Ausgabe 
11.6.1855
 
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then, die sich um ihn wie Raubthiere streiten und sich wegen des Gewinns nicht einigen können, so daß die wich⸗ tige Erfindung seit Wochen ruht. Da sie aber nun ein⸗ mal da ist, wird sie sich auch geltend machen und der Menschheit ein Brenn- und Heizmaterial liefern, das auf Millionen Jahre, das in Ewigkeit umsonst zu haben sein wird, da drei Viertel der Erde aus Wasser bestehen, und der Verbrennungsprozeß ohnehin immer wieder Wasser bildet. Also gu'n Morgen Herr Plus und gu'n Nacht ihr hess- und kurhessschen Klaftern, gu'n Nacht Holz⸗, Stein⸗ und Braun- Kohlen! Ich haͤtt' gern für drei Kreuzer Wasserstoff, Herr Apotheker!

Die Behörde in Paris hat die Milch nicht blos als

ein Getränk, sondern für ein unentbehrliches Nahrungs⸗

mittel erklärt, und darum 50 Franken Strafe draufge⸗ setzt, wenn die Milch verfälscht wird. Doch endlich mal eine nachahmungswerthe Pariser Mode, die bei uns auch besser wäre, als die neue Mode der ausgeschnittenen Kleider.

Für Jagvliebhaber sey kund und zu wissen, daß im vorigen Jahre in Siebenbürgen 76 Bären und 771 Wölfe erlegt worden sind. Die Jagd ist dorten dadurch erleich⸗ tert, daß man zur Wolfs und Bärenjagd keinen Jagdpaß zu loͤsen braucht und die Gendarmen Niemanden die Flin⸗ ten, wie in andern Gegenden, konfisciren dürfen.

In Balaklava wimmelts in neuerer Zeit von Ochsen und Eseln; hieraus schließt man, die Westmächte wollten sich darauf setzen und eine Excursion ins Land machen. Sogar die Esel sind heutzutage vor den politischen Com⸗ binationen der Zeitungschreiber nicht sicher.

Der Vetter Schneider an seinen Vetter Heinrich, der gewöhnlich rasirt. 5 Lieber Vetter!

Die heurigen schlechten Zeiten sind gewiß für Jeden zu Re⸗ flexionen geeignet, um so mehr, wenn man in diesen schlechten Zei⸗ ten auch noch seine besten Freunde von der allgemeinen Charak⸗ terlosigkeit, die ja steis die Begleiterin alles Schlechten ist, ange⸗ steckt sieht! i

So dachte auch ich nach einem traurig verlebten Sonntag nach⸗ mittage; es ist wahr!es gibt Augenblicke im menschlichen Leben wo Pferde kreppiren! und erinnerte mich dabei an die guten al⸗ ten Zeiten, da wir so innige Freunde waren, daß wir keinen Au⸗ genblick ohne einander sein konnten. In dem Augeublicke, als ich gerade über Deinen Verlust wehmüthig werden wollte, kamen ei⸗ nige andere Bekannten aus deralten Zeit, da Du in Deinem schlichten Kamisol, noch ein eben so schlichtes Herz trugst als wir, und erinnerten mich daran, daß Veränderung das Leben gerade erst schön mache; und sie wollten gar nicht begreifen, wie ich's Dir verüblen könnte, daß Du einen Mann aus Dir gemacht ha⸗ best.Ach, sagte ich, das nehm ich ihm ja gar nicht übel; aber daß er über seinen Bällen, seinen rauschenden Vergnügungen und re⸗⸗ chen Bekannten mich so ganz und gar vergißt, daß er nicht ein⸗

mal mehr zu wissen scheint, daß ich ihm seinen alten Sonntags⸗ rock,(den er jetzt noch in der gewöhnlichen Praxis trägt) flickte und sich schämt, mit mir zu gehen, weil er jetzt einen besseren Rock trägt ꝛc. zc. a

Ei, sagten wieder meine Freunde, für das Flicken seines Rockes hat er Dich ja bezahlt. Ja! versprochen hat er mir zwar 18 Kr. aber dabei blieb's i

Thor! fiel der ganze Chor jetzt ein, das ist's ja eben, er schämt

fich weil er trotz allen Bällen, Parthien ꝛc. Dich nicht bezahlen ann! Lieber Vetter Heinrich! da war nun an mir die Reihe mich zu schämen, daß ich Deinem Zartgefühl so schreiend Unrecht gethan hatte und ich setzte mich gleich hin um Verzeihung zu bitten, daß ich Dich jemals an die mir schuldigen 18 Kr, erinnerte.

Und somit leb' vergnügt in Saus und Braus und sey überzeugt, daß ich stets in schuldigem Respekt vor Deinem Zartgefühl ver⸗ bleibe f Dein Vetter Ch.

Malzdier: Waß fehlt D'r, Hammelcher, daß De widder so mist⸗ vergnigt bist, Hammelcher??

Schlammbeißer: Sey schtill unn schtoß mich nitt noch ganz in de Dolch der Verzweiflungk! weißte dann nitt, daß mei treuer Col⸗ leg, der edle Canalmüller, mit der Saltänzerschmadamm dorchge⸗

gange?

Malzdier: Hurrjöhs! Unn kommt aach gar nitt widder?

Schlammbeißer:, nie nitt!

Malzdier: Dann will ich Dei Mitagent sei!

Schlammbeißer: Wird angenomme unn ahner druffgenomme.

(Sie eilen umarmt in die Tabagie.)

Malzdier: Waß sagste zon Vesu v, Hammelcher?

Schlammbeißer: Waß soll ich zum Vesuv sage, ich krieg'n gar.

nitt ze seh. Malzdier: Ich meine de feuerspeiende Berg der bei Neapel liegt unn widder ausspeit? a Schlammbeißer: Soo, liegt der jetzt bei Neapel? dann isses nitt zu bewunnern, daß'r ausspeit! 5 Malzdier: Freilich! Unn wann m'r emal's Geschäft als feuer⸗ speiender Berg hat, dann kann m'r wahrhaftg kei Friedensconfe⸗ renze uff sich abhalte lasse! Dankbarkeit. Nur das ursprüngliche Schiefe vergißt nie, was es dem Schneider schuldig ist.

Theater- Bericht.

Gestern hatten wir das Vergnügen Fräulein Eppert vom Großherzoglichen Hoftheater in Darmstadt als Gast und zwar im Pariser Taugenichts, als Louis, auf unserer Bühne zu se⸗ hen. Man muß gestehen, ihre Leistungen sind meisterhaft und vollendet zu nennen. Die Vereinigung des Leichtsinnes mit der Gutmüthigkeit, die Uebergänge vom Scherz zum Ernst, waren er⸗ heiternd und ergreifend, mußte also auch den größten Beifall fin⸗ den, und wir glauben überzeugt zu sein, daß sie bei ihrem zweiten Auftreten ein noch bedeutenderes Publikum anziehen wird. Kräf⸗ tig stand Herr Dir. Fix als General Horie der lieblichen Künst⸗ lerin zur Seite. Herr Denemy war äußerst ergötzlich in der Rolle des Herrn Bizot, Schwazhaftigkeit und Angst am rechten Ort ohne zu übertreiben. Die ganze Vorstellung kann man eine recht gelungene nennen und wir wünschen dem Fleiße unseres Ga⸗ stes, sowie der Gesellschaft den besten Erfolg.

Mehrere Theaterfreunde.

Allgemeiner Anzeiger.

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