Ausgabe 
30.6.1855
 
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Horace Vernet, hat diesen Siurm der Zuaven auf Con stantine durch eines seiner großartigsten Schlachtgemälde verewigt, auf dem man Lamoriciere, mit seiner kleinen Schaar, unter, Pulperdampf, im wildesten Gedränge auf der Bresche erblickt. a 1

In den spätern Kämpfen gegen den Emir Abd⸗el⸗ Kader waren die Zuaven fast nur auf den Vorposten, und sie verbrachten kaum einen Tag ohne foreirten Marsch oder Kampf. Wo irgend eine ungewöhnliche Anstrengung zu machen, eine Position zu erstürmen war, mischten sich gewiß die Klänge ihres so bekannten Marsches in den Lärm.

Es ist ungewiß, ob die Zuaven, die so viel erfunden haben, was zur Erleichterung und Bequemlichkeit der Soldaten dient, auch die Ersten waren, welche sich auf dem Marsche durch eigenthümliche Hornkläuge begleiten ließen. Diese Marschtöne dienten ihnen dazu, im Dunkel der Nacht, im Pulverdampf, im Nebel u. s. w. sich zurecht und zusammen zu finden. Diese Einrichtung erwieß sich so zweckmäßig, daß bald jedes Regiment in Algier seinen eigenthümlichen Marsch dieser Art annahm, welcher gleich- sam die Regimentsmelodie wurde, die man stets mit Stolz auch iu den gefährlichsten Augenblicken erklingen ließ, um weithin schallend anzuzeigen, das... Regiment sei auch dabei.

In einem Kampfe mit den regulären Truppen Abd⸗ el⸗Kaders waren den Zuaven die Patronen ausgegangen, und rasch entschlossen griffen sie zu Steinen, warfen damit heftig auf die Feinde und retteten so das zum großen Theil vernichtete 17. Regiment.

Da indeß Menschen sehr verschiedener Art in diesen Regimentern vereinigt sind, die zwar meist gutmüthig und immer tapfer sind, größtentheils aber auch heftige Leiden⸗ schaften besitzen und dieselben nicht gern beherrschen, so müssen die Offtziere und Führer derselben Männer von Energie sein, die strenge Diseiplin halten, freilich nicht gamaschenartige, sondern gelegentlich über unschuldiges Versehen ein Auge zudrücken: müssen sich die Liebe ihrer Soldaten erwerben, unerschütterliches Vertrauen, Achtung und wohl auch Furcht, dann ist ihnen mit solchen Leuten alles auszuführen möglich. Die Zuaven selbst rechnen zu ihren besten Offizieren Lamoriciere und Cavaignac.

d e c . S Y

Schwimmende Batterien gegen Kronstadt und die

Nasmith'sehen Schmiedeisen⸗Kauonen. . Unter den Dutzenden neuen, furchtbarer Zerstörungs⸗ und Vernichtungsmittel des Krieges, welche das sonst friedlich und für Kulturzwecke erfindende Genie allen christ⸗ lichen Regierungen nebst geheimer Gebrauchsanweisung fast täglich anbietet, sind die Meisten zurückgewiesen, Andere bis auf Weiteres bei Seite geschoben und nur wenige ausgeführt worden. Unter den letzteren nehmen die schwimmenden Batterien, eine französische Erfindung und von den Engländern am Großartigsten ausgeführt, in krie⸗ gerischer Beziehung die respectabelste Stellung ein. Sie sollen die elementarische Differenz in der Macht Englands und Rußlands beseitigen und die Wallfischmacht ersterer gegen die Löwengewalt letzterer zur Geltung bringen.

Zunächst versuchte man dies mitEil⸗Boten, aber sie gingen zu tief, ohne schwer genug in ihren Waffen zu sein. Die französische Idee schwimmender Vatterien ward von det englischen Regierung mit Begierde aufgenommen und bereits in vierzig gewaltigen Eremplaren ausge⸗ führt. Die meisten diefer Schiffe werden auf ihrer Bat⸗ terie⸗Seite jedes mit zwölf der größten Lancaster⸗Kanonen

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und es ihm zur Verfügung stünde.

Hafen

versehen. Sie sind alle nach einem Modell gebaut, mit flachem Boden und runden Vorder-und Hintertheilen, 180 Fuß lang, 56 weit und 21 tief, jedes von 2000 Tonnen Gehalt und von 200 Pferdekraft Dawpfschraube getrieben, wenn das Segelwerk nicht hinreicht oder der Wind nicht gehörig benutzt werden kann.

Das Neue in der Construktion besteht hauptsächlich in bombenfesten Seiten und Ober-Decks, unter welchen die eigentlichen Kampf⸗Decks hinlaufen. Die Häute dieser Schiffe sind die dicksten, in welchen je die furchtbarsten Ungeheuer gesteckt haben mögen, dicke Eisenwände mit, Schmiedeeisenplatten. Jede Platte ist 12 Fuß und 4. Zoll lang, 2 Fuß 10% Zoll breit und Zoll dick und wiegt 56 Centner. Man hat diese Häute mit den allerschwersten Kanonenkugeln aus den schärfsten Lancaster⸗ Kanonen gekitzelt, ohne daß sie nur eine Miene verzogen und sich so überzeugt, daß etwa 30 dieser Batterien, Hand in Hand zwischen dem Kanonensprüh-⸗Frühlingsregen der großen Straße von Kronstadt hineinschwimmend als gute Regenschirme dienen könnten, während sie selbst die granitne Erhabenheit der Forts und Festungswerke im Trocknen zermalmen.

Dundas soll 30 dieser schwimmenden Batterien mitbekommen haben zu seinen 20 Schraubendampf-Kriegs Schiffen a 80 bis 120 Kanonen, 35 Fregatten und un⸗ zähligen kleineren Fahrzeugen mit 100,000 Mann. Diese neue Flotte ist sonach noch viel gewaltiger als die Na⸗ piers, abgesehen davon, daß sie klüger und kriegerischer geworden und fest entschlassen sein soll, die in's Wasser gesallene Flottenehre wieder heraus und ins Trockne zu bringen. Der Privat⸗Enthusiasmus der Engländer hat und schafft wenigstens die Mittel dazu und hat die Regierung, wie überhaupt zum Kriege, auch dazu genö⸗ thigt, diese Mittel anzunehmen, da sonst die Drohung mit einer Privat⸗Banque zur Führung des Krie⸗ ges(einer bedeutungsvollen Kategorie) wahrscheinlich ausgeführt worden wäre.(Forts. folgt.)

O- OO OH ο

Moskau Patriotismus. Von der höchst merk⸗ würdigen Eroberung des asow'schen Meeres, der Haupt⸗ quelle für den Proviant der russischen Krim-Armee, sind mancherlei Berichte von Augenzeugen da. Völlige Unbe kanntschaft mit den verschiedenen Tiefen hatte die merk⸗ würdige Expedition der Allirten(obgleich sie längst wuß⸗

ten, daß der Weg nach Sebastopol wesentlich über Kertsch

führte) so lange verzögert. Die Art, wie man zu der nöthigen Kenntniß kam, ist erstaunend. Ein englischer Seeofstzier hatte ein russisches Schiff erobert, auf welchem sich eine Privatequipage des Gouverneurs von Kertsch befand. Er schickte höflich eine Botschaft an denselben, daß er ihm sein Privateigenthum nicht vorenthalten wolle Das Anerbieten ward dem Gouverneur angenommen, und so liefen die des englischen Schiffes mit der Equipage in den von Kertsch ein und peilten und sondirten das Wasser unterwegs sorgfältig. So fand man, daß es einen Weg für kleinere Dampfschiffe bis ganz nahe an die Küste gäbe. Diese Entdeckung führze zu der merkwürdigen Er⸗ pedition, aun welche die Russen durchaus nigt gedacht zu haben scheinen, so daß sie im panischen Schrecken überall landeinwärts flohen und sich nur Zeit nahmen, alle die ungeheuern Lebensmittelvorräthe, Magazine und Gebäude, die dem Feinde Vortheil gewähren könnten, durch Brand und Erplostonen zu vernichten. Die Expedition bestand aus 10,000 Fränzosen, 5000 Türken und 3500 Eng⸗ ländern, wonach die englischen Blätter sehr wenig Berech⸗

von

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