Jahrgang 
2 (1879)
Seite
366
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366 Concordia.

an einem o beißen Auguſt⸗Tag age, wie dieſcr. Sie waren allein beieinander, Gatte und Gattin, Angeſicht in Angeſicht, zwei bleiche Geſichter gegen einander gewendet, gebleicht durch ſtärkere und tiefere Leidenſchaften, als es ſonſt das gewöhnliche Menſchenloos iſt, zu tragen.

Sie waren gerade von dem Wagen, der ſie nach dem Herren⸗ hauſe gebracht, hierher gekommen, und ſie waren zum erſten Male allein, ſeit Madge die Bitte Rebekka's gehört hatte.

Churchill, ſagte ſie leiſe, die Augen mit ſchmerzlichem Ausdruck zu ihm erhoben,ich weiß Alles Alles, was jenes

Weib mir ſagen konnte; und ſie zeigte mir

Sie hielt ſchaudernd inne und preßte ihre Hände vor das Geſicht. Ihr Gatte ſtand wie ein Fels und machte keinen Verſuch, ſich ihr zu nähern. Er ſtand entfernt und wartete.

Ich weiß Alles, wiederholte ſie mit einem leidenſchaft⸗ lichen Schluchzen,und ich erinnere mich, was ich ſagte, als Du mich zu Deinem Weibe verlangteſt. Du warſt zu arm wir waren zu arm. Ich konnte Dich nicht heiraten wegen unſerer Armuth. Es war meine Weltlichkeit, meine geldſüch⸗ tige Entſcheidung, die Dich beeinflußte, die Dich drängte zu O, Churchill, zur Hälfte war der Fehler mein. Gott möge es mir erlauben, auch zur Hälfte die Bürde ſeines Zornes zu tragen.

Sie warf ſich ſelbſt an die Schulter ihres Gatten und ſchluchzte da, ſie hing ſich zärtlicher an ihn, als in ihrer glück⸗ lichſten Stunde, ihre Arme ſchlangen ſich um ſeinen Hals, ihr Geſicht verbarg ſich an ſeiner Bruſt mit ſo viel Liebe, wie nur ein Weib ſie fühlen kann Liebe, welche, an ſich ſelbſt erhaben, ſich auch über jeden geringeren Einfluß erheben kann.

Was, Du berührſt mich, Madge? Du kommſt noch in meine Arme? Du verſchütteſt zärtliche Thränen an meiner Bruſt? Dann bin ich noch nicht ganz verloren! Menſchenliebe ſo verzeihen kann, was ſollte die Liebe des Ewigen nicht können? Wie ruchlos ich bin, darin liegt noch ein Keim des Troſtes! Meine Liebe, meine zärtliche Liebe, das Glück gab mir nichts ſo Süßes, wie Dich!

O, Churchill, warum, warum? ſchluchzte ſie.

Er verſtand die Frage in dem einen gebrochenen Worte, das kaum hörbar war vor dem Schluchzen, das die Geſtalt ſeines Weibes erſchütterte.

Theuerſte, das Schickſal war hart gegen mich, und ich erſehnte Dich mit jedem Gefühle, deſſen meine Seele fähig war! ſagte er mit einer Ruhe, die ſie wie ein eiſiger Hauch

anwehte.Ein guter Menſch würde der Vorſehung vertraut haben ohne Zweifel, und hätte ohne Murren auf die Seg⸗ nungen des Himmels gewartet, bis er grau und alt geworden und daran war, zu Grabe zu gehen, ohne Eidenaliit hlannt zu haben, nur mit dem unbeſtimmten Gefühle in ſich, daß e es vielleicht wo anders finde. Ich war kein guter Meuſſch. Meine leidenſchaftliche Liebe und meine Verachtung der Ar⸗ muth ließen mich nicht Ich wußte, daß ich durch einen raſchen, verwegenen Akt eine ruchloſe That, wenn Du willſt, aber nicht eine grauſame, da doch jeder Menſch einmal ſterben muß Alles gewinnen konnte, was ich begehrte. Das Glück hatte zwei Menſchenlooſe zu ungleich gemacht. Ich brachte ſie in's Gleichgewicht.

O, Churchill, es iſt ſchreckl ich, Dich ſo ſprechen zu hören. Gewiß haſt Du bereut, gewiß war Dein ganzes Leben ver⸗ giftet von Reue..

Wenn

warten.

Ja, ich habe den Wurm gefühlt, den man Gewiſſen nennt. Ich konnte über alle guten Dinge verfügen, welche die Erde geben kann ja, und dennoch wollte ich Alles aufgeben, ver⸗ zeihe mir! ſogar Dich aus meinen Armen laſſen, wenn ich die That ungeſchehen machen könnte! Und jetzt wirſt Du mich verabſcheuen, und wir müſſen ſcheiden!

Scheiden, Churchill! Was? Ich ſollte Dich verlaſſen, weil Du der unglücklichſte der Menſchen biſt? Nein, Theuerſter, ich werde an Dir hängen und Dich feſthalten bis an das Ende meines Lebens, komme, was kommen mag! Wenn ich es war, die Dich verſuchte zu ſündigen, ſollſt Du Deine Bürde nicht allein tragen. Dich verabſcheuen! weinte ſie, leiden⸗ ſchaftlich und mit überſtrömenden Augen zu ihm aufblickend, Nein Churchill! Ich kann an dieſes abſcheuliche Geheimniß nicht ohne Entſetzen denken; aber ich kann an den Sünder nicht denken ohne Mitleid. Es giebt eine Liebe, die ſtärker iſt als die Gunſt der Welt, ſtärker als Recht oder Friede, oder Ehre, und ſolch' eine Liebe habe ich Dir gegeben!

Mein Engel meine Tröſterin! Wollte Gott, ich hätte meine Seele fleckenlos erhalten um Deinetwillen!

Und für unſer Kind, Churchill, für unſeren Liebling! O, Theuerſter, wenn es eine Vergebung giebt für eine Sünde, wie die Deinige und Chriſtus ſprach Worte der Gnade zu dem Schächer am Kreuze laß uns danach ſtreben, ſtreben mit Thränen und Gebeten und der tiefſten Reue. O, mein Geliebter, glaube an einen Gott der Gnade, den Gott, der ſeinen Sohn geſendet, den Sündern Reue zu predigen. Liebſter, laß uns zuſammen knieen vor dieſem beleidigten Gott, laß uns miteinander ſeine Gnade ſuchen!

Ihr Gatte zog ſie näher an ſeine Bruſt, küßte die bleichen Lippen mit unausſprechlicher Zärtlichkeit, blickte in die treuen, muthigen Augen, die nicht zurückbebten vor ſeinem Blicke.

Auch ſogar ich, der ich Dich zum Weibe hatte, kannte die Göttlichkeit der Frauenliebe nicht bis zu dieſer un⸗ glücklichen Stunde. Meine Theuerſte, Dich tröſten zu wollen, heißt meinen Sünden keine Gottesläſterung zuſetzen. Ich kann nicht knieen oder beten zu einer Macht, an die mein Glaube der ſchwächſte iſt. Bewahre aber Deinen edlen Glauben, Theuerſte, bete zu Deinem Gotte der Gnade aber ich habe mein Herz zu lange gegen dieſe Dinge verhärtet, um jetzt einen Troſt in ihnen finden zu können. Mein einziger Troſt iſt der Gedanke, daß ich, auch wenn ich verloren bin, nicht zu tief geſunken für Deine Liebe. Du wirſt mich lieben und an mir halten, meine Sünde kennend; und laß es mir

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ein Verdienſt ſein, daß ich Dich in dieſer trüben Stunde nicht

belogen. Ich habe es nicht verſucht, die Anklage dieſes Weibes durch irgend eine Fabel aufzuwiegen, welche Deine Liebe viel⸗ leicht angenommen hätte.

Nein, Churchill, Du haſt mir vertraut, und Du ſollſt mich Deines Vertrauens würdig finden, antwortete ſie muthig. Keine meiner Handlungen ſoll Dich jemals verrathen. Und wenn Du nicht beten kannſt wenn Gott Dir das Licht der Wahrheit noch eine Weile vorenthält, meine Gebete werden wie ein immer brennender Weihrauch zu ihm aufſteigen. Meine Fürbitte ſoll nie aufhören. Mein Glaube wird nie⸗ mals ſchwanken.

Er küßte ſie wieder ohne ein Wort zu tief bewegt, um ſprechen zu können und dann wendete er ſich von ihr und ging im Zimmer auf und ab, während ſie an ihren An⸗

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