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Concordia.
zum Opfer gefallen? In großer Gefahr ſchwebte er jedenfalls; mißzuverſtehen waren die Worte nicht. Angenommen, ich be⸗ rückſichtigte dieſe ebenſowenig wie ſeinen letzten Brief, und er ſtürbe wirklich, oder würde in's Gefängniß geworfen, und ich, ſeine einzige Tochter, hätte ihn von dannen gehen laſſen ohne einen Scheidegruß! Bei dieſem Gedanken erinnerte ich mich unwillkürlich meiner ſeligen Mama, die ihn einſt geliebt und nun von oben auf mich herabſah. Da kam mir der Entſchluß, muthvoll zu ſein und zu ihm zu gehen.— Doch der Vetter Ulih! Hatte ich nicht vor Kurzem noch den feſten Vorſatz gefaßt, ohne ſein Vorwiſſen nie wieder einen Verkehr mit meinem Vater zu eröffnen? Und wie konnte ich von
Frampton fort und nach Rockbury gehen, ohne daß es ihm zu
Ohren käme?
Plötzlich, wie vom Himmel, kam mir ein guter Gedanke; ich ſprang auf, und lief hinunter, um die Großmama auf⸗ zuſuchen.
„Großmama!“ rief ich ihr zu,„könnte ich nicht vielleicht einen Wagen nach Rockbury bekommen?“ Lady. Halſtedt ſah mich ganz erſtaunt über die Brille an.
„Nach Rockbury, liebes Kind? Warunr ſagteſt Du das
nicht vor einer halben Stunde; Deine Couſine Marcia iſt eben dahin abgefahren.“
„Iſt ſie das? O, wie ſchade!“
„Mit dem offenen Wagen fährt Herr Moore gleich nach dem Frühſtück weg, er ſagte, er müſſe noch mit dem Drei⸗Uhr⸗ Zuge nach London.“
„Könnte ich denn nicht mit dem fahren? Ich möchte ſo gern den Vetter ſprechen.“
„Ja, gewiß kannſt Du das, liebes Kind, ich wüßte nicht, warum das nicht gehen ſollte. Er kann Dich ja auf dem Wege nach dem Bahnhofe vor dem Hauſe Deines Vetters ab⸗ ſetzen, und Du kommſt Nachmittags mit Marcia zurück. Ziehe an der Glocke und ſage dem Bedienten Beſcheid.“
Ich that, wie mir geheißen, und war ziemlich ruhig.
Meine Abſicht war, direkt zum Vetter zu gehen und ihm zu ſagen, ich hätte dringende Geſchäfte in Nieder⸗Rockbury abzumachen, und ihn zugleich zu bitten, volles Vertrauen zu mir zu haben, daß ich nichts Unpaſſendes thun würde. Ich war feſt davon überzengt, daß er in ſeinem Edelmuth dieſes Vertrauen zu mir haben würde, wenn mein Vorgehen ihm auch vielleicht unverſtändlich ſein möchte; jedenfalls würde er doch einſehen, daß ich ehrlich ſein wollte, und fern davon, ihn zu hintergehen. Meinem unglücklichen Vater, in welcher Lage ich ihn auch finden mochte, wollte ich dann ſagen, daß ich nicht mehr im Stande ſei, die Laſt des Geheimniſſes länger allein zu tragen, und daß ich mich fortan ſo benehmen würde, als ob ich es nie erfahren, wenn er mir nicht geſtatten wollte, es mit meinem zukünftigen Gatten vereint zu tragen.
Einig mit mir ſelbſt, erwartete ich mit Ungeduld den Moment der Ausführung meines Planes; meine Unruhe und Aufregung fiel natürlich Allen in Frampton, die mich ſahen, auf; ich nahm aber keine Notiz davon. Mein Herz war zu voll von den eben mitgetheilten Entſchlüſſen, ſo daß ich es kaum erwarten konnte, bis ich an Herrn Moore's Seite im Wagen ſaß und mit ihm nach Rockbury abfuhr.
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13. Kapitel. Doktor Jord erfährt Alles.
Als Marcia Ford ſich einen Wagen ausbat, um darin nach Rockbury zu fahren, war ſie in einer fieberhaften Aufregung, die auch während der Fahrt ſelbſt noch auhielt; ſie bildete ſich nämlich ein, nun die ſicheren Beweiſe zu haben, daß mit der Liebe ihres Bruders ein ſchnödes Spiel getrieben würde, und hielt es für ihre Pflicht, ihm nun ſo bald als⸗ möglich die Augen zu öffnen.
Sinnend ſaß ſie mit ihrem hohen Federhut im Wagen und dachte über das nach, was ſie ſoeben geſehen und gehört, bis ſie vor ihrem Hauſe war; eiligſt ſtieg ſie dann aus und trat durch die Thür, ſie fühlte ſich aber wie mit kaltem Waſſer übergoſſen, als man ihr die unwillkommene Nachricht brachte, daß Doktor Ford nicht zu Hauſe ſei. Es blieb ihr jetzt nichts Anderes übrig, als in Geduld ſeine Rückkehr zu erwarten. Sie entließ daher ihr Fuhrwerk und trat in's Eßzimmer.
Dort waren die Zuſtände keineswegs erbaulich; Alles war in größter Unordnung, die Teppiche waren aufgenommen und lagen aufgerollt an der Erde, die Bilder ſtanden an den Wänden und alle Möbel aufeinander und bereit zum Trans⸗ port nach dem neuen Hauſe.
„Wo ſpeiſt denn der Herr?“ fragte ſie ziemlich verüchtlich
Wheeler, der ihr nach der Stätte der Unordnung gefolgt war.
„Doktor Ford dinirt ſelten zu Hauſe, doch wenn es vor⸗ kommt, ſo geſchieht es im Frühſtückszimmer.“
„Sieht denn Whichcote(das erſte, Hausmädchen) auch danach, daß die Möbel im Wohnzimmer regelmäßig aus⸗ geklopft werden?“
„Das Wohnzimmer iſt ſchon leer, alle Sachen daraus find im neuen Hauſe, dort hält Whichcote ſich jetzt auch den größten Theil des Tages über auf, ich vermuthe, ſie wird dort auch⸗ jetzt zu finden ſein.“
„Was, ſchon Alles fort?— Auch das Piano?“
„Ja, Alles, bis auf die Sachen in der Stube des Herrn.“
Miß Marcia ſeufzte tief; die Auflöſung des alten Haus⸗ halts berührte ſie ſehr ſchmerzlich, es ſchien ihr, als ſollte nichts mehr ſo bleiben, wie es geweſen war, ſeit ihr Bruder in dieſe unſelige Verblendung für das Mädchen verfallen war, das nun ein ſo ſchmähliches Spiel mit ihm trieb. wandte ſie ſich zur Seite, um ihre Bewegung dem Bedienten zu verbergen.
„Haben Sie eine Idee davon, wann der Herr zurückkehrt?⸗
„Nein, nicht die geringſte; der Herr Doktor hat keine ſpeziellen Befehle zurückgelaſſen, für gewöhnlich jedoch ſpricht er gegen ein Uhr einen Augenblick hier vor.“
„Gut, ich gehe nach dem neuen Hauſe; wenn mein Bruder zurückkehrt, ſagen Sie ihm, daß ich dort ſei.“
Nach dieſen Worten ging ſie hinaus und über die Straße nach dem neuen Hauſe, das Doktor Ford ſo glänzend für ſeine junge Frau einrichten ließ. Ueberall darin waren Ar⸗ beiter beſchäftigt, und ſo wie ihr die Thür geöffnet wurde, ſchallte ihr das Hämmern und Klopfen aus allen Räumen entgegen. Whichcote kam ihr geſchäftig und glücklich im Flure entgegen, ſie zweifelte nicht im Geringſten daran, daß ihrer Herrin die ihr übertragene Beſchäftigung ebenſo inter⸗ eſſant ſein würde, wie ihr ſelber, und war gleich bei der Hand, ihr alle ſchon eingerichteten Räume zu zeigen.
Raſch


