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Later n
Dritter Jahrgang.
Das
emännche.
Gießen, 11. Juli 1835.
Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt und Umgegend mit Bringersohn monatlich 12 kr. Einzelne Nummern 2 kr.
Nr. 43.
Auswärtige können nur bei den nächsten Post⸗ ämtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche Postaufschlag eintritt.
Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch honorirt.— Stadtbriefe können nur angenommen werden, wenn solche mit einer Franko⸗Marke versehen sind. Die Expedition ist Marktstraße Lit. A. Nr. 12.
Da dieses Blatt nicht allein hier und Umgegend, sondern auch in fast allen Städten dieser Provinz stark gelesen wird, so eignet es sich vorzüglich zu Annoncen, und berechne ich die gespaltene Petit⸗
zeile mit 2 kr.
Eine pariser Geschichte. Nach wahren Thatsachen mitgetheilt von Feodor Wehl.
In der Nacht vom siebenzehnten zum achtzehnten Sep⸗ tember 1819 hatte man in einer Straße(de trois frores) zu Paris, nahe dem in dieser Straße belegenen Hotel desselben Namens ein so entsetzliches Jammergeschrei ver— nommen, daß die Einwohner der umliegenden Gebäude davon aufgescheucht, im Nu in den abenteuerlichsten Nacht⸗ bekleidungen ihre Betten verließen, und an die Fenster oder gleich aus den Thüren hervorgeeilt kamen, um sich von der Ursache desselben zu überzeugen. Die ersten mit der Nachtpolizei ziemlich zugleich an Ort und Stelle ge— langenden Neugierigen fanden einen in seinem Blute schwim⸗ menden Mann, um den ein anderer in größerer Angst und Verwirrung beschäftigt war. Auf das von allen Seiten auf diesen eindrängende Forschen und Fragen gab er zuerst gar keine und dann nur eine sehr unklare und nicht eben allzu faßliche Auskunft. Er sei mit seinem Freunde Alfred Gautier, erzählte er in abgebrochenen Sätzen, von einem Festgelage nach Hause gehend, hier im Dunkel der Straße von einem vermummten Menschen angefallen, und jener in der Brust, wie es schien, durch einen Dolchstoß verwundet worden. Welchen Grund der Angreifer zu seiner That gehabt, fügte er bei, könne er nicht errothen, denn Alfred Gautier sey ein harmloser, guter Mensch, der Niemanden etwas zu Leide gethan. „Es muß hier ein unglückseliger Irrthum, ein unerklärliches Mißverständniß herrschen!“ rief er mit weinender Stimme, indem er dem herbeigeholten und eben anlangenden Arzte seine flehend gehobenen Arme entgegenstreckend, jammernd bat:„O kommen, retten Sie, mein Herr, noch wird es Zeit sein!“
Der Arzt, der den von einigen mitleidigen Seelen in die Höhe gehaltenen blutenden Mann, der allerdings noch Spuren von Leben zeigte, aber das Bewußtsein und den
Gebrauch seiner Kräfte lange verloren hatte, untersuchte
und verband, schüttelte, als dies geschehen, und man den Verwundeten auf die von der nächsten Wache requirirte Tragbahre legte, bedenklich den Kopf, ein bedauerliches: „Zu spät!“ leise vor sich hinmurmelnd.
Als die Bahre, um in das Hospital getragen zu wer— den, aufgehoben ward, und der Kamerad des Ueberfalle⸗ nen Miene machte, seinem armen Freunde zu folgen, trat
C. Schild.
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plötzlich ein höherer Polizeibeamter auf ihn zu, mit dem bescheidenen aber ernst ausgesprochenen Ersuchen, ihm zur nächsten Wache behufs weiterer Aussagen und Erklärun⸗ gen über den räthselhaften Vorgang zu folgen.
Der auf diese Weise Angeredete, der sich schon mehr⸗ fach unaufgefordert genannt und mit dem Namen Graf von Luckner bezeichnet hatte, schien über das Verlangen stutzig und im ersten Moment geneigt, dagegen Einwen⸗
dungen machen zu wollen. Allein nach kurzer Ueberle⸗ gung mochte er doch wohl anderen Sinnes geworden sein,
denn mit den Worten:„Ich stehe zu ihren Diensten, mein Herr,“ schloß er sich dem Pollizisten an, der nun rasch und in Eile nur noch einen seiner Untergebenen beor⸗
dernd, bis zu Tagesaubruch und für den Zweck einer
weiteren Untersuchung des Schauplatzes, auf welchem die ruchlose That geschehen, an Ort und Stelle zu verbleiben,
mit seinem Arrestanten davonging.
In der nächsten Woche gab derselbe das von uns be⸗ reits Gemeldete zu Protokoll, was denn natürlich nicht eben mehr Licht auf die schauderhafte That zu werfen, oder den Schleier zu lüften vermochte, mit dem sie be⸗ deckt war. Nach einer Legitimation seiner Person gefragt, zeigte der räthselhafte Fremde sich außer Stande, sie zu geben. Er hatte weder eine Visitten- noch Aufenthalts⸗ karte, statt deren aber eine sehr bedeutende Summe Geld in englischen Banknoten und einen Paß in's Ausland bei sich, der auf den Namen Miadschinski gestellt, seltsamer Weise in der Personalbeschreibung ziemlich auf ihn selbst zu passen schien.
Gefragt, was es mit diesen Dingen auf sich habe und auf welche Art er dazu gekommen, gab er an, daß Gautier sie ihm zur Verwahrung überantwortet und er im Nebrigen keine Auskunft darüber zu geben vermöge. War nun dies schon im hohen Grade verdächtig, so wurde es noch mehr ein Dolch, den der auf der Bühne des
Mordanfalls zurückgelassene Wächter beim Morgengrauen
des Tages gefunden und an die Untersuchungsrichter ab⸗ geliefert hatte. Dieser Dolch, der genau in die Wunde paßte, an der Alfred Gautier noch in derselben Nacht, in der er sie erhalten, gestorben war, trug nicht nur die Grafenkrone und das Wappen der Luckner'schen Familie, sondern wurde auch förmlich von dem Grafen als der seinige anerkannt. 8
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