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384 Concordia.
ſehen, ob es eiwa eene Freundin d von Cornelchen is— ach — der Korridor wird geöffnet—
Mit halboffenem Munde ſtarrte Minna der Eintretenden, die Niemand anders als Cornelie war, entgegen. Keines Wortes, keiner Bewegung mächtig, blieb ſie mitten im Zimmer ſtehen, bis Cornelie fragte:
„Hältſt Du mich vielleicht für einen Geiſt? Du ſiehſt ja wie verſteint aus!“
„Sie kommen alleene?“ ſchrie Minna außer ſich,„na, wo iſt denn Ihr Mann? Det muß ne nette Puppe ſein, der ſeine Frau von de Trauung alleene nach Hauſe fahren läßt, oder ſind Sie vielleicht jar nicht jetraut? war Allens man
bloßer Unſinn?“
„Erſtens bitte ich' Dich, von meinem Gemahle mit der gebührenden Achtung zu ſprechen, meine Liebe, und zweitens ſtelle ich mich Dir als Frau Schmidt vor. Mein Mann iſt bereits auf dem Wege nach New⸗York. Er läßt Dich grüßen.“
„Danke beſtens, Fräulein Cornelchen— ach nee, Frau Schmidt wollte ich ſagen. Eine kurioſe Hochzeit is det, det muß man ſagen. Na, ick wünſche Ihnen viel, viel Ilück und Jott gebe, daß Ihr Mann jeſund wiederkommt. Det arme
Wurm,“ ſetzte ſie traurig hinzu,„nu is ſe verheiratet und hat doch keenen Mann.“
Nachmittags ließ Cornelie die Dienerin Wein und Kuchen holen, damit ſich dieſe auch einen guten Tag machen könne, und ſie ſaß ziemlich nachdenklich an ihrem Schreibtiſch, ohne aber'was Rechtes zu Stande zu bringen, da ſie fortwährend den goldenen Reif an ihrer rechten Hand betrachtete.—
Am nächſten Tage wurde an Corneliens Wohnung ein Schildchen mit dem veränderten Namen angebracht, und die junge Dame hatte in den folgenden Tagen das Vergnügen, unzählige Male die kleine Geſchichte, die ſie zu dieſem Zwecke erdacht, ihren zahlreichen Freundinnen zu wiederholen und das Erſtaunen zu beſchwichtigen, die tauſenderlei Fragen zu be⸗ antworten.
Eine kurze Zeit wurde in dem Bekanntenkreiſe Corneliens viel über die eigenthümliche Heirat geſprochen; man bedauerte die junge Frau, die gleich nach der Hochzeit zur Strohwittwe geworden war; doch dann gewöhnte man ſich daran, ſie Frau zu nennen, und ſie ſelbſt mußte nicht mehr darüber lachen, ſondern fand es ſehr natürlich und ganz hübſch klingend.
(Fortſetzung folgt.)
Plaudereien.
Irren iſt menſchlich.
In einem Gaſthauſe einer kleinen deutſchen Reſidenz wohnte ein beliebter Darſteller der dortigen Hofbühne, ein Stockwerk höher aber war die Behauſung eines Barbiers. Es war in früher Mor⸗ genſtunde, als ein Fremder in das Zimmer des Schauſpielers tritt und ohne Umſtände auf einem Stuhle vor dem Spiegel Platz nimmt. Sei es, daß ſich Jemand mit dem Fremden einen Scherz erlaubt hatte, oder daß ſich dieſer in der Etage irrte, genug, er war in der feſten Meinung, ſich in der Wohnung des Barbiers zu beſinden. Der Schauſpieler, welcher im anſtoßenden Schlafgemach eben im Begriff ſtand, ſein Geſicht von den ſproſſenden Bartſtoppeln zu befreien, glaubte, der Eintretende ſei Jemand von der Bedienung und nahm daher weiter keine Notiz von ihm, ſondern raſirte ſich ruhig weiter, während auf dem Tiſche die Kaffeemaſchine zu ſingen und zu bro⸗ deln begann. Schon mehrmals hatte der Fremde ungeduldig nach der offenen Kammerthüre geblickt und ſeine Anweſenheit durch Huſten und Scharren mit den Füßen zu erkennen gegeben; endlich aber riß ihm die Geduld und er rief mit lauter Stimme:„Nun, ſind Sie bald ſo weit, ich habe Eile!“ Der Künſtler wendet ſich um, erblickt den Unbekannten in der keinen Zweifel über den Zweck ſeines Beſuchs laſſenden Situation und ruft:„Ich bin gleich fertig!“ während er ſich ruhig weiter raſirte. Wieder wartete der Fremde eine lange Zeit, dann wurde er ernſtlich unwillig und mahnte den vermeintlichen Barbier wiederholt zur Eile. Der Mime hatte end⸗ lich ſein Geſicht geglättet und erſchien nun im tiefſten Negligé auf der Schwelle mit der Frage, was der Herr wünſche.„Was ich wünſche?“ rief dieſer ganz empört,„was Anderes, als aifrt ſein!
Aber vorwärts, eingeſeift, ich habe lange genug gewartet. Und er ſtreckte die Beine vor, legte das Ha upt an die Rücklehne des Stuhles und erwartete die Manipulatir Barikünſtlers. Die Verwechſelung war zu komiſch, Punſder nicht auf den Scherz hätte eingehen ſollen; er beſchloß doher, bis zu einem ge⸗ wiſſen Punkte den Barbier zu ſpielen. Eilfertig holte er eine
Serviette herbei, legte ſie dem Fremden unter das gann kunſtgerecht Schaum zu ſchlagen und tüchtig einzuſeifen. Dann eilte er in ſein Schlafzimmer zurück und ſchloß die
Kinn und be⸗
Thür. Ge⸗
Verantwortlicher Redakteur: Otto Freitag in Dresden.—
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duldig wartet der Reiſende einige Minuten auf die Fortſetzung der begonnenen Prozedur, aber nichts rührt ſich. Die Seife im Geſicht beginnt bereits zu trocknen, aber der Barbier läßt ſich noch immer nicht ſehen. Der Fremde ſchimpft und flucht, ſchreit nach dem langſamen Bartſchaber— Alles vergebens. Da übermannt ihn die Wuth, er ſpringt wild in die Höhe und reißt die Kammer⸗ thür auf, um den Barbier energiſch an ſeine Pflicht zu mahnen. Aber das Wort blieb ihm im Munde ſtecken— das war denn doch zu ſtark. In ſeinen Schlafrock gehüllt, eine Cigarre im Munde, vor ſich den dampfenden Mokka, ſaß der vermeintliche Barbier am Tiſche, den Eintretenden mit anſcheinend verwunderten Blicken meſſend.„Kerl!“ ſchrie endlich der Gaſt,„ſind Sie verrückt?“— „Sie irren ſich wohl in der Perſon?“ fragte der Künſtler zurück. —„Oder wollen Sie mich zu Ihrem Narren machen?“—„Das wäre eher möglich!“—„Wollen Sie mich endlich raſiren?“— „Der Barbier wohnt eine Treppe höher, und bitte ich, ſich dahin zu bemühen. Ich ſeife die Leute blos ein, und zwar auch nur, wenn dies ausdrücklich gewünſcht wird!“—„Bin ich denn hier nicht bei dem Barbier?“—„Der wohnt eine Treppe höher, wie ich Ihnen ſchon bemerkte; hier wohnt der Hofſchauſpieler A., der ſich das Vergnügen machte, Sie ein wenig einzuſeifen.“ Mit halb⸗ offenem Munde vernahm der Gefoppte ſeinen Irrthum, dann ſtürzte er ohne ein Wort der Entſchuldigung mit eingeſeiftem Geſichte davon, um bei dem echten Barbier das Werk vollenden zu laſſen.
Ein Herr beſieht ſich einen mehr als nöthig gefüllten Pferde⸗ bahnwagen und iſt im Begriffe, ſein Vorhaben, einzuſteigen, auf⸗ zugeben, indem er bemerkt:„Nein, dieſe Arche Noah iſt mir doch zu vollgeſtopft⸗ um mich noch mit einpferchen zu laſſen.“—„O nein,“ bemerkte ein Fahrgaſt,„Sie wollen gefälligſt eintreten, es fehlt der Arche noch der Eſel.“
Schneider, unai nie einen Mann von b un er Sie nicht bezahlt, was enn er mir bis zu einem ge⸗
daß er kein Mann von Stand iſt, und mahne ihn.“
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Otto Freitag in Dresden.— Druck von F. W. Gleipner in Dresden.
icht Zahlung geleiſtet hat, ja, dann ſehe ich,


