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geliebten Rolf entdecken.
Concordia.
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zeinem gewiſſen, zeitweiligen Ausdruck des ganzen Geſichts, kurz, ſie wollte mitunter eine Aehnlichkeit Freda's mit ihrem Seltſames Spiel des Zufalls!
Regine hatte Rolf von einem Auftrag, den ſie erhalten, erzählt, wollte ihm jedoch die Platte erſt dann zeigen, wenn das Bild darauf vollendet ſei.
Das war nun der Fall. Die Baronin erklärte ſich von dem mühevollen Werk im höchſten Grade befriedigt und hatte
verfprochen, heute Nachmittag in Freda's Begleitung zu Reginen zu kounnen um zum Schluß noch einmal den Vergleich des Originals mit deſſen Abbild auf der Platte zu ermög⸗ lichen⸗ Vielleicht waren hie und da noch einige kleine Ab⸗ änderungen zu treffen.
Aber nur der leere Wagen der Baronin fuhr— als die zur Sitzung anberaumte Stunde bereits vorüber— bei „Reginen vor.
Der Lakai ſtieg ab und brachte einen Brief ſeiner Herrin, worin dieſelbe Reginen bat, ſich mit der Platte zu ihr begeben
zu wollen, da Freda wegen eingetretener Heiſerkeit bei dem trüben, nebeligen Herbſttage eine Ausfahrt nicht unternehmen dürfe. Jedoch ſei morgen der Geburtstag des Barons und dazu das fertige Geſchenk natürlich erforderlich. Das Fräu⸗ lein möchte daher entſchuldigen, und ſo weiter.
Es war Reginen nicht angenehm, daß dieſer unvorher⸗
geſehene Fall eintrat, denn ſie verließ ſeit einiger Zeit das Haus nicht mehr. Dennoch wollte ſie ihr Werk nicht aus den
Handen geben, ohne noch die letzte Feile daran gelegt zu haben; ſo blieb ihr nichts übrig, als der Bitte der Baronin nachzugeben. Zwar ging Rolf dadurch des verſprochenen An⸗ blicks der Platte verluſtig, doch war dies nun einmal nicht mehr zu ändern. Sie hüllte ſich in einen Shawl, nahm die Platte und beſtieg mit derſelben den Wagen.
Von der Baronin wurde ſie mit ausgezeichneter Liebens⸗ würdigkeit empfangen. Man mußte ſogleich Freda rufen und Regine nahm an einer Stelle noch eine kleine Radirung und an anderer Verſtärkungen einiger Linien vor.
Darauf erklärte ſie die Arbeit für vollendet und empfing die größten Schmeicheleien der Baronin.
In dieſem Augenblick, gerade als ſie aufſtand, um ſich zu verabſchieden, führte ein Zufall den Baran, der ſich für ge⸗ wöhnlich nie hier blicken ließ, nach den Zimmern ſeiner Frau. Er wollte einen an ſie gerichteten und irrthümlicherweiſe bei ihm abgegebenen Brief in Abweſenheit des Dieners ſelbſt überbringen.
Entſetzt, als wäre ſeine Erſcheinung im Rahmen der Thür ein Spukbild ihrer Phantaſie, ſtarrte Regine den Baron an, der, nicht minder faſſungslos als ſie ſelbſt, mit weitgeöffneten Augen ihr gegenüberſtand.
„Bleib' draußen, Papa! Es iſt ein Geſchenk für Dich, bleib' draußen!“ ſchrie Freda, ſtürzte auf den Baron zu, riß aus ſeiner Hand den Brief und drängte ihn ſelbſt zurück. „Schnell, Mama, verſtecke die Platte.“
(Fortſetzung folgt.)
Petronel.
Roman aus dem Engliſchen von Florence Marryak. (Fortſetzung.)
Der Salon war ein langer, ſchmaler Raum, der mit viel Luxus ausgeſtattet war; werthvolle Statuen ſtanden in den
Niſchen und die Möbel waren mit den feinſten indiſchen und japaneſiſchen Stoffen überzogen. Er bildete die Ver⸗
bindung zwiſchen den beiden Flügeln des Hauſes und wurde gewöhnlich nur als Durchgang benutzt oder als kühler Ruhe⸗ Kaum war ich dort, ſo kam
platz an heißen Sommertagen. auch Herr Moore. „Legen Sie es nicht als
Vier⸗Uhr⸗Zuge fahren zu können.“
„Ich bitte nur um eine Minute,“ erwiderte ich. An weitere Erklärungen dachte ich nicht, und ſagte nur:„Ich wollte Sie nur um Eins erſuchen; bitte, wenn Sie an Felicite ſchreiben, Nach
erwähnen Sie nicht, daß Sie mich hier getroffen. Ihrer Rückkehr werde ich Ihnen das Nähere ſagen.“
Erſchrocken rief er aus:
„O, Miß Fleming!“ „Gewiß haben Sie es Gedanken errathend.
„Ja, leider habe ich es wir uns getrennt, ſchrieb ſelbſt den Brief nach Rockbury gebracht; ich dachte, e
gethan.
würde ihr beſondere Freude machen, von Ihnen zu hören.
Nun bedauere ich, es gethan zu haben.“
Rückſichtsloſigkeit aus,“ ſagte er verbindlich,„wenn ich Sie bitte, ſich kurz zu faſſen, ich habe nur wenige Augenblicke noch; es iſt dringend nothwendig, daß ich noch zeitig genug nach Rockbury konnme, um mit dem
ſchon gethan?“ fragte ich, ſeine
Geſtern Abend, nachdem ich und dieſen Morgen habe ich
„Dann iſt es auch gleichgiltig,“ antwortete ich ſo unbefangen es ging, denn ich wollte ihn nicht betrüben. „Von Wichtigkeit iſt es ganz und gar nicht, ich bedauere, daß ich es geſagt.“
„Wenn ich nur keinen dummen Streich gemacht habe!“ unterbrach er mich; ‚„ich muß Ihnen offen bekennen, Miß Fleming, ich habe noch mehr gethan, ich theilte ihr auch mit, was mir geſtern Abend noch Julia erzählte, daß Sie den liebenswürdigen Herrn, der zu Tiſch hier war, heiraten würden. Zürnen Sie darob auch nicht?“
„O, wie wünſche ich, Sie hätten das nicht gethan!“ Der Ausruf entfloh mir, denn ich war zu ſehr erſchrocken über ſeine Nittheilung. Gern hätte ich ihn zurückgenommien, als ich ſah,
I daß er ſo betrübt war.
„Ja, das wünſche ich jetzt auch ſehnlichſt, doch ich hatte keine Ahnung davon, daß Ihre Verlobung geheim bleiben ſollte, und wußte, wie ſehr Felicite intereſſirt würde. Was ſoll ich nun anfangen, Miß Fleming?“
„Nichts weiter, Herr Moore, die Sache iſt ohne Bedeutung; bitte, vergeſſen Sie, was ich ſagte.“
„Das kann und werde ich nicht, ich bin nun Zeit meines Lebens unglücklich und könnte mir die rechte Hand abſchlagen,
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oder ſie am Licht verbrennen, wie der alte Crammer Ich mußte lachen, obſchon ich innerlich nicht lächerlich ge⸗ ſtimmt war. „Eilen Sie, daß Sie zum Zuge kommen, fonſt haben Sie
noch zwei Malheurs anſtatt eines zu beklagen.“


