unartieulirtes Geheul und eine vermummte Gestalt, in welcher wir sofort unsern tättowirten Piepen⸗
brinck erkennen— stürzte auf den erschrockenen Schä⸗
fer los!!—
Periculum in mora— hui! wie setzte der faule Schäfer über den breiten Waldgraben und rannte. über die Haide!— Aber sein rascher Lauf ward plötzlich gehemmt, denn in Folge der gewaltigen Erschütterung senkte, rutschte und quoll das un⸗ glückselige Rehbocksgescheide unaufhaltsam hervor, welches der Schäfer natürlich für seine eigenen Eingeweide halten mußte!— Starr vor Ent⸗ setzen bleibt er einen Augenblick stehen, dann packt er verzweifelnd mit beiden Händen zu, preßt die theure Bürde krampfhaft gegen den Leib und rennt unter Zetergeschrei dem Hofe zu. Hinter und neben ihm galoppirt die Heerde hoch wirbelt der Staub auf, aus dem Walde fällt Schuß auf Schuß und in Zwischenpausen gellt Piepenbrinck's indianischer Schlachtruf in Mark und Bein durchdringender Wahrheit!
So rannte der Schäfer in seiner Herzensangst unter lautem Hülferuf— Hügel auf und ab— dem schützenden Hofe zu. Schon hat er die ersten Ge⸗ bäude fast erreicht— da stolpert er— er— und das sämmtliche Gescheide entstürzt den schützenden Händen. Halb ohnmächtig sinkt der Schäfer dane⸗ ben auf den Boden und schließt die Augen.—
So lag er eine Weile bewußtlos und versimpelt— Als er etwas zur Besinnung kam, war ihm der Kopf so wüst, als ginge ein Mühlrad drin um. Er glaubte einen gräßlichen Traum geträumt zu haben.— Zweifelnd und zitternd schielte er endlich nach der Stelle, wo die Eingeweide— seiner Mei— nung nach— liegen mußten. Es war aber nichts zu sehen, gar nichts.— Die Hoffnung, daß Alles nur ein Traum sey— dämmerte langsam in ihm
auf— er schaute um sich— da bemerkt er mit Schrecken, daß der Boden neben ihm und seine Kleidung— rothgefärbt war.— Jetzt kommt sein
Phylax wedelnd heran, aber er kroch scheu und ängstlich, als habe er etwas verbrochen.— Er leckt die blutbefleckte Schnauze— ein gräßlicher Gedanke steigt dem Schäfer auf,—„Der Hund hat seine Eingeweide gefressen!!!
Da senkle sich's wie Blei wieder auf seine Augen herab und lange sah und hörte er nichts von der Welt um ihn her. Als er später erwachte und die Bauern lachend ihn umstanden, schwur er hoch und
theuer dem Jäger gelegentlich„einen Waidmann“
zu setzen, woran er Zeitlebens denken sollte. Viel- leicht erhalten wir später Kunde, ob es ihm ge⸗ lungen. f A. Beckmann.
Der tapfere General Forey, der sich wiederholt vor Sebastopol ausgezeichnet, aber nie vom Ober⸗ general Canrobert in seinen Schlachtberichten war genannt worden, fand sich dadurch beleidigt und hat seinen Abschied eingereicht. Man sagt, der tap⸗ fere General sey deshalb mißliebig gewesen, weil er von Gesinnung ein Republikaner sey. Als die Sol⸗ daten davon Kunde erhielten, daß sie ihr geliebter und tapferer General verlassen wollte, murrten sie laut und hunderte von Stimmen riefen: Vive la republipue! In Folge dieses verbrecherischen Ru⸗ fes wurden sofort zahlreiche Verhaftungen vorge⸗ nommen und eine ganze Menge Zugven mußte brum⸗
men. Wer bei den Franzosen vor vier Jahren nicht Vive la republique, sondern Vive Pempereur ge— rufen, würde gleichfalls haben brummen müssen. Es ist fürwahr etwas Widriges bei diesem Volke, daß man heute so und morgen so rufen muß, will man nicht der Polizei in die Hände gerathen und der Freiheit beraubt werden. Wer in Frankreich früh aufsteht, muß sich zuvor allemal erkundigen, ob Kaiserthum, Königreich, Republick oder sonst was ist, damit er kein verbrecherisches Vivat hoch aus— bringt; denn in Frankreich wechselt bekanntlich die Regierungsform über Nacht und wie man die Hand wendet. Es wird nicht uninteressant sein, die Ge schichte des ehrlichen Korbmachers Bertrand zu hören:
„Dieser hatte einen guten Markt gehalten und war alle seine Körbe los geworden. Erfreut ging er in eine Weinboutique und trank ein Gläschen über den Durst. In der Kneipe saßen noch einige andere Zechbrüder, welche sich sehr mißliebig über Ludwig Philipp aussprachen, Bertrand fing ebenfalls Feuer und ärgerte sich über den Bürgerkönig, der ihm nicht genug bürgerlich zu sein schien. Als er etwas schief geladen auf die Straße trat, glaubte er seinem patriotischen Zorne Luft machen zu müssen und rief daher ans Leibeskräften: Nieder mit Lud⸗ wig Philipp! Kaum waren diese Töne erklungen, als sich der Korbmacher Bertrand am Kragen ge— packt fühlte und nach der Polizei transportirt wurde. Hier ward er wegen hochverrätherkischen Rufes ohne Weiteres zu dreitaͤgiger Brummung verdonnert. In der Einsamkeit seiner Zelle hatte der Korb- macher Muße über das Unpassende seines Pereat nachzudenken und gute Vorsätze zu fassen. Dies soll Dir nicht wieder passtren, sprach er zu sich, daß man Dich wegen eines en bas oder eines vive einsperrt. Während aber der Korbmacher brummte und gute Vorsätze faßte, war die Februarrevolution
ausgebrochen und hatte binnen wenigen Stunden
mit Ludwig Philipp Schicht gemacht. Endlich, am dritten Tage, tagte für den Korbfabrikanten der Freiheitsmorgen. Er war indessen vollkommen nüch⸗ tern geworden, hatte aber von der indessen vor sich gegangenen mutatio rerum(Veränderung) keine Ahnung. Er wollte seine vorherige Unbesonnen- heit durch wohlberechnete Klugheit wieder gut machenz und sein Erstes, als er auf der Gasse erschien, war daher, daß er aus Leibeskräften rief: Vive Louis Philippe, le bon Louis Philippe! Alle Donner⸗ wetter! Kaum gerufen, auch wieder gepackt und vor die Polizei geführt. Hier dasselbe Urtheil, wie vor drei Tagen: wegen hochverrätherischen Ruf's bekam der arme Korbkopp wieder dreitägige Brum—⸗ mung. Aehnliches kann man in Frankreich sehr oft erleben, daher man am Besten thut gar Nichts zu rufen.— Was nun den erwähnten tapferen General Forey anbelangt, so soll nach neueren Nachrichten Napoleon III. das Entlassungsgesuch nicht angenommen haben und der General seinen Kameraden wiedergeben sein.
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Der Vieekönig von Aegypten muß ein prächtiger Kauz sein; jedem Musensohn ist ein solcher Vi⸗ eekönig als Papa zu wünschen. 30,000 Beutel mit Moos hat er dem Sultan zur ferneren Krieg⸗ führung gesandt.
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