Ausgabe 
11.6.1855
 
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Latern

Dritter Jahrgang.

Gießen, 11. Juni 1835.

Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr. f Ankle Nummern 2 kr.

Auswärtige können nur bei den nächsten Post⸗ ämtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche Postaufschlag eintritt. i

Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch

honorir. Stadtbriefe können nur angenommen werden, wenn solche mit einer Franko⸗Marke Versehen sind.

Die Expedition ist Marktstraße Lit. X. Nr. 12.

Da dieses Blatt nicht allein hier und Umgegend, sondern auch in fast allen Städten dieser Provinz stark, gelesen wird, so eignet es sich Lonzießeh zu une enen und berechne ich 4 ee. Petit⸗

mit 2 kr.

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Brennecke in Paris zur Weltansstellung. Humoristische Genre⸗ Bilder aus dem Pariser Leben von A. Hopf.

Zweites Kapitel.

Juteressante Bekanntschaft mit zwei Journalisten. Dupirt sie. Trifft Sennora Pepita. Unterhaltung mit ihr. Versäumt den Zug. Wie er sich zu helfen weiß.

Brennecke(mit Gepäck auf dem Bahnhofe. Er wen⸗

det sich an ein paar Perret die im eifrigen Gespräch begriffen sind.) Erster Herr. Verlassen Sie sich drauf, ich habe mit dem Portier[des französischen Gesandten gesprochen, die Sache ist richtig; er übernimmt den 5 in der Krimm.

Zweiter Herr. Und ich mme direkt vom tusst⸗ schen Gesandtschaftshotel, wo mir das eine Küchenmädchen gesagt hat, man hätte in der Bedientenstube ganz be stimmt behauptet, Rußland würde auf neue Conferenzen antragen.*.

Erster Herr. Ich konnte Ihnen auch sub rosa vertrauen, was Preußen nun definitiv beschlossen hat.

Zweiter Herr. Der tausend! da bin ich doch neugierig! f

Brennecke(zwischen tretend). Ja, des möchte ich voch wissen.

Beide Herren. Ha, Verrath! Wir sind belauscht.

Erster Herr. Wer sind Sie?

Brennecke. Mit Respekt zu melden, ich heiße Bren⸗ necke, bin Particulier und lebe von meinen Renten.

Zweiter Herr. Das ist recht hübsch von Ihnen; indessen wie kommen Sie dazu?

Brennecke. Bloße Neugierde. Wenn ich höre, wo von Weltgeschichte gesprochen wird, da kann ich nicht an mir halten, da muß ich mir belehren, und muß ein Wort mit reden, was man polit'sche Bildung nennt Denn sehen Sie, ich besuche alle Dage, regelmäßig die Kammer, un setze mir gewöhnlich auf der Journalisten Loge, weil

man da am Wenigsten versteht, da kann man seine Ge⸗

danken so recht rum spazieren lassen, und freuen sich, daß es doch noch einen Artikel giebt 85 uns, der zoll⸗ frei is. a

Erstex Herr. Ah, jetzt kenne ich Sie, lieber Bren⸗

necke. Aber jetzt bemerke ich erst, daß Sie vollständig zur Reise gerüstet sind. Wo wollen Sie denn hin?

Brennecke. Ich will nach Paris, un sehn, was ich an die Ausstellung auszustellen finden werde.

Zw. Herr. Sie reisen also zu ihrem Vergnügen!

Brennecke. Ja, das heißt Sie wissen woll man hat Verbindungen, es giebt mitunter Aufträge, worüber man nicht öffentlich spricht, un Dinge, die man selbst nich gern den Telegraphen anvertraut, weil man immer nich wissen kann, ob Meier nich an die Börse damit spekulirt.

Erster Herr. Uns können Sie schon Ihre Mission mittheilen, wir sind verschwiegen.

Zw. Herr. Nur eine entfernte Andeutung: wir wer⸗ den schon was daraus machen. Ich brauche heut noth⸗ wendig einen Correspondenz⸗Artikel für den Hallischen Courier.

Brennecke. Ja, wenn Sie mir die Hand drauf ge⸗ ben wollen, daß Sie mir nich verrathen

Beide Herren. Hand und Wort!

Brennecke(geheimnißvoll). Na, denn will ich Ih⸗ nen man gestehen, ich habe eenen Brief an den Kaiser der Franzosen in die Tasche. N

Beide Herrn. An den Kaiser persönlich?

Brennecke. Seulement, a sa mains. Donnerwetter,

det Französche is doch schwer!

Erster Herr. Aber von wem sind Sie beauftragt?

Zw. Herr. Kennen Sie den Inhalt des Briefes?

Erster Herr. Hat er Bezug auf Preußens Stellung zu der orientalischen Frage?

Brennecke(abwehrend). Keine Ueberstürzung! Es is ein Brief von meine Frau an Louis'n, wo⸗ rin sie ihm das Mittel angibt, was er einnehmen soll, damit er Sebastopol einnehmen kann.

Erster Herr(entrüstet). Wollen Sie uns etwa dupiren? 9 5

Brennecke. Nich im Geringsten; ich kann Ihnen so⸗ gar das ganze Rezept auswendig hersagen, wenn Sie vielleicht Gebrauch davon machen wollen. Sie nehmen zuerst een halb Pfund Revalenta, drei Sardellen, eene Hand voll klene Rosinen, etwas gewürfelten Speck, und denn Adje, meine Herren! Schreiben Sie das an denHallschen Courier, un grüßen Sie den Pro⸗

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