er in dem Schloſſe weilte,
gefühlt. 56 60


