Jahrgang 
2 (1879)
Seite
452
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Zoncordia.

Sie? Cartouche?

Ja, ich, mein Herr, fuhr Sidi ruhig und beſtimmt fort, ich, ſein Weib, das er verrathen hat.

Sein Weib?

Und d'Argenſon wollte die Glocke ziehen.

Schellen Sie nicht, gnädiger Herr, ſagte ſie,ich bin weder wahnſinnig, noch iſt es nöthig, mich in Ketten legen zu laſſen. Ich kam, um Ihnen freiwillig mein Bekenntniß ab⸗ zulegen, freiwillig ihn Ihrem Schaffot zu überliefern. Keine Gewalt der Erde, nicht Ihre Tortur würde mich dazu zwingen; frei ſpricht meine Zunge, weil er mich, die Mutter ſeines Sohnes, weil er ſeinen Dominique verworfen.

Reden Sie.

Zuvor muß ich mir aber ausbedingen

Völlige Strafloſigkeit? Gewährt.

Nicht für mich bitte ich, dieſen Leib können Sie dreiſt vernichten; aber mein Sohn

Es ſoll für ihn geſorgt werden, mein Ehrenwort darauf!

Dank. Dominique, küſſ dem Herrn die Hand!

Ihre Ausſagen, Madame!

Cartouche befindet ſich auf dem Punkte, unter dem Namen eines Marquis von Chateaufort

Chateaufort?! unterbrach ſie der Generalpolizeilieutenant.

Ja ſich mit der Gräfin d'Argentière zu vermählen.

Sie beſchrieb darauf die Lage des Schloſſes, das ſie vor ſieben Stunden verlaſſen hatte. Der Generalpolizeilieutenant notirte es ſich genau.

Liebe Frau, ſagte er ſodann,Sie werden begreifen, daß Sie bis zur Gefangennahme dieſes ſchrecklichen Räubers unter Schloß und Riegel bleiben müſſen.

Machen Sie mit mir, was Sie wollen nur mein Kind

Man wird Sie mit Schonung behandeln, Sie haben Frankreich einen großen Dienſt erwieſen, der Alles vergeſſen macht, was Sie auch gefrevelt. Nur Eins wünſche ich Ihnen, daß Sie Ihr Bekenntniß einſt nicht bereuen mögen; Sie ſcheinen mir von beſſerem Stoffe, als die Anderen.

Als d'Argenſon zur Geſellſchaft zurückkehrte, nahm er Ernſt de Villeneuve und den Marquis von Chateaufort bei Seite.

Mein Freund, ſagte er zu dem Erſteren,Sie ſind ein⸗ mal faſt in die Hände Dominique Cartouche's gefallen; jetzt können Sie Vergeltung üben. Herr Marquis, es ſteht die Furcht Frankreichs auf dem Punkte, unter Ihrem Namen eine Gräfin d'Argentiére zu ehelichen. Wollen Sie das dulden?

Herr Villeneuve, ich bin Ihr Begleiter, ſagte der Marquis,um Ihnen zur Gefangennahme unſeres früheren Mitſchülers Beiſtand zu leiſten, wenn Sie denſelben nicht verſchmähen.

An der Seite eines Chateaufort ficht es ſich gut, er⸗ widerte Ernſt mit einer verbindlichen Verbeugung. Danach fragte er, wer die Nachricht gebracht habe.

Der Verrath.

So haben endlich die zwanzigtauſend Livres ihre Schul⸗ digkeit gethan.

Gefehlt, lieber Freund, entgegnete d'Argenſon.Nicht Eigennutz war ſeine Urſache, ſondern die Leidenſchaft, die in unſeren Kreiſen nur belächelt wird die Eiferſucht.

Drei Stunden ſpäter, als Paris noch in tiefem Schlafe

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lag, verließen zweihundert berittene Maréchauſſée's die Haupt⸗ ſtadt, eine Stunde ſpäter ſtießen ungefähr ebenſoviel Dragoner zu ihnen. Nur die beiden Führer wußten den Zweck des Auf⸗ bruches, wußten, wohin es ging.

14. Kapitel. Schwert gegen Schwert.

Die Frau von Ventadour glänzte nicht nur durch den Werth ihrer Schönheit; auch ihr köſtlicher Brillantſchmuck ließ ſie von vielen Damen des Hofes beneidet ſein. Die Pracht deſſelben war ſo herausfordernd, daß mancher Gauner ſich ſchon nach dem koſtbaren Funde geſehnt hatte. Das Erlangen erſchien aber unausführbar. Außerdem lag große Schwierig⸗ keit in der guten Verwerthung der herrlichen Steine.

Auf dieſen Schmuck hatte ſich Cartouche's Aufmerkſamkeit gerichtet, ihn ſollte ſeine Braut zu ihrer Vermählung tragen. Er eröffnete Lami dieſen Gedanken. Der Vertraute ſah ihn kopfſchüttelnd an.

Man iſt der Sonderbarkeiten an Dir gewohnt, ſagte er lächelnd. 3

Du hältſt den Einfall für unausführbar? fragte Car⸗ touche.

Du haſt ſchon Manches zu Wege gebracht, was Andere verzagen ließ, erwiderte Joſef.

Und ich will auch dies ausführen, meinte Dominique.Laß ſatteln! in zwei Minuten ſind wir auf dem Wege nach Paris. Die Ventadour ſoll ſich wundern, wenn ſie ihren Schmuck ver⸗ miſſen wird.

Du willſt doch nicht ihr Palais mit bewaffneter Fauſt ſtürmen?! bemerkte Lami.

Keineswegs, ich laufe nicht mit dem Kopf durch die Wand. Aber ein Streich ſoll es werden, von dem man noch reden wird, wenn unſere Gebeine längſt bleichen. Mach' raſch! in zwölf Stunden müſſen wir wieder zurück ſein.

Dieſes Geſpräch fand zwei Tage vor dem Auftritt mit Sidi ſtatt.

Cartouche und Lami eilten nach Paris. Dort beorderte der Räuberchef ſeinen Vertrauten, den erſten Kammerdiener der Ventadour zu veranlaſſen, mit ihm zuſammenzukommen. Das gelang auch Joſef, natürlich ohne daß er den Namen ſeines Freundes und Vorgeſetzten nannte. In einem Reſtaurant trafen ſich Jean Paturot und der gefürchtetſte Menſch Frank⸗ reichs. Nach einer Einleitung eröffnete Dominique dem Be⸗ dienten, was er von ihm wünſche. Dem ſauber gekleideten Manne verging faſt der Athem.

Herr, halten Sie mich für einen Spitzbuben, für einen

Schurken? fuhr er auf.

Für einen Menſchen, der nicht ſo dumm iſt, ſeinen Vor⸗ theil zu vergeſſen, entgegnete Cartouche ruhig.

Seinen Vortheil? Jawohl, gefangen zu werden! rief Paturot und ergriff ſeinen Hut, um das kleine Zimmer im Unmuth zu verlaſſen.Ich habe die Ehre, mich Ihnen zu empfehlen.

Bleiben Sie, mein Herr, ſagte Dominique.

Nach ſolchen Zumuthungen?

Pah, Sie ſind diffiziler als Ihre Herrin.

Wie das? Wollen Sie Frau von Ventadour beleidigen?

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