Concordia. 455
und tänzelte mit ihr zur
„Wir werfen den„Goldonkel“ ein,“ geſtikulirte Herr Grasberger.
„Kommt uns kein Menſch mehr,“ deklamirte die Fran Direktorin;„worin beſteht denn übrigens die Unmöglichkeit der Aufführung?“
„Ich kann doch meine heutige fünfte Partie, wenige Minuten nach meinem Abgange, als Türke zutreten habe, ummnöglich im Koſtüm der vorhergeh ſpielen,“ lamentirte Herr Grasberger.
„Sonderbarer Schwärmer,“ lachte die refolute Gattin; „Du haſt Dich auf die paar erbärmlichen Gard derdaſuele kaprizirt, welche Du vergangene Woche beim Maskenſchneider in Dummkirchen geſehen haſt und die er auf Deinen Wunſch auf das Beſtimmteſte verſprach Dir zu ſenden.“
„Es iſt zu ſpät; zu ſpät! Vier gute Stunden Weges bis Dummkirchen, und in drei Stunden ſoll die Vorſtellung be⸗ ginnen! O verhängnißvolle Rocktaſche; o unglückſeliger Brief!“ ächzte der Verzweifelnde, mit Weiden Händen ſeine Gehörs⸗ werkzeuge umklammernd.
„Du faſelſt, mein Lieber,“ rezitirte die Gattin, mit einer tragiſchen großen Armbewegung die Nichtigkeit aller menſch⸗ lichen Furcht und Klage andentend;„iſt der Maskenſchneider in Dummkirchen zum Lenker Deines Schickſals geworden? Hat Dir der Himmel darum ein Weib beſchieden, daß Du Aug' in Auge mit ihm den Reſt von Vertrauen aus Deinem
erzen banneſt? Sei ſtark, mein Karl, und ich werde Dir helfen!“
in der ich, wieder auf⸗
enden Rolle
„Toni— iſt es möglich!“ jubelte Herr Grasberger, die Hände von den Ohren weg hoch emporſtreckend.„Du willſt
mir in dieſen wenigen Stunden einen Türke knanaag verſchaffen? Sei mir geſegnet, ruhmreiche Zauberin! Mein Glaube an Dich ſteht felſenfeſt. Aber— wie willſt Du das anfangen? Sprich!“ „So höre! Du zählteſt auf die Pünktlichkeit der ehr⸗ ſamen Schneiderſeele in Dummkirchen. ſein, daß der Auftrag in dieſem Augenblicke effektuirt vor uns. läge, wenn Dein Schreiben überhaupt abgegangen wäre. gewöhnt, mit den Möglichkeiten zu rechnen. geſtern bereits: Wie, wenn der Anzug nicht zur
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Ich aber bin So überlegte ich rechten Zeit
anlangte? Und nach wenigen Augenblicken war auch hierfür ein Auskunftsmittel gefundeu.“
meins eunin. ſäuſelte der zärtliche Ehegatte, ſeiner beſſeren Hälfte Kußßhändchen zuwerfend.
„Du weißt,“ fuhr dieſe fort,„daß ich Weihnachten vor einem Jahre einen rothen Unterrock von Dir zum Geſchenk erhalten—“
„Allerdings; aber—“
„Nun, in dieſem preiſe Peinen Deus ex machina! Häben noch über zwei Stunden bis zur Eröffnung der Kaſſe. Bis vahin iſt le. ceen Das Auſtrennen des Rockes „ grüner Beſatz iſt
k we Längenſchnitte oben, um Deine Arme duuricheran ſind ſchnell angemacht; Deinen grünen Wams haſt Du vorher angezogen. Um Deine Schul⸗ tern in Falten und einen breiten, weißen Ritterkragen darüber⸗ gelegt, giebt dies Weihnachtsgeſchent hen prächtigſten Türken⸗ kaftan, den Du Dir wünſchen kannſt.“
„Toni— Kleinod— Perle— Juwel— Arm in 2 mit Dir, ſo ſorder' ich mein Jahrhu nidert in die Schranken!
Damit faßte Herr Grasberger ſeine Frau um die Hüfte Thüre Hingus———
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bald rund herum ungeheite
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In dem alten Breterwerk und den wackligen Couliſſen aber rauſchte und kniſterte es gar unheimlich und auf dem mittelſt zweier benetzter Finger renovirten Hit itergrunde tauch⸗ ten eigenthümliche Falten auf, die ſich zu einem grinſenden te geſtalteten, und es war, als ob die leeren Stühle und e erzitterten unter dem Lachen unſichtbarer Zuſchauer ſelbſt der Souffleurkaſten ſich zu bewegen begann und, 15 ſe iner 9 rihe Ruhe geriſſen, flüſterte: Ja, ja, Herr rekt ger, Ihre Beklemmung war nicht umſonſt, Piepn ihren Schatten voraus zu werfen.
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Der Zuſchauerraum füllt ſich.
Das Summen, Wiehern und Blöken darin liefern un⸗ freiwillige Streiflichter zur Darwin'ſchen Deszendenztheorie.
Um ſieben Uhr ſollte die Vorſtellung erenneßn Eine Viertelſtunde darüber hinaus pflegt das„verehrliche Publikum“ noch der eigenen Redekunſt. Dann aber beeilt es ſic, ſeine geſteigerte Wißbegierde zu äußern.
Der Sinn für 9 Rhythmus und wahrhaft diaboliſcher Weiſe.
Wohllaut offenbart ſich in
Das Trommeln, Rufen, Scharren und Piei ifen bricht in allen Tone und Taktarten zugleich los, chromatiſch, ſynkopiſch; lere Fuge vanuftüis Per vielleicht auch zukünftiger
Ein ſchriller Klingelton; noch einer.
Endlich!
Eine Klarinette, zwei Dicdi Kontrabaß übernehmen die von Arbeit und eröffnen die roße und Etcätera.
Der Vorhang rollt empor.
Der brave, um dreißig Thaler erleichterte Schweizer tritt auf.
Er hat die ie ule eines n Vaters zu ſpielen. (Vaterpartien aren udh Direrkor Grashe rger's Doktrin das
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bekümmerte
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Nachdem er in den wunder barſten Gutturaltönen Klagen
ſeinen ungerathenen Tn au⸗Geſtoßen, beſchließt er,
Er coraibt des Whalb einem Gef häf Raſreunde und bittet dieſen,
ſeinen Stammhalter zur„weiteren Ausbildung“ bei ſich auf⸗ zunehmen.
und zwei mit Hilfe von
Glo otza ugen
Jetzt öffnet ſich eine Seitenthür 1 ſchwarzer Tuſche um das Doppelte leuchten unheimlich um die Ecke.
Die Stumpfnaſe der umf grimmiger empor; die araningeadan rchen die außerordentlichſten Anſtrengungen, ſic in eine Horae ontale um ein verzweifeltes b
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Lage zu ſchieben, Lächeln hervorbringen zu können.
Selbſtverſtändlich hat der unglückli
laut in die Feder diktirt, damit Pubfliium wie das lauſchende Kammerl den Inhalt ohne weitere Mühe erfahren. Mit de n Aerufe„Halt' ein, U ngeheuer!“ ſtürzt ſich die Soubrette auf den kunſtliebenden Alp ch / ob ſolch' ſchweren Ernſtes im le der dringenden Mahnung des Direkto
ſchonen, nach ſeinem er


