Ausgabe 
30.6.1855
 
Einzelbild herunterladen

Das

Laternemäunche.

Dritter Jahrgang.

Gießen, 1. Juni 1833.

und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr. Einzelne Nummern 2 kr.

Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt,* Nr. 33.

Auswärtige können nur bei den nächsten Post⸗ ämtern 3 Monate abonnixen, wobei der übliche Postaufschlag eintritt.

Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch

honorirt. Stadtbriefe können nur angenommen werden, wenn solche mit einer Franko⸗Marke versehen sind. Die Expedition ist Marktstraße Lit. K. Nr. 12.

ns Da dieses Blatt nicht allein hier und Umgegend, sondern auch in fast allen Städten dieser Provinz stark gelesen wird, so eignet es sich vorzüglich zu Annoncen, und berechne ich N ee Petit⸗

zeile mit 2 kr.

i Die Jnuaven und ihre Geschichte.

Fast jeder Schlacht- und Kampfbericht, den die Zei⸗

tungen aus der Krim mittheilen spricht von den Zuaven,

ö und zwar stets mit Bewunderung; bald klettern sie wie

Katzen, bald kriegen sie wie Schlangen, bald springen

sie wie Panther, immer und überall sind sie voran mit

Muth, Tapferkeit und Ausdauer, stets aber auch die hei⸗

tersten und anstelligsten in der Armee, die sich überall zu helfen und einzurichten wissen.

Wer und was sind sind diese Zuaven?

Als der General Clausel im Sommer 1830 an die Spitze der französischen Armee in dem eben eroberten Algier trat; fühlte er das Bedürfniß, sowohl sein ge schwächtes Heer zu verstärken als auch gleichzeitig die Be wohner des unterworfenen Landes fester an die neue herr schende Macht zu binden. Beides glaubte man durch Er⸗ richtung eines Corps von Eingeborenen der eroberten Provinz zu bewirken. Dies geschah durch eine königliche Ordonnanz von dem 21. März 1834. und die zwei Bataillone, die man zunächst organisirte, wurden Zuaven, oder axabisch, vielmehr Zuaoua genannt. Diese Zagoua sind Kabylenstämme im Gebirge, muthige, stolze, fleißige Leute, die bisher ihre Boden- und Gewerberzeugnisse in die Stadt Algier gebracht, auch unter den frühern Fürsten bisweilen Kriegsdienste gethan und sich dabei den Ruf erworben hatten, vortreffliche Soldaten zu sein. Um an diese in Algier bereits bekannten Truppen zu erinnern, wählte man jene Namen, aber man nahm unter dieselben nicht blos eigentliche Zuavuas auf, sondern Eingeborene aller Art, die zum Dienst bereit und tauglich waren, ö und, weil man nicht nur Eingeborene bewaffnen wollte, auch allerlei französische Freiwillige, sowie abenteuernde andere Europäer jener Art, aus welcher man später die Fremdenlegion bildete. Die Führung dieser bunt zusam⸗ N mengewürfelten Corps übertrug man erprobten französischen

Unterofftzteren, muthigen, eifrigen Ofstzieren. Viele der

ausgezeichnetsten französischen Generale haben unter den Zuaven gedient, mit diesen ihre ersten Lorbeeren gepflückt und die tüchtigste Schule durchgemacht, z. B. Lamoriciere, Cavaignac, Leflo und Duvirier, Saint⸗Arnaud, Chan⸗ . garnier, Bouat, Espinasse, Thomas, Bosquet, Canxobert ꝛsc. Schon sechs Wochen nach ihrer Organisation erhiel⸗

Schild.

ten die Zuaven die Feuertaufe, und gleich bei ihrem ersten Auftreten zeigten sie, was sie heute noch auszeichnet, ihre Anstelligkeit und Geschicklichkeit zu allem: sie mauerten, schmiedeten, zimmerten, schneiderten im Nothfalle, mar⸗ schirten schneller und länger als die andern Truppen, trugen dabei ohne Ermüdung Lebensmittel auf mehrere Tage bei sich oder wußten sich dieselben mit bewunderns⸗ würdiger Schlaubeit und Keckheit zu verschaffen, manö⸗ vrirten mit der äußersten Präeision und gaben in den Kämpfen nicht blos Beweise von seltenem Muthe, sondern auch von schlauer Benutzung aller Umstände.

Obwohl der Kern dieser Truppen heute noch aus Franzosen besteht, ist ihre Uniform doch die orientalische

Tracht in den Farben der ganzen französischen Infanterie

mit einigen Abänderungen, welche diese Uniform vielleicht

zu der zweckmäßigsten macht, die Soldaten jemals getra-

gen haben. Sie ist für ein warmes Klima berechnet, läßt allen Gliedern die freieste Bewegung, schützt indessen gegen plötzliche Temperaturwechsel und läßt sich bei kalter Witterung leicht vervollständigen. Selbst der scheinbar so unbequeme Turban, den sie tragen, hat seine Vorzüge, denn die Zuaven lassen ihn bald im Nacken hinunterhän⸗ gen, um sich gegen den Sonnenbrand zu schützen, bald binden sie ihn um Mund und Nase, wenn es kalt ist, bald wie es namentlich jetzt in der Krim bei dem langen Feldzuge häufig genug vorgekommen ist müssen Stücke davon zur Ausbesserung der Jacke oder der Hosen dienen. Die Offiziere indeß tragen die Uniform der an⸗ dern französischen Regimenter, und zeichnen sich vor diesen nur durch das Fez aus, das sie häufig statt des Käppi tragen.

Im größten Glanze ihrer Tapferkeit zeigten die ersten Zuaven sich bei der Belagerung von Constantine. Wäh⸗ rend der Aufstellung der Batterien vor dem Platze zogen die Zusven am hellen Tage und unter dem Feuer der Festung die Vierundzwanzigpfündner an Ort und Stelle, welche Pferde in der Nacht nicht hatten fortbringen kön⸗ nen. Bei dem Sturme hatten sie die Ehre, an der Spitze der ersten Colonne zu stehen; aber der Ruhm ward stets theuer erkauft; das kleine Bataillon der Zuaven verlor über den zehnten Theil seiner Leute; mehrere seiner Offi⸗ ziere fielen in der Bresche, nicht einer kam ohne zum Theil schwer Herwundet davon. Der große franzöoͤsische Maler,