Ausgabe 
1.9.1918
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Gießen.

Nr. 20.

1. September 1018.

Monik.

Ter August steht unter dem Zeichen einer großange­legten Offensive der Franzosen. Engländer und Ameri­kaner ge^.en die deutschen Linien im Westen. Hier kommt uns nun der außerordentliche Geländegewinn unserer Früh- jahrsoffenfive in Frankreich zu gute. Wir brauchen nicht on der in raschem Vorstoß damals gewonnenen und nicht nach der Tertridigungsmöglichkeit gezogenen Linie starr fest­zuhalten, sondern können so viel von dem Gelände aufgeben, bis wir in günstiger Verteidigungsstellung stehen. Wenn auch die Städte Albert, Roye und Noyon von uns geräumt wurden, ist der Entente trotz größter Kraftanstrengung eine Durchbrechung unserer Linien nicht gelungen.

In Rußland vermag sich die Sowjet-Republik der Angriffe ihrer Feinde kräftig zu erwehren. Die an der Murman-Küste gelandeten französischen und englischen Streitkräste erlitten am 21. August bei Omega eine schwere Niederlage und dadurch wurde ihr Versuch, sich mit den Tschecho-Slowaken im östlichen Rußland zu einigen, zum Scheitern gebracht. Auch im Gebiete von Kasan wurden die Gegenredolutiorräre von den Sowjettruppen geschlagen. Damit dürfte der Bestand der Sowjet-Republik für die nächste Zeit sichergestellt sein. Auch in Sibirien, wo eine englisch-franzLsisch-japanische Armee gelandet wurde, ist es der Entente noch nicht gelungen, Fortschritte zu er­zielen. Unter diesen Umständen ist der Ergänzungsvertrag des Friedens von Brcst-Litowsk, der am 27. August unterzeichnet wurde, von besonderer Bedeutung. Durch diesen Vertrag ist jetzt auch Esthland und Livland endgültig aus Rußland auszeschieden und zählt nunmehr zu den Randstaaten, deren Selbständigkeit unter Anlehnung an das Deutsche Reich ausgebaut werden soll. Das gute Ver» haltnis, in dem Deutschland zur russischen Sowjet-Republik steht, hat auch durch die Abreise des deutschen Bot­schafters Dr. Helfferich aus Moskau keine Trübung erlitten und' man darf mit der Aufnahme wirtschaftlicher Be­ziehungen in der nächsten Zeit rechnen.

Den österreichischen Truppen unter Pflanzer» Baltin ist in Albanien im Devoli-Tal ein großer Er­folg beschieden gewesen. Die Italiener haben vor dem An­griff der Oesterreicher ihre Stellungen aufgeben müssen.

Tie Verhandlungen zwischen Deutschland, Oesterreich und Polen haben in der letzten Zeit die polnische Frage der Lösung näher gebracht. Die austropolnische Lösung, die Polen in Personal-Union mit Oesterreich einigen wollte, scheint aufgegeben zu sein, dagegen darf man Wohl mit der Wahl eines österreichischen Erzherzogs zum König von Polen rechnen.

In Ostafrika ist unseren Truppen im Bezirk vost Ouelimano ein neuer Erfolg beschieden gewesen.

Kotes Hl'as.

Eine wahre Begebenheit.

Von Max Maria v. Weber.

(Schluß.)

Das magische, so mächtig und unwiderstehlich be­herrschende Glas entfernt der Bahnwärter Janos aus der Laterne und legt es sorgsam neben seinen milder herrschenden Genossen, das grüne, auf den Tisch, und zündet ihre Flamme an. Aufmerksam sitzt das Kindchen im Bette auf, seiner Arbeit zuschauend, in erst halb erlernter Sprache mühsam und gebrochen und doch kindlich unermüdlich plaudernd und fragend, so daß Janos endlich das krause dunkle Köpfchen mit ernster Mahnung, nun zu schlafen, auf das Kissen Niederdrücken mutz, ehe er, den Zug erwartend, vor das Haus tritt.

Das Kind aber schläft nicht verstohlen hebt eS das Köpfchen wieder empor. Da liegen sie ja auf dem Tische, die wunderbaren Tafeln, durch welche die Mutter einmal seine dunkeln Augen in die Welt blicken ließ. Es war damals Winter und doch das eine Glas machte, daß der ganze helle, grüne, sonnige Frühling da war, und vor dem andern fuhr es zurück da brannte ja die ganze Welt! W.'e gern hätte da8 Kind das Wunder noch einmal gesehen, aber der Vater hatte mit harter Strafe gedroht, wenn es sich unterstünde, eine der Tafeln in die Händchen zu nehmen und da lagen die Tafeln jetzt, ganz wie des Kindes Schiefertafel, harmlos aus d

Vater war draußen, ach

em Tasche und nur einen Blick!

der

Indes sitzt Janos vor dem Hause auf dem Holzstumpse, auf dem die.Frau ihr Küchenholz spaltet, das Signal erharrend. Dienst und Kinder und Sorgen gehen im Halbschlummer an ihm vorüber. Da raschelt es knackend und schwer niedertretend im Kukuruz das ist ein Büffel, der den Weg nach dem Wasser des Bahngrabens sucht! Er kann über die Bahn trotten, wenn der Zug kommt, er­reicht werden ausgleisen machen mit seinem ungeschlachten Körper; eilig bückt sich Janos nach dem für solche Fälle unter dem andern Werkzeuge liegenden Stachelstock zum Treiben der Stiere da wird ihm eine dicke Bunda über den Kppf ge- worsen, kräftige Arme umschlingen, ihn fast erstickend, seinen Hals; ehe er sich aus seiner gebückten Stellung ausrichten kann, ist er zu Boden geworfen und ge­bunden, aber, obgleich dumpf, dringt doch durch

den seinen Kopf umhüllenden groben Stoff, laut genug die Raubgesellen zu erschrecken, sein Hilfs­geschrei.

Macht den Kerl doch stumm 1' hört er eine Stimme flüstern.

Totschlägen?" fragte eine andere Stimme.

Meinetwegen! Rasch rasch."

Nichts da! Nicht totschlagen." flüsterte eine dritte.Hat er euch denn gesehen und erkannt?

Nein? Nun, so stopft ihm nur das Mau! tüchtig!"

Womit?"

Reißt die Signalfahne vom Stock so! und nun haltet ihm die Nase zu. Sobald er das Maul auftut, hinein mit der Fahne, unter die Bunda und tüchtig mit dem Knüppel hinterhergestoßen; erstickt er, ist's seine Sache so, der ist jetzt stumm!"

Wie ein Bündel Holz wird Janos hinter einen Holzstoß geworfen, wo sein dick umhüllter Kopf schmerzlich gegen die Scheite schlägt.- Da dringt es grell und dröhnend durch all die erstickende Umge­bung an sein Ohr: Glockenschläge eins zwei

Pause eins zwei das elektrische Sig­nal des kommenden Zuges.

Heilige Mutter Gottes, wenn der hielte, wäre alles gerettet!" denkt der Geknebelte in seiner Todes­angst,aber warum soll er halten?"

Donnerwetter!" hört er dann rufen,da kommt der Zug; ich dachte, er sei längst vorüber. Wenn der hält, holt uns der Teufel. Geschwind, die Laterne hinaus, da steht sie in der Stube. Weißes Licht gegeben, damit er vorbei stolpert. Gott ver­dammt ! Ehe der Zug vorbei ist, kann nichts gemacht werden, die Kasse ist festgeschranbt, wir brauchen

Zeit!"

Janos hört die Tür schlagen, rasche Fußtritte mehrerer Männer.

Hier ist die Laterne; gib du das Zeichen, du ver- stehst's. Ihr anderen tretet hier in den Schatten!"

Dann wird's still, ganz still. Da beginnt e8 in der Ferne klappernd zu dröhnen der Zug! da ist der Zug! Das Dröhnen kommt näher, die Schienen beginnen leise zu klirren.

O allergnädigste Mutter Gottes, tue ein Wunder, halt ihn an!" seufzte Janos;ich hänge ein zinnern