igung zu dem majestätischen„Wir“ haben. Die Schöpfer und Armee der Expedition waren Franzosen. Wenn's nach den Engländern gegangen wäre, würde man die Furcht vor den 40 in der Straße von Kertsch versenkten Schiffen fortgesetzt haben; obgleich sie längst von Grundeis und Strömung weggeschwemmt worden waren. Die ganze Macht belief sich auf zwölf große Linienkriegsschiffe, 50 Fregatten
und eine Menge kleinere Fahrzeuge und Kanonenboote
unter dem Haupt-Commando des französischen Admirals Bilat, der englischen Abtheilung unter Sir E. Lyons. Am 25. Mai, dem Geburtstage der Königin von England, (den Lord Raglan vor Sebastopol durch doppelte Portio⸗
nen Fleisch für sich und die Armee feierte) von Mittags
1 Uhr an, zogen sich die Schiffe in der Straße von Kertsch zusammen, die an ihren engsten Stellen bis etwa 1/ deutsche Meile, bei Menikale freilich durch eine weit aus⸗ gestreckte Sandbank auf kaum ½ Stunde sich verengt. „Als wir,“ schreibt ein Augenzeuge,„etwa um 3 Uhr
um die Taklispitze herum in die Straße von Kertsch ein⸗
fuhren, hatte ich eine gute halbe Stunde Gelegenheit, das links hingestreckte Land zu studiren, Ebenen, Rücken und Runzeln und Hügel zwischen dem üppigsten, saftigsten, blüthenreichsten Grün des Mai's, dazwischen zerstreute ärmliche Häuser und Hütten und schwarze, traurige Salz— sümpfe. Aber bald zog sich unsere Aufmerksamkeit aus⸗ schließlich hinauf nach Kertsch, von wo ferne Donner und weiße Rauchwolken den begonnenen Kampf verkün⸗ digten, der freilich eigentlich blos als das großartigste Feuerwerk gelten kann. Plötzlich erhob sich eine ungeheure weiße Rauchsäule wie ein gigantischer Ballon. Es folgte ein dumpfes Gekrach: ein Magazin war in die Luft ge⸗ sprengt worden. Kurz darauf dasselbe Phänomen; einige Minuten später zitterte das Schiff unter unsern Füßen, das Meer bedeckte sich mit zitternden Wellen, die Erde bebte, ein unbeschreibliches, dumpfes Krachen wälzte sich durch die Luft: ein Pulvermagazin war in die Wolken geschleudert! Nicht lange darauf wiederholte sich dieses donnernde Krachen dreimal auf einmal, ein dreifaches Donnern in einem großen Athemzuge: drei Magazine in die Luft geschleudert!— Später stiegen hier und da Flammen mit schwarzen Rauchwolken auf, hier auf dem Lande, dort auf dem Meere. Häuser und Dörfer und Magazine und Schiffe brannten. Letztere wälzten sich rath⸗
los und gleichsam von zweifachem Tode, dem Ertrinken
und dem Feuer, schmerzhaft gequält, lange umher, bis sie, halb sinkend, halb vom Feuer vernichtet allmählig mit ih- ren Flammen versanken. Und als nun der bleiche Mond am klaren Himmel aufstieg und bald zwischen schwarzem Rauche heller, bald über aufflackernden Flar⸗men bleicher, bald hinter neuen und sich die ganze Nacht hindurch wie⸗ derholenden Explostonen ganz unsichtbar zu werden schien, aber doch immer ruhig blieb, ohne sich um diese furcht⸗ baren Feuerwerke der Zerstörung zu bekümmern, kam uns das Gefühl, daß wir eine Kriegsscene erlebten und spiel⸗ ten, wie sie in der Geschichte wohl niemals so großartig, so unblutig und doch so gewaltig in ihrer Erscheinung, so wichtig in ihren Erfolgen vorgekommen sein mag.“ (Jedenfalls ist dadurch den Russen ihre Hauptlebensmit⸗ telquelle abgeschnitten und das Ministerium Palmerston, das schon im vollständigen Falle war, noch auf eine neue Frist gerettet worden.)„Wir landeten, wie die meisten Truppen, zwischen einem Salzsee und den Klippen von Ambulaki, einem Dorfe zwischen zwei vollständig verlasse⸗ nen Batterien, von wo aus die Hauptarmee ohne allen Widerstand in Kertsch eingedrungen war.
Die chinesische Staatszeitung. Man wundert
dem Dieb ein Ohr ab.
sich über die großen englischen und amerikanischen Zeitun⸗ gen, obgleich sie gegen die Pekingzeitung, deren Redacteur der Kaiser selbst ist, sehr klein erscheinen. Sie ist der allgemeine„Moniteur“ des ganzen Reiches und enthält jedesmal eine Uebersicht aller öffentlichen Angelegenheiten und merkwürdigen Ereignisse, die an den Kaiser gerichte⸗ ten Petitionen und seine Antworten darauf, seine Befehle und Instructionen an die Mandarinen und das Volk, Gerichtsentscheidungen mit Verurtheilungen und Begna⸗ digungen und Inhaltsangabe der Berhandlungen des Staatsrathes. Sie erscheint täglich auf 60 bis 70 Folio⸗ Seiten und kostet nicht mehr als jährlich etwa 12 Franks. So theilt uns der Franzose Hue mit, der merkwürdigste China- und Thibetreisende, der allein und ohne Schutz nicht nur durch das ganze China drang, sondern mitten in das verschlossene Priesterreich Thibet, das Land des Dalai-Lama, der bisher keinen Fremden in seine Myste⸗ rien eindringen ließ. Le Hue kam überall mit Schlauheit noch öfter aber mit unverschaͤmter Courage und imponi⸗ render Tollkühnheit durch.
Vor Kurzem ereignete sich in der Stadt Mn, wo Theater war, ein drolliger Zwischenfall. Man gab die Zauberin Sidonia. Als nun Sidonia vor dem geistlichen Gerichte stand, erscholl die furchtbare Stimme des Ober⸗ richters:„Ist sie schuldig oder ist sie nicht schuldig?“ Freilich, rief eine Stimme aus dem versammelten Pu⸗ blikum, ist sie schuldig, mir allein achtzehn Silbergroschen für Sahnenkuchen. Die Stimme gehörte dem Zuckerbäcker des Orts. f
Ein Gauner ließ sich gelüsten, einem Herrn in einem Londoner Schauspielhause die silbernen Knöpfe von seinem Rocke abzuschneiden. Als der Herr das Manöver merkte, zog er geschwind ein scharfes Messer hervor und schnitt „Halt!“ schrie der Verwundete, „da sind Ihre Knöpfe!“— Schön,“ sagte der Beraubte, „hier hat er auch sein Ohr wieder.“ b
Man machte Jemand den Antrag, er solle eine Wittwe von 36, Jahren heirathen.„Ach,“ erwiederte er,„wenn es einmal 36 Jahr sein sollen, so nehme ich lieber zwei Mädchen, jedes mit 18 Jahren.“
Zwei Matrosen wanden einen Tau an Bord,„Na,“ sagte der eine:„was ist denn das, das Ende will ja gar nicht kommen?“— das muß Eener abgeschnitte hawe! erwiederte der andre.
Richter. Also Scharfrichter Hencke, Sie können in keiner Weise diesem hier aufgetretenen Gläubiger Ihre Schuld bezahlen? Scharfrichter. Nein, Herr Richter, in dieser trau⸗ rigen Zeit, wo fast alle Geschäfte stocken,, ist mirs nicht möglich. ö 55.
Richter.
Dann sehen Sie doch zu, daß Sie's an ihm abverdienen können?
Scharfrichter. Das möchte ich gerne, aber—
Schlammbeißer. Düses freit mich, Emil, daß die Alle⸗ jirte nu auch noch bei Asoff Platz genomme hawe, nanu hawese de Ostsee,'s schwarze,'s weiße unn e Asoffsche Meer, mehr kaun m'r doch nitt verlange? i
Canalmüller. Doch, Hammelcher, ich wünscht, se hätte mehr Land!
Schlammbeißer. Unn de Donau iß frei.
Canalmüller. Hürtjös, was wer'n sich da de Leit ab⸗ saufe! N 2214


