Jahrgang 
2 (1879)
Seite
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ſich in ſeinen edelſten Gefühlen verletzt glaubt.

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Concordia.

Thu' ſie bei Euch in den Keller. Aber weh' Dir, wenn Du etwa ein Gelüſte kriegen ſollteſt! Ich ſag's dem Sepperl, der ſchlägt Dir ein Loch in den Schädel. Da ſind Rebhuhnpaſteten und hier'n Stücker zwanzig Auſtern; hier Faſanen, mit Trüffeln gefüllt, hier Kirſchen, direkt aus Frankreich, Stück'nen halben Thaler. Die verſteht Ihr da drüben auch nicht zu würdigen. 'S is'ne Schande, ſag' ich!

Nicht zu würdigen? Ein unſäglich mitleidiger Aus⸗ druck lag in Dolfi's waſſerblauen Augen, als er ſie jetzt zu Fränzchen aufſchlug.Nicht zu würdigen? O, wie verkennſt Du mich! Ich, ſpeziell ich! weiß Alles zu würdigen. Wolleſt einen Blick nur thun in dies reiche Herz, o Fränzchen hier legte Dolfi mit pathetiſcher Geberde die Hand auf ſeine linke Seitedas nur allein für Dich ſchlägt! O, Du Himmliſche, lichten Höhen Entſtiegene, huldvoll blicke her⸗ nieder auf mich armen Sterblichen.

Junge, wirſte gleich ruhig ſein? Biſte verrückt? Warum ſchreiſte denn ſo? Die alte Vogelſcheuche, die Bunzeln, ſoll wohl kommen, und ihre lange Naſe in die Paſteten ſtecken? Das fehlte grade noch. Da, nimm noch dieſen Topf mit Eingemachtem, und dann geh'!

Gehen heißeſt Du mich! ſeufzte Dolfi und blickte düſter auf ſein papiernes Vorhemdchen.Du mich? O ſieh', Himmliſche, wie Lunia dort das bleiche Licht auf jenen alten Mauerzinnen ſpielen läßt, betrachte den Sternenhimmel, deſſen milder Glanz der Erde einen Gruß zu ſenden ſcheint ſieh' das Alles und dann ſage mir

Ich ſage Dir, daß Du ein übergeſchnappter Bengel biſt und daß ich Dir gleich dieſen Korb mit Allem, was drin iſt, an Deinen ambraduftenden Schafskopf werfe, wenn Du nicht jetzt endlich verdufteſt. Mach', daß Du fortkommſt, eitler Pommadenhengſt! Ich nehme den Korb und laß Dich hier ſtehen, wenn Du nicht gleich alle wirſt.

Wirklich machte Fränzchen Miene, mit dem Korbe davon⸗ zugehen.

Das half

Wohl, ich gehe, ſagte Dolfi, nahm den Korb und fuhr mit graziöſer Hand durch das duftende Lockenhaar, während in ſeiner Haltung die volle Würde eines Menſchen lag, der Was jedoch meinen Kopf er ſprach dieſe Worte halb über die Achſel oder vielmehr meine Friſur, die Dir zu mißfallen ſcheint, betrifft, ſo kann ich Dir nur ſagen: das verſtehſt Du nicht zu würdigen. Fabelhafte Schmeicheleien über mein bewunder⸗ ungswürdiges Genie bekomme ich täglich zu hören. Wenn ſie fühlen, daß ſie einem echten Künſtler gegenüberſtehen, dann fließen nämlich den Leuten die Lobſprüche wie Honig⸗ ſeim von den Lippen. Jeder einzelne von unſeren Kunden will ſeinen Kopf ſpeziell nur meinen Händen anvertrauen, und das, weil ich mit einer Präziſion, einer Eleganz zu friſiren verſtehe huit! Fingerſpitzen.

Als er ſah, daß Fränzchen nicht mehr Stand hielt, drehte er ſich vollends um und ging.

Beinahe, während das Mädchen den Korridor entlang gehuſcht, war er ſchon an der Glasthür, als ihm plötzlich noch etwas einfiel. 8

Pſt, Fränzchen!

Ach geh'l

Gewandtheit, einer Dolfi küßte ſeine

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Fränzchen, vom Joſef etwas!

Mit einem Sprunge ſtand ſie wieder an ſeiner Seite.

Na, was denn?

Da hatte ſie's.

Es brannte auf ihren Lippen und gab einen ſchallenden Laut. Es war das, was man gemeinhin einen Kuß nennt.

Aber er hatte auch etwas. Und es ſchallte auch, und lauter noch als der Kuß, und es ſah einer Ohrfeige zum Verwechſeln ähnlich.

Sie ſtand da und rieb mit dem Schürzenzipfel ärgerlich das kleine, kirſchrothe Mäulchen, während Dolfi's väſſerige Augen bei aller Zerknirſchtheit den hämiſchen Gedanken wider⸗ ſpiegelten: Meinen Kuß hab' ich weg!

Abſcheulicher Dolfi! Wer hat Dir das erlaubt?

Ei ich that nur, was der Joſef mich ausrichten hieß, ſtotterte er mit ſchlau angenommener Dummheit.Höre Du, ich ſchicke dem Fränzchen einen Kuß, ſagte der Joſef, als ich geſtern im Rothen Ochſen war. Und ſage ihr nur, die Summe, die der Alte als Anzahlung haben will, wird wahr⸗ ſcheinlich morgen vollſtändig. Rothen Ochſen und hole mir gleich meine Frau Wirthin heim. Heiſa, das wird ein Leben!

Ach, was Du ſagſt, ſtaunte Fränzchen;alſo morgen hat er ſchon das ganze Geld beiſammen?

Ja. Morgen Abend kommen nämlich ein paar feine Jungens'raus, die müſſen gründlich gerupft werden. Du weißt ſchon

Dolfi machte mit den Fingern der rechten Hand einige ſonderbare Bewegungen.

Pſt! Um Gottes willen, ſei ruhig,'s iſt gut! raunte Fränzchen und hielt ihm den Mund zu. 2

Darauf ſchob ſie ihn durch die geöffnete Thür und ver⸗ ſchwand nach der entgegengeſetzten des Korridors.

Bis gegen Morgen währte das Vallfeſt im Palais des Barons von Seidenau.

Kurz vor Ende deſſelben aßen die ſchnatteenden, alten Damen auf den Divans noch einmal friſche Paſteten und ſchlürften dazu heiße Bouillon oder Königspunſch.

Erſt als im Oſten ein grauer Schein trübflackerndes Zwie⸗ licht durch die hohen Bogenfenſter warf, erlöſchten unter den Händen ſchläfriger Diener die letzten Kerzen der blitzenden Kryſtalllüſtres. * 3. Kapitel. Die Einſame.

Wie gewöhnlich nach Soirée oder Ball, pflegte die Baronin am anderen Tage bis gegen Mittag der Ruhe.

Um dieſe Zeit in dem kleinen, ſtreng im Styl der Renaiſſance gehaltenen Salon erſcheinend, traf ſie dort, anſcheinend in feſſelnde Lektüre vertieft, ihren Gatten.

Bei ihrem Eintritt ſah er flüchtig auf, grüßte und las weiter.

Ihre offenbare Geneigtheit zu einer Unterhaltung bemerkte er nicht.

Wenn möglich, war heut' das Ausſehen der Baronin noch unvortheilhafter, als geſtern.

Der gelbgraue, von Fränzchen's Hand noch keiner Ver⸗ beſſerung unterzogene Teint, das ſpitze Geſicht mit den kleinen, ſtechenden Augen, die eckigen Formen der unſchönen Figur,

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