Jahrgang 
2 (1879)
Seite
391
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Concordia. 391

29 wünſchte, Ihnen meine Bücher zu zeigen, ſagte er zu Juſtina.Es war ſeit fünf Jahren mein Lieblingsver⸗ gnügen, ſie zu ſammeln, und ich denke, es wird Sie intereſſiren, ſie zu ſehen.

Juſtina war entzückt über dieſe Idee. Mr. Elgood ſah etwas Beſonderes bei dem Diner voraus, vielleicht ein oder zwei Flaſchen Champagner, und ſo wurde die Einladung mit Vergnügen angenommen.

Die September⸗Abende begannen ſich zu verkürzen. Man ſpeiſte bei Lampenlicht, und das Zimmer mit ſeinen dunkel⸗ rothen Vorhängen und Tapeten, ſeiner bunten Sammlung von Gemälden, Stahlſtichen, Bronze⸗ und Porzellan⸗Nippſachen ſah in dem milden Lichte einiger Moderateur⸗Lampen recht angenehm aus. Das nächſte Zimmer war vom Fußboden bis zur Decke mit Büchern eingefaßt, von denen die meiſten ſchön gebunden waren, denn Mr. Cliſſold verwendete viel Geld auf ſeine Bibliothek.

Den Kaffee und das Deſſert nahm die Geſellſchaft in ſeinem Studirzimmer, und während Mr. Elgood einer Flaſche alten Portweines reichlich Gerechtigkeit widerfahren ließ, zeigte Maurice Juſtina ſeine Lieblings⸗Autoren und machte geiſtvolle Bemerkungen zu denſelben. Unſchuldige, glückliche Stunden, in jeder Weiſe ſo glücklich wie jene Tage der Täuſchung in Cavendiſh⸗Square!

Und während all' dieſer Zeit waren viele ausgezeichnete Leute begierig, bei Miß Elgood eingeführt zu werden; ſie hätte die feinſten Richmond⸗ und Greenwich⸗Diners haben können, wenn ſie es hätte beachten wollen; ja mehr noch, Diaman⸗ ten und Equipage, feines Pelzwerk und andere Herrlichkeiten, die reiche und vornehme Bewunderer ihrer Kunſt ihr gern zu Füßen gelegt hätten.

(Fortſetzung folgt.)

Gefunden!

Roman

Im ſchnellſten Tempo lief Rolf den Weg, den er eben gekommen, zurück und weiter den Damm entlang. Immer deutlicher erklang inzwiſchen der Hilferuf.

Bald ſah er, daß er ſich nicht getäuſcht. Er erkannte vor ſich die ſchlanke Geſtalt der Unbekannten, welche dem Anſchein nach von zwei Strolchen feſtgehalten wurde.

Noch wenige Schritte und Rolf war zur Stelle.

Elende Buben! donnerte er und ſchleuderte mit kräftigem Stoß einen der Strolche vom Damm hinunter, während der zweite eilends Reißaus nahm.

Das war natürlich das Werk eines Augenblicks geweſen.

Darauf wandte Rolf ſich zu der Dame, die mit furcht⸗ blaſſem Antlitz vor ihm ſtand.

Einen leiſen Tadel glaubte er ihr nicht erſparen zu dürfen.

Wie unvorſichtig, ſagte er vorwurfsvoll,nach Beginn der Dämmerung ohne männlichen Schutz ſich auf die Höhe des Dammes zu wagen! Viſſen Sie nicht, daß oft loſes Geſindel hier vorbeipaſſirt?

O, ich promenire ſtets hier, erwiderte die Unbekannte mit ſanfter Stimme,und es iſt heut' das erſte Mal, daß ich ſo rohen Menſchen begegnet bin.

Sie werden mir geſtatten, Sie für den Reſt des Weges, den Sie noch zurückzulegen haben, zu begleiten?

Ich nehme Ihre Begleitung mit Dank an, mein Herr, denn jetzt, ich geſtehe es, bin ich ängſtlich geworden.

Er bot ihr den Arm, den ſie ohne Ziererei annahm.

Während Rolf mit ihr auf dem Damme dahinſchritt, hatte er Muße, ſie näher zu betrachten.

Wohl hatte er bereits an ihrer Art und Weiſe, zu ſprechen, erkannt, daß ſie den beſſeren Schichten der Geſellſchaft angehören müſſe, und ſoweit die vorgeſchr ittene Dämmerung und das, den Kopf und einen Theil ihres Geſichts verhüllende Tuch ihm geſtatteten, edle, durchgeiſtigte Züge entdeckt.

Die Sicherheit ihres Weſens deutete darauf, daß ſie wohl uber die erſte Jugend hinaus, vielleicht auch, daß ſie früh ſelbſt ſtändig geworden und auf eigene Kraft angewieſen ſei.

von

V V

C. Engels (Fortſetzung.)

Schon vorhin, als Sie die Bank in den Anlagen ver⸗ ließen und ſich hier hinaufwagten, bewunderte ich Ihren Muth, ſagte Rolf.Freilich iſt es auch ein köſtlicher Spazier⸗ gang hier oben, wo das Auge nach allen Seiten frei in die Ferne ſchweifen und an der herrlichen Perſpektive ſich erlaben kann. Und für kontemplative Naturen hat auch das Allein⸗ gehen größeren Reiz und iſt doppelt ſchön.

Ob es ſchön iſt! erwiderte ſie leuchtenden Auges. Herrlich! und beſonders hier oben. Sie wiſſen nicht, welche Erquickung, leiblich und geiſtig, mir dieſer tägliche Spaziergang bietet. Ich bin troſtlos, wenn einmal das Wetter ganz energiſch Proteſt dagegen einlegen will. Aber jetzt fuhr ſie mit beinahe traurigem Tone fortjetzt iſt mir die Freude für eine lange Zeit doch verdorben; ich werde nicht mehr ruhig hier meinen Gedanken nachhängen können, ſondern immer in Furcht vor unliebſamer Begegnung ſchweben. Das verkümmert den Genuß und hebt ihn wohl ganz auf.

Mit der unliebſamen Begegnung meinen Sie hoffentlich nicht meine unbedeutende Perſon? ſcherzte Rolf.Für heute müſſen Sie mich nun ſchon ertragen, denn um keinen Preis laſſe ich Sie allein nach Hauſe gehen.

Ich habe Ihre Güte nicht lange mehr in Anſpruch zu nehmen, ſagte die Dame.Dort, in jener kleinen Villa, wohne ich.

Wie? rief Rolf überraſcht,hier, jenem alleinſtehenden Gebäude?

Ganz recht.

Und Sie fürchten ſich nicht?

Sie lächelte.Nein, die Gewohnheit mich von Furcht befreit.

Das iſt ja aber nur eine Sommerwohnung?

Wenn Sie den Grund dafür in der freien Lage des Hauſes erblicken wollen, dann allerdings. Im Uebrigen iſt im Innern deſſelben Alles dicht und feſt. Und ich geſtehe es ich befinde mich auch im Winter ſehr wohl darin. Ich

außer der Stadt, in

des Alleinſeins hat