Jahrgang 
2 (1879)
Seite
447
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Concordia.

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muß ganz neu ſein. Orchideen⸗Kultur?

Während Herr Moore eine Antwort hervorſtammelte, taſtete ich mit meinem Fuße am Boden umher nach dem hin⸗ gefallenen Brief. Die Paſſage war ſo ſchmal und wir ſtanden uns ſo nahe, daß es mir ummöglich war, mich zu bücken, ohne die Auderen zu geniren und mich zu verrathen.

Nach einigen erfolgloſen Verſuchen und ohne Gelegenheit zu haben, meinen Hintermann von meinem Verluſt in Kennt⸗ niß zu ſetzen, ging ich zögernd weiter, ich hoffte auf dem Rückwege das Verloreue zu finden und wieder zu erhaſchen; doch früher ſchon ſollte ich in den Beſitz deſſelben kommen. Ein paniſcher Schreck fuhr mir durch die Glieder, als ich bemerkte, daß die Augen der Couſine ſich plötzlich von den Blumen auf den Boden richteten, und ſie ſich bückte. Un⸗ willkürlich errieth ich, daß ſie gefunden, was ich ſuchte, und ohne weiteres Beſinnen rief ich aus:

Bitte, gieb her, Couſine Marcia, es gehört mir!

Was gehört Dir, wenn ich fragen darf? ſagte ſie höhnend.

Nun, das, was Du aufnahmſt, das Billet. Hier ſtockte ich und erröthete über und über, ich fürchtete ſchon, mich un⸗ nöthig verrathen zu haben.

Meinſt Du dieſes Couvert mit der Herrenhandſchrift? fragte ſie und hielt es hoch.

Das iſt keine Herrenhand; der Brief kommt von meiner Freundin Mademoiſelle d'Alvan.(Wie unwahr ich redete, wußte ich nur zu gut, man mußte es auch mir unfehlbar anſehen).

Mademoiſelle d'Alvan ſchreibt ja ganz anders, wie ſonſt junge Damen, bemerkte Marcia und drehte das Couvert hin und her.

War es nicht eine Einlage in Felicite's Brief? fragte ich kühn Herrn Moore, vergaß dabei aber ganz, daß ich ſein Geheimniß auch mit in die Gefahr zog; Herr Moore ſchien nicht geneigt zu ſein, mir zu Hilfe zu kommen, er wandte ſich ab. Er ſah wahrſcheinlich ein, daß er die erſte Veranlaſſung zu meiner Verlegenheit gegeben, und bedauerte es gewiß ſehr, hatte aber wohl keine Luſt, mir durch ein offenes Geſtändniß zu helfen. Kaum hatte ich die Frage an ihn gerichtet, ſo ſah ich auch ſchon ein, daß ſie ſehr unüberlegt war.

Herr Moore weigert ſich, Dir beizupflichten, Petronel, wenn er ſicherlich auch eben ſo gut über dieſen Brief Beſcheid weiß wie Du. Du bleibſt unmöglich bei der Wahrheit, wenn Du behaupteſt, daß dieſes eine Damenhandſchrift ſein ſoll.

Die Furcht, daß ſie früherhin vielleicht zufällig ſchon ein⸗ mal Briefe von meinem Vater geſehen umd ſeine Handſchrift nun wieder erkannt haben könnte, überkam mich und meine Geduld war zu Ende.

Es iſt ja auch gleichgiltig, ob der Brief von einem Herrn oder von einer Dame geſchrieben iſt, Dir gehört er nicht, und Du haſt kein Recht, ihn mir vorzuenthalten.

Mein lautes Sprechen ſtörte die Großmama bei ihrer Lieblingsbeſchäftigung, mit ihrem Sonnenſchirm Raupen ab⸗ zuſtoßen und ſie mit der Gartenſcheere zu tödten; ſie wandte ſich zu uns und fragte, was es gäbe.

Weiter nichts, als daß die Couſine Marcia einen Brief für mich aufgenommen hat und mir ihn nun nicht heraus⸗

geben will.

Treibt Ihr Vater vielleicht auch

Das iſt wohl nur ein Scherz von Marcia, meine Liebe, ſagte Lady Halſtedt begütigend.

Dann war es jedenfalls ein recht ſchlechter Scherz! fügte ich bitter hinzu.Soll ich den Brief nun haben oder nicht?

Habe ich iyn ihr ſchon vorenthalten? fragte ſie und reichte mir den Brief an Herrn Moore vorbei.

Wenn dieſer vorhin auch keine Neigung gezeigt hatte, mir beizuſtehen, ſo wollte er doch auch wohl nicht gegen mich Zeugniß ablegen und verharrte in ſeinem Schweigen⸗

Es war thöricht von mir, Ihnen zuzumuthen, mir bei⸗ zuſtimmen! ſagte ſie ſo wegwerfend, daß er ſich veranlaßt ſah, zu erwidern, er miſche ſich überhaupt ſehr ungern in Streitigkeiten zwiſchen Damen und bäte darum, ihn ganz aus dem Spiele zu laſſen.

Kommt, Kinder! warf die Großmama ein,jetzt habt Ihr genug gezankt! Sie ſah ein, daß es zu dunkel war, um ihre Raupenjagd noch fortſetzen zu können, und wollte nach dem Hauſe gehen; ich ſteckte meinen Brief in die Taſche und ging mit ihr fort. Herr Moore und Marcia blieben noch zurück, meinethalben mochten ſie die Unterhaltung beenden, wie ſie wollten.

Sobald wir in Frampton angekonnmen waren, lief ich die Treppe hinauf, nach meiner Stube, zog den Brief aus ſeinem Schlupfwinkel und zerbrach ärgerlich das Siegel.

Es war richtig Alles ſo, wie ich vermuthet. Mein Vater hatte von Felicite erfahren, wie die Sachen ſtanden und wie ſich meine Zukunft geſtalten ſollte, und verſuchte nun, für ſich daraus Vortheil zu ziehen. Die Anrede in ſeinen Zeilen war zärtlich und liebevoll, oder hätt f ſo erſcheinen können, wenn ich nicht ſeine Abf 5 Er nannte mich ſein geliebtes, theures Töchterch ſein einziges Kind,

2 v rig 444 t, er ſchrieb, ich

das ein tückiſches Schickſal fern von ihm hie genöſſe Alles Gute, was das Geld nur ſchaffen könnte, er⸗ freute mich des höchſten Glückes, das das Leben zu bieten

habe, ſagte zugleich, aus Liebe zu mir freute er ſich darüber; dann fragte er mich, ob ich inmitten meines Glückes auch wohl mitunter ſeiner und der trüben Geſchichte, die er mir anvertraut, gedächte. Dann folgten einige Det ils über ſeine

augenblickliche Lage, die ſo himmelwei ieden von der meinigen ſei, doch, fügte er hinzu, ſo lange ich glücklich ſei,

Zum Schluß erſuchte er mich, wie ich es d, wie ich irgend auf⸗

ſei Alles gut.

2 ers erwart m ſo viel Gel

2 61 O ich muf ehen, daß

daher ſeine Bitte als Befehl anſeh laſſen, daß durch ihn alle meine Hoffnungen mit einem Worte vernichtet werden könnten.

Trotzdem, daß dieſer Brief ganz befürchtet und vorausgeſehen, und trotzder vor Kurzem von Herrn Moore Schweigſamkeit Alles dieſes zu vermeiden, war ich wunderbar ruhig und

, wie ich mir noch

erbeten, um

Als ich

damit zu Ende war und mit einer Empfindung, die nahezu an Haß grenzte, die Unterſchrift betrachtet hatte, riß ich das Papier in hund gen, warf dieſe auf den Beden

e und trat ſie mit den Füßen. Ich wüßte nicht, daß ich je

rt kleine Stück