bieten an, Chateaufort iſt fortan der Name meines Nitters,
des Mannes, der mir meinen Weg beſtimmen ſoll.“
Sie reichte ihm die von dem Staubhandſchuh entblößte Hand, er drückte ſie an die Lippen.
„Wenn Sie mich, Frau Gräfin, zu Ihrem Wegweiſer er⸗ nennen,“ ſagte er dann,„ſo möchte ich meine Gebieterin auf⸗ merkſam machen, daß wir auf dieſer Straße wohl ſchwerlich ein anſtändiges Nachtquartier finden werden. Wenn die Königin der Schönheit es aber nicht verſchmähen will, ein nicht mehr allzu weit gelegenes kleines Haus, das Ihrem er⸗ gebenſten Diener gehört, zu beziehen, ſo erlauben Sie mir, daß ich meinen Diener vorausſende, damit wir nicht ganz unvorbereitet kommen.“
„Ihre Liebenswürdigkeit zeigt den Mann von altem Adel.“ Sie verneigte ſich leicht.
Chateaufort ſprengte, ſeinem Diener winkend, voraus.
„Grandtéte, raſch voraus. Bouchard ſoll den Thurm für Geſellſchaft zurichten.“
„Welche Vorbereitungen, Hauptmann? Soll ihnen in der Nacht der Hals erſt abgeſchnitten werden?“
„Dummkopf, dieſes reizende Weib! Ich habe meinen Plan mit ihr— eine Vermählungskomödie vielleicht. Kurz, Bou⸗ chard wird den Gaſt des Marquis von Chateaufort würdig empfangen.“
„Cartouche, Du ſpielſt ein gewagtes Spiel; aber der Schüler darf dem Meiſter keine Vorſchriften machen.“
Dominique(der Leſer wird in dem Marquis ihn vielleicht ſchon erkannt haben) lächelte.
„Das heißt, Du würdeſt anders handeln,“ ſagte er.
„Ich habe nicht den Geiſt, mich in ſo gewagte Spekulationen einzulaſſen. Ich hätte die männliche Sippſchaft nieder⸗ geſchoſſen, das Weib in den Arm genommen und in jenem Gebüſche——“
„Das hätte Grandtéte gethan, der ſich auf der Landſtraße ſchon eine hübſche Fertigkeit erworben hat; er wird aber zu⸗ geben, daß Dominique Cartouche im Stande iſt, ſeinen eigenen Weg zu finden. Unſere Unterredung dauert ſchon zu lange. Schnell! eile Dich und richte pünktlich aus, was ich ge⸗ heißen.“
„Du wirſt mit mir zufrieden ſein.“
Und der Gehilfe ſprengte wild dahin.——
Während der Unterredung der beiden Banditen hatte die Gräfin mit Etienne ebenfalls einige Worte gewechſelt.
Als der Pſeudomarquis zurückkehrte, ritt Etienne wieder voraus. Die Gräfin wandte ſich aber an Cartouche mit den Worten, daß es unbillig ſein werde, wenn ſie ihn unvor⸗ bereitet mit drei Dienern auf einer Beſitzung beläſtige, die er doch nur vorübergehend bewohne.
„Es wird trotzdem Raum für Alle ſein,“ entgegnete Do⸗ minique.
„Es iſt aber unnöthig, Sie mit Perſonen zu beläſtigen, die uns ſehr gleichgiltig ſein können. Ich habe nämlich jene beiden Burſchen zum Schutze gegen die Freibeuter für meine Reiſe nach Paris gemiethet und kann ſie jeden Augenblick wegſchicken, was ich auch, ſobald wir vor den Straßenräubern nichts mehr zu fürchten haben, thun werde.“
„So können Sie ſogleich Ihren Willen ausführen.“
„Sogleich— ich denke, daß wir dann uns Gefahren aus⸗
ſetzen, die wir anders vermeiden“
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„Pah,“ lächelte Cartouche,„ich bin der Meinung, daß Sie in der Geſellſchaft des Marquis von Chateaufort wenigſtens ebenſo ſicher ſind, als durch Miethlinge, von denen ich noch ſehr zweifle, daß ſie von ihren Waffen Gebrauch machen werden oder zu machen wiſſen. Uebrigens ſind die Gerüchte von den Thaten der Landſtraßenritter übertrieben, und ich glaube es Ihnen zuſchwören zu können, daß Keiner mir den Weg verlegt.“
„So ſchicke, Etienne, die beiden Burſchen heim, die mehr als ihren Lohn forthaben.“
Während Etienne dieſen Auftrag ausführte, fuhr die Gräfin zu Cartouche fort:.
„Eigentlich müßten Sie ſich wundern, daß ich mir Diener unterwegs aufraffe; aber wenn Sie bedenken, daß meine Reiſe eine halbe Flucht iſt, der man ſicher große Schwierigkeiten in den Weg gelegt haben würde, wenn ich ſie nicht verſteckt be⸗ trieben hätte, ſo wird ſich Ihnen das Räthſel löſen. Ach, im Grunde iſt das Loos des Weibes ſtets zu beklagen; denn es iſt ja ohne Anhalt den Angriffen ſeiner Feinde ſchutzlos aus⸗ geſett.“-
Die Nacht ſenkte ſich ſchon zur Erde, als der Pſeudo⸗ marquis Chateaufort miit ſeinen Gäſten vor dem Hauſe hielt, wohin er ſie eingeladen. Es lag einſam, von jeder belebten Straße entfernt, ein ſchon am Tage düſterer Bau aus längſt vergangenen Zeiten. Nicht allzu räumlich, hatte es wohl einer ſtolzen, aber nicht reichen Familie gehört, um dann durch die Jahre dem Verfall hingegeben zu ſein. Dennoch waren neue Ausbeſſerungen in der Mauer zu bemerken, die das Gebäude umgab. Das Intereſſanteſte dieſes kleinen mittelalterlichen Schloſſes war der runde Thurm an der Nordſeite, der ſich über das Dach um die Hälfte erhob.
Cartouche lächelte, als er trotz der Dunkelheit den Ein⸗ druck bemerkte, den das Gebäude machte.
„Es iſt ein verräuchertes Neſt,“ ſagte er,„wird aber, wie ich hoffe, Ihnen mehr Beguemlichkeiten darbieten, als Sie in einem Dorfwirthshauſe zu finden im Stande ſind! Ich empfinde förmlich Scham, daß ich die Königin der Schön⸗ heit in das elendeſte Beſitzthum meines Hauſes einführen muß. Ich hoffe aber, daß Sie die Düſterheit des Aeußeren mich nicht entgelten laſſen. Was iſt aber das? Niemand regt ſich, uns zu empfangen. Die alte Zugbrücke ſelbſt aufgezogen, als bedrohte ein Feind dies Haus und als ſtände ſein Be⸗ ſitzer nicht vor demſelben. He! hollah! Jean! Louis!“
Da ſenkte ſich urplötzlich die Brücke, öffnete ſich das Thor und im nächſten Augenblicke war die kleine Kavalkade von Dienern umgeben, die mit Fackeln und Windlichtern die Dunkelheit erhellten. Das Schauſpiel war ſo überraſchend, daß ſich die Gräfin und Etienne überraſcht anſchauten.
„Bravo, mein lieber Haushofmeiſter,“ rief der Pſeudo⸗ marquis einem Manne zu, der ſich auf der Brücke zeigte; „bravo! Das haben Sie gut gemacht; es hat mich ſelbſt frappirt.“
Der Haushofmeiſter, in dem wir den Falſchmünzer Bouchard wiederfinden, verneigte ſich, die Hand auf das Herz legend, dann trat er zu den Fremden und lud die Gräfin ein, das kleine Haus, welches ſeiner Fürſorge übergeben ſei, mit gnädigen Augen anzuſehen, damit der Unwille ſeines Herrn nicht auf ihn falle. Verbindlich entgegnete ihm die


