Ausgabe 
11.6.1855
 
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fessor Leo dabei. Ha! Ha: paar Journalisten, wie sie. beschrieben hat, ehe er Hofrath geworden is. Alle Wetter! Wer kommt denn da? Is des nich Pepitge

tör, mia cara Sermnora! Sehr erfreut, anßerordent⸗ lich erfreut, Ihnen hier zu sehen. Wollen Sie denn voch Berlin verlassen?

Pepita. Brennecke, Ihr habt geschrieben meiner Biographie in einem wunderschönen Styl. Ich danken Euch.

Brennecke. Sehr obligirt, schönste Sennora. Sie müssen so vorlieb nehmen mit meinen Styl; er is etwas geradezu, oder sonst find't er die allgemeinste Bewunde⸗ rung. Also, Sie erlauben mir die Wiederholung von meine. Frage: lassen?. 1 1 50%

Pepita. For ever. Laufen Sie mit das undank⸗ bare Berlin, was eine Künstlerin wie ich so schmachvoll vernachlässigt um ein englischer Backfisch mit gelber Haare und Augen von Wasserblau, und dieser Backfisch tanzt die

Hornpipe pfut! ich kriegen der gemeine Worte nicht

über meine purpurne Lippen!

Brennecke. Sennora, ich theile ganz Ihren Seen Sie haben Recht, das Berliner Publikum is so wankel⸗ müthig wie die Regierung von Oest na, Sie wissen schon, wem ich meine. e kamen, schwärmte Alles vor Ihnen. 14980.

Pepita. Alles vor Pepita..

Brennecke. Richtig. Da mußte Allens spanisch sind. Die Damen trugen spanische Roben, spanische Hüte und spanische Mäntel, und die Männer sogar spanische Leib⸗ röcke und wer weeß was noch. In's Theater gerieth Allens außer sich, wenn Sie ihre allerliebste Madrilena tanzten, un jetzt steht bei die Männer die Hornpipe eben so hoch, wenn nicht noch höher. Aber des is des Loos des Schönen uf der Erde, sagt Schiller.

Pepita. Sennor Brennecke, Sie seyen ein Mann von Geschmack und Weltkenntniß. Rathen Sie mir zu gehen nach Paris? 110

Brennecke. O gewiß. Aber wenn Sie Geschäfte machen wollen, denn nehmen Sie Viti'n aus Rom mit un der muß Ihnen uf die Drehscheibe als lebendes Bild zeigen.

Pepita. Wie ist das?

Brennecke. Nu Sie kleiden sich aus als Juno oder als geraubete Rabienerin und dergleichen Pepita. Auskleiden?

Brennecke. Oder nennen Sie's ankleiden, meinswe⸗ gen; aber jedenfalls gefallen Sie bei die Pariser weit besser, wenn Sie sich außkleiden, was man maskiren nennt.

Pepita. Sie haben Recht, Sennor. Ich werde über⸗ strahlen diese englische Miß Thompson. Man wird mich verehren in Paris, wie früher in Berlin.

Brennecke. Ganz bestimmt. Man wird an Ihnen schon das Alter ehren. Aber was is denn des vor'n Gerenne? Hör'n Sie mal, Sie, Klose; Was rennen Sie denn so? 1

Klose(in vollem Laufen). Ich will nach Paris; meine Tochter ist da vor's kaiserliche- Theater engagirt.

Brennecke. Na, ich will ja och hin, warten Sie doch een Visken: ick muß mir erst een Billet koofen. Der hört jar nich mehr, un die läuten glob ick schon zum zweetenmal. Adje Sennora. Uf Wiedersehn in Paris. Wo is denn bier des Billetbüro? Herrjeh's! die Lo⸗ komottve pfeift schon. Da geht's ab!(Er läuft nach.)

Wie meinen Sie, ich als lebendes Bild?

Ha! Det sind so'n Meiner Seele! Meiner Seele:(Tritt an sie heran). Vot servi-

Ah, mein sehr ehrenwerther Don Ranudo

wirklich, wollen Sie Berlin ver⸗ N

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men und beizustehen.

lichste ist, daß er das Wasser mit Wasser zersetzt.

Geda! Hören Sie doch, Maschtnist!! Schaffner!!! Herr

Güter⸗Inspector!!!! Ick muß ja noch mit, un sollte ick mir 1 en in's Schlepptau nehmen! (Er erreicht noch den letzten Wagen, ergreift hinten die Kette, und springt immer hinten nach, bis zur nächsten Halt⸗ Station.)

8(Forts. folgt.)

e

General Pelifsier heißt also der Mann, auf den aller Augen gerichtet sind und der in der Krim all' das Verdorbene wieder gut machen soll. Dieser tapfere Mann wax als Lieutenant in Paris so ziemlich liederlich, und darum nach Algier zur Fuembentegten geschickt, wo er sein lockres Leben durch seine famose Tapferkeit bald vergessen machte. Es ist wahr, daß er sich dorten einmal bei ei⸗ nem arabischen Fort von den eignen Soldaten über eine Mauer werfen ließ, mit dem Bedeuten ihm nachzukom⸗ Diese Entschlossenheit imponirte bei den Soldaten. Während sich Pelissier verzweifelt mit den Arabern herumschlug, sprangen diese wie toll über die Mauer nach und eroberten so das Fort. Der Kaiser

Napoleon soll anf Pelissier mehr Verkrauen haben, als

auf Canrobert, der mit seinem zwanzigtägigen Bombar⸗ dement, von welchem er sich Wunderdinge versprochen, gar nichts ausgerichtet hat; dann wird ihm zum Vor⸗ wurf gemacht, daß er die Russen bei Simpheropol nicht angegriffen und geschlageu und Sebastopol eingeschlossen habe. Wir werden nun sehen, wie unter der neuen Direction die Angelegenheiten gehen werden.

Der unlängst geköpfte Kaiserattentäter soll mit vieler Todesverachtung das Schaffot bestiegen haben. Er hat wiederholt vive la republique, gerufen, selbst als sein Kopf schon unter dem Beile lag. Seltene Charakterstärke! Das erinnert an jenen Grafen, auch ein Italiener, der als er geköpft werden sollte, sich die Gnade ausbat, nicht mit dem Bauche, sondern mit dem Rücken aufs Bret gebunden zu werden, damit er aufwärts blicken und das Beil kommen sehen könne. Eine eigne Liebhaberei!

f Von einem afrikanischen Könige, natürlich ganz schwarz

erzählt die Modezeitung folgendes, das gewiß drollig lau-

tet: Da erfordert nämlich die Hofetiquette, daß wenn Seine Majestät nießen, die gesammte Umgebung eben⸗ falls nießen muß; wenn Allerhöchstdieselben husten, muß die ganze schwarze Gesellschaft auch mit husten. Was mögen da die Herren Kammerherren und Kammerdiener den Himmel anrufen. daß er Seine Majestät recht warm halte. Aber das Allerschönste bei dieser Geschichte ist noch, daß wenn die afrikanische Majestät vom Pferde 1325 die ganze Begleitung ebenfalls herunterpurzeln muß. Da läßt

sich doch wenigstens das Voltigiren gut lernen.

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In London soll ein Schlesier, der Mechaniker Plus eine kostbare Erfindung gemacht haben. Er heizt und be⸗

leuchtet ein ganzes Haus mit zersetztem Wasser 24 Stun⸗

Das Abenteuer- Seine

Batterie von 100, Plattenpgaren,(in einer neuen, pa⸗ tentirten Construction) wird blos mit gewöhnl ichem Was⸗ ser, ohne eine Spur von Schwefel⸗ und anderer Säure, gefüllt und zersetzt. das Wasser so schnell und dauernd, daß das gewonnene Wasserstoffgas hinreicht, ganze Häuser zu beleuchten, zu heizen und Alles zu braten und zu kochen, was verlan igt wird. Der Erfinder ist in die Hände von Engländern, Franzosen und einem Deutschen gera⸗

den lang für noch nicht einen Dreier.