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Concordia. 405
achter es, wie er ſeine Reichthümer durch Wucher und mehr dergleichen erworben. Da ſchieße ich im Angriff einen Schuft durch den Kopf, weil er ſich mir nicht fügen, ſondern ſeine Kraft mit der meinigen meſſen will, und man ſchlägt die That an die große Glocke. Wenn aber ein unfreier Land⸗ mann ſich nicht dem jus primae noctis fügen will und ſein Eigenthum vertheidigt mit der Axt, und der Seigneur ihn durch den Leib ſticht oder hängen läßt, ſo jubelt die Welt über das Aufrechterhalten des alten Herkommens, der Geſetze. Elend, ducke Dich! ſchreit es rechts und links, und man ſchlägt auf den geduldigen Eſel ein, bis er niederſinkt. Nun, zum Eſel hat mich die Natur nicht geformt.“
„Alſo in der That ein Räuber, ein Galgenmann, der auf dem Schaffot—— entſetzlich!“
„Nicht doch, Werthgeſchätzteſter, das iſt gar nicht ſo ſchlimm, als die Welt es ausſchreit. Man bringt Niemanden auf das Schaffot, den man nicht zuvor ſicher hat. Und iſt denn der Tod durch den Nachrichter etwas ſo Fürchterliches? Ich will nicht an Golgatha erinnern, nicht, daß die Heiligen, welche wir als gläubige Chriſten verehren, meiſtentheils geſchunden, geköpft, gerädert, gebraten ſind, und zwar nach den damaligen Geſetzen. Iſt nicht auch der letzte Montmorency, ſind nicht Cinquars und tauſend Andere durch die Hand des Henkers geſtorben? und zwar nicht durch Richelieu's Willkür.“
„Ich weiß nicht Sie zu widerlegen, aber mich ergreift ein Schauer vor Ihren Worten, vor Ihnen— Sie haben mich vom Tode gerettet— nehmen Sie dafür meinen Dank, aber länger darf ich bei Ihnen nicht weilen.“
Und wo wollen Sie hin? in die geſetzmäßige Welt? Haben Sie vergeſſen, daß Sie dort vervehmt, als mein Genoſſe ſchon im Voraus gebrandmarkt ſind? Werfen Sie mir nicht dieſen wilden Blick zu— ich habe die Lüge nicht erſonnen, der Zufall hat ſie entſtehen laſſen, und wir Beide ſchrieen
vergeblich dagegen an. Sie ſind gleich mir verworfen, gleich mir wie ein wildes Thier verfolgt.“
„Ein Bandit!“ ſtöhnte Alexander, das Angeſicht mit den Händen bedeckend.„Unſchuldig verworfen.“
„Das iſt der Lauf der Welt, wogegen keine Klagen und Thränen helfen,“ verſetzte Dominique.„Man muß entweder Wild oder Jäger ſein— ich habe es mit dem Letzteren ge⸗ halten.“
„Wild oder Jäger!— O, daß Sie mich hätten ſterben laſſen, daß ich in der Gruft läge! mein Andenken, mein Wappenſchild wäre rein geblieben. Ha, geben Sie mir eine Waffe, daß ich mir den Schädel zerſchmettere.“
„Lieber Freund, Sie leiden wirklich noch an Fieberhitze“
„Meine Ehre!“
„Die Ehre der Welt, die Sie mit Füßen geſtoßen hat, die Sie zu mir herſchleudert? Ein Feind ehrt mich durch ſeinen grimmigſten Haß, den ich als Mann ihm wiederzahle. Ehre? Das iſt ein fadenſcheinig Ding, das zu nichts gut iſt, das mir keine Mahlzeit giebt. Doch Sie ſind durch Ihre Krankheit ſo entmannt, daß Sie meine Worte kaum ver⸗ nehmen, daß Ihnen die Energie fehlt, ſich zu entſcheiden.“
Du Chatelet blickte finſter empor, ſein Auge begegnete dem verächtlichen Blicke Cartouche's, er ſenkte es beſchämt nieder.
„Bei Gott, ich bin kein Feigling,“ murmelte er.
„So beweiſen Sie es, indem Sie ſich als Mann be⸗ weiſen.“..
Du Chatelet ſchwankte noch einen Augenblick, dann ſchrie er aufſpringend:
„Wohl, wohl, da haſt Du mich, Teufel! ich bin der
Deine!“ (Fortſetzung folgt.)
Eine komiſche Geſchichte. Von O. Bach. (Fortſetzung.)
4. Kapitel.
Von Hans Schmidt hörte Cornelie ebenſo wenig, wie er von ihr; die junge Dame hatte fleißig gearbeitet, ſie war zu⸗ ſrieden mit ihrem Werke und dachte erſt, als ſie damit fertig war und die Nothwendigkeit, es abzuliefern, ſie daran mahnte, in das Redaktionsbureau zu gehen, daß ſie jetzt nach jenem Ereigniß zum erſten Male wieder mit dem Doktor Schmidt zuſammentreffen, mit ihm konferiren mußte.
Gar zu gern hätte ſie die Klippe umſchifft und hätte das Manuſkript hingeſchickt; aber es wäre das erſte Mal geweſen, daß ſie nicht mit dem Doktor ſelbſt noch einmal Alles beſprochen, es hätte darum den Anderen auffallen können, und dann wollte ſie dem guten Herrn Schmidt auch zeigen, daß es ihr nicht im Geringſten ſchwer fiele, den ehemaligen Ton ihm gegenüber anzuſchlagen, daß er ganz umſonſt die vielen Paragraphen, die ihn vor ihr und ihrer Liebe ſichern ſollten, aufgeſetzt, und wenn wir ganz aufrichtig ſein wollen, ſehnte ſich Cornelie auch danach, wieder einmal ſo recht von Herzen luſtig zu ſein, unbefangen über Dies und Jenes zu plaudern, wie ſie es ehemals mit Schmidt gethan, und ſo überwand ſie
denn das eigenthümliche Gefühl, das ſie bei dem Gedanken,: mit Schmidt zuſammenkommen zu müſſen, beſchlich, und das, voluminöſe Manuſkript gut zuſammengepackt, ſchritt ſie tapfer, auf ihr Ziel los.
Wohl klopfte ihr Herz ein wenig, als ſie an der wohl⸗, bekannten Thür ſtand und die kräftige Stimme„ihres Mannes“ durch die dünne Wand, die ſie noch von dem Redaktions⸗ zimmer trennte, zu ihr tönte, aber, ſich Muth machend, ſtrich ſie raſch das Haar noch ein wenig glatt, blickte mit einem luſtigen Stoßſeufzer gen Himmel und klopfte an, worauf ein lautes„Herein!“ ertönte.
Sie fand ſich Doktor Schmidt und— o Pech— dem Aſſeſſor Fröhlich gegenüber.
Die beiden Herren ſchienen in ſehr animirter Stimmung zu ſein, denn bei ihrem raſchen Eintritt ſprangen ſie wie elektriſirt auf und Fröhlich ſtreckte ihr ſeine beiden Hände entgegen, indem er meinte:
&„Si on parle de Pours, on voit son cours— pardon, der Vergleich hinkt, aber wahrhaftig, verehrte Frau, wir ſprachen ſoeben von Ihnen, und Hans bekam eben von mir


