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8 i Das ü aternemännche.
Gießen, 2. Juni 1885.
Dritter Jahrgang.
Auswärtige können nur bei den nächsten Post⸗ ämtern 3 Monate abonniren, wobei der übliche
Possfischng eintritt.
Erscheint wöchentlich zweimal. Preis für Stadt und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr.
Einzelne Nummern 2 kr.
Gute Aufsätze für's Laternemännche werden mit Vergnügen aufgenommen und nach Umständen auch W— Stadtbriefe können nur angenommen werden, wenn solche mit einer Franko⸗Marke versehen sind. Die Expedition ist Marktstraße Lit. K. Nr. 12. Da dieses Blatt nicht allein hier und Umgegend, sondern auch in fast allen Städten dieser Provinz 5 wird, so eignet es sich vorzüglich zu Annoncen, und berechne ich 1 Nec ch d. Petit⸗ mi.*
Doch die nicht mit Stolz verschmäht N Des vaterländ'schen Fleiß und Frucht, Ce p t, Sich nicht mit fremden Stoffen bläh't, In Reinlichkeit die Mode fucht; Nicht macht zum Aushängschild den Leib, Die nehmt zum Weib!
Die Liebe nur den Kindern heuchelt,
eine brave Hausfrau zu bekommen.
Es ist doch ein recht schlimmes Ding, die Ehe! Und Jedes unsanft von sich rückt,
Aber auch wieder 1 recht gutes Ding. Das ihr, wenn sie geputzt ist, schmeichelt,
Wenn ich so manch Pärchen sehe. Weil sonst die Krause wird zerdrückt,
Das schwer trägt an dem goldnen Ring, Der ekelt vor der Mutterpflicht, f Dann graut mir und mein Köpfchen spricht: Die nehmet nicht!
Vermähl Dich nicht! Doch, die dem Knaben, der da eben
Doch wenn ich andere zwei erblicke, Gespielt, und fiel an Baches Damm,
15 i een. 5 Zu Hülfe eilt, ihn aufzuheben,
3 ich e dem Glüͤcke, Mit weißem Fuß am schwarzen Schlamm, Des sie sich freu'n, ein liebes Kind. Der pocht ein Mutterherz im Leib,
Laut spricht mir dann das Herz im Leib: Die nehmt zum Weib!
Nimm Dir ein Weib! Die alle neue Werke kennt,
Die Mädchen hab' ich mir betrachtet, N Bei Lichte liest die halbe Nacht,
Nicht wie sie scheinen, wie sie sind; Zu allen Bücherhändlern rennt,
85 fand ich denn, genau betrachtet, Ob auch die Post nichts Neues mitgebracht? Oft Satans-Klau'n am Engelskind. Auch selbst verfasset manch' Gedicht
D'rum, der mein Lied das Stäbchen bricht—. 7 Die nehmet nicht! 5
Die nehmet nicht! Doch, die all' die Kling-Klang-Büchelein
7 10 race den G50 1 Verschobener Köpfe nicht gaudirt, Ihr dürft auf die Erfahrung bau'n, Nur manchmal so ein kernig Sprüchlein Wie Ihr bei Mädchen könnt erkennen, Von Gleim und Wieland recitirt, Ob sie auch tauglich sind als Frau! n; Den Meister liest zum Zeitvertreib Die ich einmal als gut beschreib', 7 die nehmt zum Weib!
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Die nehmt zum Weib!
Die Morgens acht Uhr noch im Bette
Sich dehnt, und da den Kaffee trinkt,
Nachher an ihrer Toilette
Sich Stundenlange putzt und schminkt,
Dann Fleckchen zupft und Haare flicht, Die nehmet nicht!
Die Euch beim ersten Seh'n schon Blicke
Erwiedert feurig und verliebt,
Und die verstohl'ne Händedrücke
Wenn noch so sanft zurück Euch gibt,
Ein Blümchen Euch am W zege bricht, Die nehmet nicht!
Doch die, wenn Ihr sie fest sixirt, Doch die, wenn es auch schneit und regnet, Die Augen senket, Schaam entglüht, Mit einem Körbchen unterm Arm,
Und wenn Ihr leise sie berührt Des Morgens auf dem Markt begegnet, Das Händchen schüchtern Euch entzieht, Wohl mitten in der Mädchen Schwarm,
Der ist die Lieb' kein Zeitvertreib: Die auch wohl kocht zum Zeitvertreib, Die nehmt zum Weib! Die nehmt zum Weib! Die jedem neuen Haubenschnitt Die jedes neue Liedchen singt und jedem neuen Modekleid Das im Theater erst erschienen, 4 17 1 e Schritt. Im Eccossaise so zierlich springt, ud die es trägt, besieht mit Neid, Als wär' sie Düpoos Schülerin, Die stets nach allen Wassern riecht, Kühn über Kunst und Künstler spricht, Die nehmet nicht! Die nehmet nicht!
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