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aber ich fühlte nach und nach, daß, wenn ich gezwungen werden ſollte, irgend Jemandem ein Geheimniß zu vertrauen, es für mich leichter ſein würde, ſolchen Leuten zu trauen, die fort⸗ wandern und ihr Wiſſen mit ſich fortnehmen, als ſonſt irgend wem. Nachbarn oder Freunden wagte ich nicht zu trauen. Meine einzige Hoffnung war auf Fremde gerichtet.“
„Wußte Niemand auf der Farm von der Ankunft dieſer Fremden?“ fragte Maurice.
„Nein. Die Männer waren beim Abendbrot, als ich dieſe Leute auf den Heuboden brachte. Es war ein Boden über einem leeren Stalle, der nur zu Zeiten benutzt wurde, wenn es einen Ueberfluß an Futter gab. Ich wußte, daß er als Verſteck ſicher genug war, ſo lange ſich die Leute ruhig ver⸗ hielten. Ich hatte ſie gewarnt, ihre Gegenwart bekannt zu geben, da mein Gatte ein harter Mann wäre— der Himmel vergebe mir die große Falſchheit— und ihre Anweſenheit nicht dulden würde. Am nächſten Morgen fiel der Schnee dichter als je und es wäre Wahnſinn geweſen, es zu ver⸗ ſuchen, einen Weg über das Moor zu finden. Die Leute, welche das Land am beſten kennen, wären in einem ſolchen Falle hilflos geweſen. Deshalb brachte ich den Leuten auf dem Boden ein Frühſtück von Kaffee, Brot und Schinken, und ſagte ihnen, daß ſie bleiben möchten, bis das Wetter ſich ändern würde.“
„Sie waren dankbar, denke ich.“
„Sie dankten mir und ſegneten mich unter Thränen. Ich war beſchämt, ihre Dankſagungen zu empfangen, da ich meinen ſelbſtſüchtigen. Zweck kannte und wußte, wie wenig ich mich um ihr Unglück kümmerte. Der Mann ſagte mir, daß ſein Name Eden und er ein herabgekommener Gentleman ſei. Ich glaube, er ſagte auch, daß er in der Armee gedient und reiche Verwandte hatte, die aber nichts von ihm wiſſen wollten, und deshalb habe er verſucht, ſeinen Lebensunterhalt durch ſeine Talente zu gewinnen, ſei aber in die äußerſte Armuth verfallen. Er und ſein Weib wären nach Cornwall gekommen, da ſie gehört hätten, daß das Leben im Weſten Englands wohlfeil ſei. Ich erfuhr nach und nach von ihm, daß er zuerſt verſucht, Unterricht zu geben, was ihm aber mißlang, ſo daß e zwungen war, ſein Quartier aufzugeben, und in ſeiner äuperſten Noth hatte er ſich ent⸗ n, ſch an Squire Penwyn zu wenden, von dem er gehört, daß er ein reicher Mann ſei. Deshalb hatte er verſucht, raſch über das Moor zu kommen, dn Schnee aber hatte ihn ſamunt t ſeinem Weibe aufgehalten.„Der Himmel hätte Ihnen helfen mögen, wenn Sie den wen zu dem alten Squire ſagte 15 ihme„Er iſt nicht der Mann, viel für Sie zu thun!“ h ſagte Beiden, daß ſie bleiben möchten, bis das Wetter beſſer ſei, oder bis Mrs. Eden durch Ruhe und gute Nahrung, womit ich ſie verſehen wolle, Kraft genug gewonnen hätte; und ſie dankten mir wieder, als ob ich ihr guter Engel wäre.“
„Das war ohne Zweifel eine gute That.“
In den Augen dieſer armen Leute allerdings.
ſchloſſe
geſuunden hätten!“
Ich aber weiß, daß ich nicht, wie es meine Chriſtenpflicht geweſen wäre, die Wohlthat übte aus Liebe zu Gott und meinen Mitmenſchen, ſondern aus Gründen der Selbſtſucht. Ich wagte es nicht, zu daß jene Wohlthaten dereinſt mir an Gottes Throne zu meinem Seelenheile angerechnet werden. Doch ich muß
fortfahren in der Erzählung der Thatſachen. Im Laufe des
hoffen,
nächſten Tages kam es heraus, daß Mrs. Eden nicht lange zuvor ihr erſtes Kind verloren, und daß ſie deshalb ſehr be⸗ kümmert geweſen war, die arme Frau. Dieſe Mittheilung beſtärkte mich in der Idee, daß dieſe Leute Werkzeuge zu meiner Hilfe ſeien, welche die Vorſehung mir geſendet, und ich entwarf neue Pläne und ordnete Alles klar in meinem Geiſte. Noch weitere vierzehn Tage vergingen, der Schnee begann in den Thälern zu ſchmelzen und unſere Leute hatten harte Arbeit, um den Platz vor einer Ueberfluthung zu ſchützen. Wir hatten an dergleichen Geſchehniſſen ſchon früher gelitten. Michael war den ganzen Tag außer dem Hauſe und half Gräben ziehen, um das Waſſer von unſerem Holzhofe ab⸗ zuleiten. Als das Wetter ſich aufheiterte, ſchien Mr. Eden unruhig zu werden im Gemüthe.„Sie werden wohl wünſchen, uns loszuwerden, Ma'am,“ ſagte er.„Die Wanderer müſſen ihre Reiſe wieder aufnehmen durch die Wildniß des Lebens.“ Ich ſagte ihnen nun aber, daß ſie bleiben könnten, bis das Wetter noch milder geworden ſei, ſchon wegen des ſchwächlichen Weibes. Ich war noch nicht am Ziele und eben deshalb konnte ich ſie nicht entlaſſen.“
„Und während all' dieſer Zeit entdeckte Niemand Ihre ſonderbaren Gäſte?“ fragte Maurice.
„Nein,“ erwiderte Mrs. Trevanard,„dieſer Theil unſerer Wirthſchaftsgebäude liegt den Leuten, die wir beſchäftigen, nicht im Wege. Sie können denſelben morgen beſichtigen, wenn es Ihnen beliebt, und Sie werden finden, daß es ein ganz abgelegener Winkel iſt. Die Fremden fürchteten zwar ein- oder zweimal ihre Entdeckung, wenn ſie Stimmen in der Nähe hörten, aber auf den Boden kam doch Niemand. Ich brauchte die Vorſicht, ihnen meine Beſuche ſtets während der Mahlzeiten zu machen, wenn außerhalb des Hauſes ſich Nie⸗ mand vorfand, der mir nachſehen konnte. Dabei hielt ich meine Milchkammer immer unter Schloß und Riegel, und in dieſer war es, wo ich meine Lebensmittel⸗Vorräthe für die Fremden verwahrte. Es war mir leicht, ihnen die Speiſen aus der Milchkammer auf den Boden zu bringen, ohne bemerkt zu werden. Ich nährte ſie gut, gab ihnen außerdem einige Bücher zu leſen, und brachte Mrs. Eden Arbeitsmaterial und ein Stück Calico, damit ſie ſich davon Unterkleider machen konnte, und dazu fügte ich obendrein noch Stoffe auf einige Kleider. Ich hatte reiche Vorräthe von allerhand Stoffen aufgehäuft und es war mir leicht, in dieſer Weiſe wohlthätig zu ſein.“
„Und Ihre Penſionäre wurden dieſer Zurückgezogenheit nicht müde?“ fragte Mr. Cliſſold.
„Nicht im Entfernteſten. Sie hatten ſeit Langem zu viel harte Noth gelitten, um nicht dankbar zu ſein für Nahrung und Obdach, das ihnen nichts koſtete. Es war für ſie ein Ausruhen von langem Ungemach, eine Feſtzeit, ſo ärmlich ſie auch Glücklicheren erſcheinen mag. Mr. Eden ſagte mir, daß er niemals glücklicher geweſen ſei, als auf dieſem Dachboden. Ich hatte ihnen nach und nach allerlei Bequemlichkeiten ver⸗ ſchafft, warme Decken, einige alte Kiſſen, um darauf zu ſitzen, und andere Dinge. Die Geſundheit der Mrs. Eden hatte ſich wundervoll verbeſſert. Eines Tages, nachdem ſie mir von dem Kinde erzählt, das ſie verloren, fragte ich ſie, ob ſie ein mutterloſes Kind lieben und pflegen könnte, wenn es ihrer Sorge anvertraut würde. Sie erwiderte mir, daß ſie dies wahrhaftig thun könnte, und von ganzem Herzen, und ihr
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