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dringlich:„Aber, liebe Cornelie, ich denke, Du biſt über derlei Zimperlichkeiten hinweg, und eine verheiratete Frau darf ſchon Manches wagen, was einem Mädchen verſagt bleiben muß.“
„O, und noch dazu eine Schriftſtellerin,“ ſiel Fröhlich bedeutſam ein,„eine Schriftſtellerin, die, um ihrem geiſtigen Impulſe Folge leiſten zu können, ſo rieſige Opfer bringt! Nein, kein Widerſpruch, Verehrte! Mögen Sie und Hans thun und laſſen, was Ihnen beliebt, wir Beide, die wir uns in Feſt⸗ ſtimmung befinden, laſſen uns nicht ſo nolens volens in die Werkeltagslaune verſetzen. Schmidt hat uns zu ſeiner Hochzeit
geladen, uns ein Dejeuner verſprochen, und wenn er das Ver⸗
ſprechen nicht hält, ſo——“
„Gehen wir,“ fiel Cornelie raſch ein,„ich will Ihnen Ihre gute Laune nicht verderben, meine Herren, beſonders, da Sie ja nur mir einen Dienſt geleiſtet haben.“
Eilig ſtieg ſie in den Wagen, die Herren folgten ihr und unter lebhaftem Geplauder hatten ſie ein bekanntes Reſtaurant erreicht, in dem alle Notabilitäten der Kunſt und Wiſſen⸗ ſchaft verkehrten und in dem es nicht auffiel, wenn auch Damen erſchienen.
Die anfangs ſehr befangene Stimmung Corneliens wich mehr und mehr; bald hatte ſie die Veranlaſſung des ſplendiden Dejeuner, das Schmidt beſtellt hatte, ganz vergeſſen, wie es auch bei dem Doktor der Fall war, und die Geiſtesfunken ſprühten hin und her und luſtig klangen die Gläſer aneinander,
die, mit perlendem Champagner gefüllt, die gute Laune der
Anweſenden erhöhten.
Corneliens Wangen glühten, ihre lebhaften Augen glänzten vor Vergnügen und unwillkürlich ſchaute Schmidt von Zeit zu Zeit die munter Plaudernde an und ſeine Blicke hingen mit Wohlgefallen an dem Antlitze Corneliens, das er ſich heute zum erſten Male genauer betrachtete und das ihm ganz anders als ſonſt erſchien.
Wie im Fluge eilten die Stunden vorüber und in fröh⸗ lichſter Stimmung rüſtete ſich die kleine Geſellſchaft zum Aufbruch.—
„Du wirſt doch Deine Frau nach Hauſe geleiten, Hans?“ raunte Sauer dem Freunde zu.
Dieſer ſchielte mit leichtem Achſelzucken durch die Brille zu Cornelien hin, die ſich mit Fröhlich lebhaft unterhielt und nicht ahnte, was Sauer für einen Pfeil auf den armen Hans abgedrückt hatte.
Nun, meine Herren, tauſend Dank für Ihre Güte und
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den genußreichen Vormittag,“ begann ſie, als ſie vor der Thür
angelangt waren.„Ich hoffe, Sie wieder einmal zu ſehen, und rechne auf Ihre Diskretion! Niemand darf ahnen, daß — Sie wiſſen, was ich meine— alſo Adieu— und auf Wiederſehen!“
Raſch drückte ſie Schmidt die Hand, verbeugte ſich leicht vor den anderen Herren und warf ſich in die Droſchke, die vor dem Reſtaurant hielt.
Verdutzt blickte ihr Schmidt nach, während Sauer und Fröhlich mit mühſam unterdrücktem Lachen ſich an die Arme des Doktors hängten. 1
„Sag''mal, Du ſiehſt wohl nicht gut, Hans?“ begann
Sauer;„die neunſt Du eine alte Jungfer? Ich glaube, Du biſt verrückt!“
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Freundes.
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Schmidt zog ziemlich unwirſch ſeinen Arm aus dem des „Ihr könntet den geſcheuteſten Menſchen verrückt machen,“ entgegnete er verdrießlich,„Ihr wißt, wie die Sachen ſtehen, und thut wie die neugeborenen Kindlein! Nennt ſie meine Frau und ſo weiter; ich hätte Euch umbringen können! Wahrhaftig, wäre die Winter nicht ein ſo grundgeſcheutes Frauenzimmer, Ihr hättet mit den faulen Redensarten das größte Unheil heraufbeſchwören können.“
„Wie lange, theurer Kans, gedenkſt Du, die Komödie fortzuſetzen, den Cato zu ſpielen?“ fragte Sauer ironiſch. „Du würdeſt uns verbinden, wenn Du uns darüber genaue Auskunft gäbeſt.“
„Wenn ich geſtorben bin, werdet Ihr die Antwort be⸗ kommen,“ antwortete Schmidt mit Nachdruck;„denn ſo lange ſoll die Komödie, wie Du es nennſt, dauern. Daß Ihr nichts ausplaudert, dafür habe ich ja Euer Ehrenwort. Uebrigens werdet Ihr mich zu Dank verpflichten, wenn Ihr das Ge⸗ ſchehene als nicht geſchehen betrachten wolltet. Jede Anſpielung darauf iſt mir unangenehm. Wenn's Euch recht iſt, kneipen wir heute Abend noch zuſammen.“
Sie nickten bejahend, reichten Schmidt ihre Hände hin und traten den Rückweg an, während Schmidt in ſeine Wohnung eintrat.
„Sauer, was meinſt Du zu der famoſen Geſchichte?“ fragte Fröhlich,„hatteſt Du Dir die Winter ſo gedacht?“
„Nach Schmidt's Beſchreibung hätte ich ſie allerdings nicht wiedererkannt. Ein allerliebſtes Frauenzimmer! Bei Gott, ich begreiſe Schmidt nicht. Wie lange giebſt Du ihm Zeit, bis er zur Vernunft kommt?“
„Nur eine ſehr kurze, mon ami, oder ich kenne die Menſchennatur nicht. Die Introduktion des kleinen Luſtſpiels hat mich angeſprochen, und ich bin begierig auf die Fort⸗ ſetzung.“
„Und ich auf das Ende,“ lachte Sauer;„ich glaube, Schmidt iſt gründlich'reingefallen.“
„Notabene,“ warf Fröhlich ein,„wenn er eigenſinnig bleibt und ſeine Junggeſellenmarorte feſthält. Doch— abwarten, alter Sohn, di Sache kommt anders.“—
Ein ſteif wie ein Bret geſtärktes Kattunkleid, eine ſchnee⸗ weiße Schürze, deren fingerbreite Bänder lang herunterfielen; eine Haube, mit hochrothem Bande garnitt, bildeten Minna's größten Staat, und in dieſer Prachttoilette ſtand ſie mit vor Aufregung feuerrothen Wangen und blitzenden Augen im Wohnzimmer ihrer Herrin und ſtarrte zum Fenſter hinaus, bei jedem vorbeirollenden Wagen wie eine Feder empor⸗ ſchnellend.
Mit jeder neuen Viertelſtunde wurde ſie unruhiger, und' als endlich der Mittag vorüber war, ohne daß Cornelie mite ihrem Gatten heimkehrte, da riß ihr der Faden der Geduld und ihrem Muilde entquollen folgende Worte:
„Wo ſe man bleibl! Se wird doch nich etwa mit⸗ gereiſt ſind? Na, det fehlte mir jrade, daß ick hier alleene bliebe. So wat hab⸗ ick in meinem Leben nich gehört— und meind ſelge Madam wird ſich ſchöne wundern, wenn ſe det mit anſieht; nämlich wenn ſie wat davon ſieht und hört,
wat mir ooch nicht ſo recht klar is! Aber— o Jott!— miv wanken meine Kniee, da— da hält eene Droſchke, da ſind
.„ gone Norſol. ſ† ſe— aber nee, es ſitzt man blos eene Perſon drin; ich will


