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Laternemännche.
Gießen, 9. Mai 1855.
Auswärtige können nur bei den nächsten Post⸗ ämtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche Postaufschlag eintritt.
Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt 7 n und Umgegend mit Beingerlohn monatlich 12 kr. 1 2 22 Einzelne Nummern 2 kr.
Gute Aufsaͤtze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach 1 auch
honorirt.— Stadtbriefe können nur angenommen werden, wenn solche mit einer Franko⸗Marke ver⸗ sehen sind. Die Expedition ist Marktstraße Lit. K. Nr. 12. i
Da dieses Blatt nicht allein hier und Umgegend, sondern auch in fast allen Städten dieser
Provinz stark gelesen wird, so eignet es sich vorzüglich zu Annongen, und berechne ich die
gespaltene Petitzeile mit 2 kr. C. Schild.
Aus dem Leben des Revierjägers Holster. Das Stucklein vom faulen Schäfer.)
Unser alter Freund, der Revierförster Holster, hatte in Gesellschaft seines Gehülfen Piepenbrink so eben einen Rehbock geschossen und ausgeweidet.— Der Tag ist schwül— und die Beiden schlendern nach vollbrachter Arbett langsam heimwärts, durch die hohen, schattigen Buchen.
Plötzlich bleibt Holster und betrachtet“ aufmerksam den Boden vor seinen Füßen..
„Kriegst Du die Krenk! da spürt sich wahrhaf⸗ tig's Kott'n Schaaf herüber!—
Richtig!— drüben auf der Lichtung, mitten in dem jungen Buchenaufschlag staud— nicht etwa ein
Schaaf— sondern die ganze Heerde— zwei⸗ hundert sechs und fünfzig Stück!— „Ja, da soll denn doch gleich ein H———1!
Vergangene Woche haben sie mir erst die ganze Rothtannenkultur verrungenirt und heute stehen se, Gott Strolax, wieder mitten in der schönen Be⸗ saamung.— Der verd— Schäfer liegt nun gewiß wieder hinter den Tannen und schläft!?—— Na, warte Männche, ich werde dir heute mal„en Waidmann setzen!!“
Hinter der Tannendickung hart am Waldrande fanden sie richtig den schlafenden Schäfer Haidschnuck in seiner gewöhnlichen horizontalen Lage auf dem Rücken, den breiten Hut auf dem Gesicht, die bei⸗ den Hande über'm Kopf gefaltet.— Dabei schnarchte er wie eine Baumsäge.—
Piepenbrinck wollte dem Siebenschläfer direkt mit dem Eichheister zu Leibe, um ihm„etwas Warmes“ zu geben,— aber Holster hielt ihn zurück.— „Sachte, Piepenbrinck, sachte!— keine Uebereilung— hier muß ein Erempel statuirt werden!“— Vor allen Dingen wirf dem Viehköter erst mal ein gehöriges Stück Brot hin, sonst fängt der Satan noch an zu bellen und verdirbt uns den ganzen Spaß. So nun lauf' mal zurück nach der Wolfs⸗ kuhle, Piepenbrinck, und bring' mir den ganzen Aufbruch(Magen und Gedärme) vom Rehbock her.!“
Piebenbrinck gehorchte und schlug sich rasch und schweigend durch, die Büsche. Holster war in seiner Abwesenheit beschäftigt, sich durch Umkehren des Rockes u. s. w. ein höchst abenteuerliches Ansehen zu geben.— Dasselbe Experiment ward auch mit dem bald darauf zurückkehrenden Piepenbriuck vor⸗ genommen, welchem Holster überdem noch das Ge⸗ sicht mit einer Salbe aus Pulver und Branntwein schwarz tätowirte.——
Nun kam die Hauptsache: Holster packte vor⸗ sichtig das ganze immer noch dampfende Rehbocks⸗ gescheide dem schnarchenden Schäfer auf den Bauch und bemühte sich ein gut Theil davon unter Weste und Hosenlatz zu schieben.— Das Uebrige hielt und bedeckte der vorsichtig zugeknöpfte Rock.—
Jetzt aber machte der Schäfer, welchen der Druck und die feuchte Wärme des Gescheides incommodi⸗ ren mochte, eine unruhige Bewegung und wirbelte wiederholt mit den Fingern.— Es war die höchste Zeit loszugehen!“— 18
„So, Piepenbrinck, nun paß gut auf, flüsterte Holster! In dem Moment, wo ich den ersten Schuß abdrücke, gibst Du ihm einen entsprechenden Schwa⸗ dronshieb an den Flanken herunter!— Eins— zwei— drei— Feuer!!“ f
Diese Ermahnung war im Grunde ziemlich über⸗ flüssig, denn kaum krachte Holster's Schuß hinter dem Schäfer in die blaue Luft, als auch schon Piepenbrinck's Eichheister sausend herniederfuhr und mit den Lenden des Schäfers so unbarmherzig colli⸗ dirte, daß Letzterer wie vom Donner gerührt em⸗ porsprang und um sich starrte!— Ehe er indeß recht zur Besinnung kam, waren die Jäger bereits in der Dickung verschwunden.— f
Der Schäfer mochte wohl glauben, es sey ein Blitz aus heiterm Himmel auf ihn niedergefahren— denn er stand sprachlos und starrte mit offenem Maule in die Luft, während die linke Hand die schmerzhaft berührte Stelle preßte.—
Aber nur einen Moment dauerte diese unheim⸗ liche Stille— da krachte der zweite Schuß in un⸗ mittelbarer Nähe— zugleich erscholl ein furchtbares
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