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Concordia.
„Laſſen Sie die Worte ruhen, wo die Schwerter klirren,“
verſetzte wüthend der Offizier;„ich wette, daß Sie bald Ihre Warnung bereuen werden. Das Ihnen!“
„Nicht doch, Sie haben die Luft verwundet, was eine Verſchwendung genannt wird.“
Du Chatelet erwiderte nichts, ſondern griff ſtets auf's Neue und immer heftiger an. Marie hätte ſich gern zwiſchen die Streitenden geſtürzt; aber der Gärtner, der ſie verrathen hatte, hielt ſie zurück. Mit ungemeiner Schuelligkeit wechſelte nun Stoß mit Stoß— da flog plötzlich Alexander's Klinge in die
Höhe und Villeneuve's Degen durchbohrte die Bruſt des
Gegners. Derſelbe breitete die Arme weit auseinander und ſank zurück.
„Du wirſt in Zukunft nicht mehr auf fremdem Jagdrevier Deiner Luſt nachgehen,“ ſagte Ernſt. Dann wandte er ſich zu ſeiner Maitreſſe, die, das Geſicht mit den Händen bedeckend, auf die Kniee geſunken war.„Nun zu Dir, girrendes Täub⸗ chen, ſchamloſe Dirne.“
„Gnade! Gnade!“ kreiſchte ſie, ſich zu ſeinen Füßen windend.„Tödte mich nicht! Gnade!“
„Thörin, glaubſt Du, daß ich meinen Degen mit Deinem Blute beſudeln werde? Solcher⸗Canaille gehört höchſtens die Hetzpeitſche von der Hand des Stallknechtes. Doch auch das nicht. Charles, pack' ſie und wirf ſie zur Thür hinaus, durch welche dieſer Todte gekommen iſt. Geht ſie von da
nicht gutwillig, ſo jage ſie mit Deinem Hunde fort. Haſt Du
verſtanden?“ Ernſt wandte ſich und verließ den Kampfplatz.
„Nun, Madame, haben Sie verſtanden?“ fragte Charles, und er faßte ziemlich rauh ihren Arm.
„Rühr' mich nicht an, verrätheriſcher Schuft!“ ſchrie ſie, ſich von ihm losreißend.
„Hoho, nur ruhig, Schätzchen. Wo der Verrath ſteckt, das iſt die Frage, die ich nicht zu löſen brauche. Vorwärts, oder—“
Marie ſah die rauhe Hand des Gärtners ſich ballen, der die in Ungnade gefallene Maitreſſe ſeines Herrn durchaus nicht fürchtete, und ſie ſchlug einen anderen Ton an:„Aber bedenkt doch, daß Nanette—“
„Die wird ihr Theil bekommen, wenn ich Sie hinaus⸗ befördert, und das verſpreche ich Ihnen, die Lektion wird ſie nicht vergeſſen, und wenn ſie hundert Jahre alt würde.“
„Und er?“ Sie deutete ſchaudernd auf den jungen Offizier.
„Die Leiche liegt bis morgen da ganz gut. Dann wird der Herr ſchon verfügen. Und nun nicht viel Flauſen ge⸗ macht; da geht der Weg. Vorwärts!“ Der treue, aber rohe Burſche ergriff ſie beim Arme und riß ſie mehr, als daß ſie ging, zu der Hinterthür des Gartens. Marie wankte, einer Ohnmacht nahe; aber Charles nahm darauf keine Rückſicht, er riß die nur angelehnte Thür auf und ſtieß ſie über die Schwelle.
„Und nun packt Sie ſich fort, ſonſt hetze ich Sultan auf Sie,“ rief er.„Sie weiß, was Herr de Villeneuve befohlen, und hat ſich danach zu richten.“
„Und was hat Herr de Villeneuve befohlen?“ fragte eine Baßſtimme, und eine dunkle Geſtalt tauchte aus dem Schatten der Mauer vor ihm auf. Die ungewöhnliche Erſcheinung eines Mannes hätte einen Anderen erſchreckt; aber Charles
beſaß nicht die Nerven einer Salondame, die vor einer Maus in Ohnmacht fällt.
„Was er befohlen?“ entgegnete der Gärtner ziemlich ruhig.„Die falſche Perfon da hinauszuwerfen, wo ihr Schatz hereingeſchlüpft iſt, wenn Sie Einer danach fragt, mein Herr.“ 3
„Ihr ſcheint mir ziemlich kurz angebunden,“ verſetzte der Fremde,„werdet doch aber mir den Bericht nicht verſagen, wer jene junge Dame ſei, die Ihr auf Eures Herrn Geheiß herausbefördert.“
„Nun, ſeine Maitreſſe, wie man das in den höheren Kreiſen nennt, die ihm die Treue brach. Dabei hat ſie Herr de Villeneuve betroffen, ihren Liebſten geſpießt und ſie fort⸗ gejagt. Das iſt die Geſchichte!“
Der Fremde wandte ſich nach Marien um; dieſelbe war ohnmächtig zu Boden geſunken.
„Ein reizender Körper,“ monologiſirte er,„ganz wie einſt Marguerite war, hübſche volle Formen. Teufel, was ſchere ich mich darum— die Dirne hat mit ihrem Gekoſe faſt meine heutige Abſicht über den Haufen geſtoßen. Nun, fällt er nicht lebend in meine Hände, ſo mag es meinethalben auch todt ſein.“
Ohne einen Blick auf die Hingeſunkene zu wenden, trat er wieder in den Schatten der Mauer zurück.
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Villeneuve war auf ſein Zimmer gegangen und dort ver⸗ ſchränkten Armes auf und nieder gewandelt. Seine Stirn war wie ein drohender Gewitterhimsel. Es war nicht der erſte Zweikampf, den er ausgefochten, nicht zum erſten Male
hatte ſich ſeine Klinge mit dem Herzblute ſeines Gegners
gefärbt. Auch tadelte er ſich nicht, daß er die Bruſt des Feindes durchbohrt hatte. Anderes umdüſterte ſeinen Sinn: die Untreue des Weibes, das er, wie er meinte, mit Wohlthaten bedeckt hatte, Mariens Undankbarkeit. Er hätte ſie jetzt mit den Zähnen zerreißen, ſie anſpeien mögen vor der Welt— er knirſchte; es litt ihn nicht im Zimmer.
Als er den Garten wieder betrat, kam ihm ein verſönlicher
Gedanke. Er hatte der Leiche ſeines Gegners wegen keine Beſtimmungen getroffen und kannte die Rohheit ſeines treuen Gärtners zu wohl, um nicht zu beſorgen, daß derſelbe den Leichnam mindeſtens da liegen laſſe, wo Alexander gefallen. Das durfte nicht ſein, die Ueberreſte des Lieutenants durften nicht länger unter freiem Himmel liegen.
Ehe Ernſt jedoch die Stelle erreichte, wo das Duell ſtatt⸗ gefunden, ſah er plötzlich Charles dem Hauſe zueilen. Er ver⸗ trat ihm den Weg.
„Was haſt Du?“ fragte er ihn.
„Gnädiger Herr, um Gottes willen, ich komme, Sie zu warnen, in einer Minute werden ſie hier ſein.“
„Wer?“
„Die Genoſſen des Erſtochenen, wie ich glaube— eine ganze Schaar. Retten Sie ſich.“
„Du biſt nicht ſchreckhaft. Sage mir alſo—
„O, mein Gott, wenn Sie Zeit verlieren, ſind Sie ver⸗ loren— wir ſind unmzzingelt.“
„Du meinſt wirklich—— ²“ 3
„Eine Belagerung, ein Sturm!“
„Thorheit!“
„So wahr der Himmel über mir.“
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