Ausgabe 
26.5.1855
 
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Angeklagte: Früher katholisch, nach 48 ab un mir die Sache un denke, Schubberichen, was duhst jetzt? zu freie Jemeinde. Des Brod so theuer, sag' ick zu mir, da können de, Richter: Sie sind bereits mehrfach wegen Ge⸗ Leite nur blos noch Kuchen essen. Jedacht, jethan. Ick werbstener-Contraventionen und Beleidigungen von Beam⸗ schaffe mich nnen kleenen Kuchenkram an, un handle los ten im Dienst bestraft? davor. Angeklagte; Irrthum. Nie nich jewesen. Im⸗ Richter: Kommen Sie endlich zur Sache, An⸗ mer unschuldig jebrummt. Ich beleidige keen Thier nich, geklagte. a . jeschweige ine Behörde im Dienst. Aber wenn se mir Angeklagte: Es sollte jetzt eben losjehen. Also 9 nicht zufrieden lahßen, denn mucke ich uff. Immer feste, den Sonntag vor vierzehn Dage sitz' ick an meine je⸗ io isset! wöhnliche Stelle. Den janzen Kram unter de Kirche zu⸗ . Richter: Sie sind wegen Handelns am Sonntage jedeckt un ick ooch de Oogen zu, bloß um alle Fenster 05 während des Gottesdienstes, von der Polizei in einen verbangen zu haben. Mir dräumt, die Kirche wäre aus. Thaler Geldstrafe genommen worden und wollen sich dabei Ick erwache un denke boch nischt Böses. Cen Maͤchen N nicht beruhigen! kooft sich nen Ehemann und meent noch, se brauchte 1 Angeklagte: Na det fehlte bloß noch! Ich mir ihn sehr nothwendig, er könnte voch en bisken alt sind. * beruhigen? Nee, da kennen Se de Schubberichen nich. Sie jiebt mir davor ihren Iroschen un det Jeschäft war * Des wäre det erste Mal in meinem Dasein, deß ick mir jemacht. Ileich druf kommt'n Schusterjunge, langt sein 709 beruhigte. Beruhigen? Is nich! Nie nich da⸗ Morpponnäh rausser un verlangt'ne Maulschelle. Ick 5 jewesen! Als Kind nich, als Jungfrau schonst le nge verabreiche sie ihm, er nimmt se ruhig hin, jeht damit 1. nich un als Mutter un Staatsbürger erscht reckt nich ruhig ab. Allens jut, Allens stille, keine Störung des Und wenn Sie auch vorjesetzte Behörde sind, so is de Jottesdienstes. Uf eenmal, ick denke, mit Exlaubniß zu N a

Dritter Jahrgang.

Later nemännche.

Gießen, 26. Mai 1838.

Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr. Einzelne Nummern 2 kr.

Ny. 26.

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Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch honorirt. Stadtbriefe können nur angenommen werden, wenn solche mit einer Franko-Marke versehen sind. Die Expedition ist Marktstraße Lit. K. Nr. 12.

Sceneu ans Perliner Gerichtssälen.

15 Die Sonntagsentheiligerin.

Eine echtkörnige algen mit großer Keckheit in Net Saal. Das sonnde nte Gesicht, das von ei⸗

nem riesigen Wachstaffethut umschattet wird, die rauhe, feste, aber heisere Stimme, die riesigen Hände, das große bunte Umschlagtuch, das sich um die unförmige Taille schlingt und sich nach hinten zu in einem gewaltigen Knoten verliert; wer erkennt nicht schon in dieser Be⸗ schreibung die Berliner Höckerin, der Schrecken un⸗ serer Hausfrauen, welche ihre Aufgebote wie das hölli⸗ sche Feuer fürchten. Sie ist offenbar keine Fremde in diesem Saale, in ihrem ganzen Auftreten bekundet sich die

genaue Localkenntniß. Sie tritt mit einer gewissen Zu⸗

versicht vor die Schranken und harrt schweigend, die linke Hand in die Seite gestemmt, der kommenden Dinge. Sie sind die Wittwe Schubberich? so lautet die erste Frage des Richters. Zu dienen. Christ' jane Aujuste Wilhelmine, jeborne Hakenrieker, 40 Jahre un anno sechse nach de Schlacht bei Jena geboren ohne Versorger, seit sechs Jahren eltern⸗ lose Mutter von sieben Kindern, alleinstehend und des jüngste Wurm noch an de Zähne, keine Nacht ins Bette, Herr Prasident. Da haben Se de janze Naturgeschichte! Richter! Religion?

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Schubberichen doch nich so, deß sie hier jleich sagen sollte: Enschuljen Se gütigst, deß ick mir verjangen habe, hier is'n Dhaler, ick will et doch nie wieder duhn!

Richter: Was haben Sie auf die Anklage zu erwiedern?

Angeklagte: Sehr ville. Erschtens, warum ick jetzt nich mehr in Obst mache, werden Sie sich wundern, weil wir uns doch schon so lange kennen, Herr Präsident, wo Sie noch als Refrendarius in de Mittags stunde man⸗ chen Borsdorfer in de linke Rocktasche sich von mir erin⸗ nern werden. Aber das janze Obstjeschäft liegt jetzt dar⸗ nieder. Denn so wie die Zeit da is, ißt keen Mensch Pflaumen oder Birnen aus Angst vor de Cholera, welche jetzt jedes Jahr damit verbunden is. Un hat man denn mal een par- Anjestoßene in'n Korb, hast de nich jesehen, is de Sanitaͤtsbehörde da und pladderpdautsch mit den janzen Krempel in de Bach aus Jesundheitsrücksichten. Da muß eenen wohl des Jeschäft zu Wasser werden. Ick babe mit alle Zweige der Rejierung zu duhn jehabt, mit de Marcktpollezei, Sicherheitspollezei, Jewerwepollezei unn als Mächen voch mal mit de Sittenpollezei, un alle mit mir zufrieden jewesen, also will ick mir uf meine alten Dage nich noch mit de Sanitaͤtspollezei in Unruhstand versetzen. Un wie jesagt, mit'n Obstschwindel is et nischt mehr. Wodruf soll sich nu aber eene Frau in meine Jahre legen? Mit Blumensträußckens nach den Linden jehn, dazu hab' ick nich mehr die Taille, also überlege ick