Ausgabe 
15.4.1918
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Gießen.

Nr. 11.

IS. April 1918.

Aus den Hilferuf Finnlands hin wurden am 3. April 12000 Mann deutsche Truppen auf TammerSfors gelandet. Im Verein mit den Weißen Gardisten wird es ihnen sicher­lich -klingen, die Rote Garde endgültig zu besiegen, um endlich dem hartgeprüften Lande den Frieden zu bringen. Außer wenigen Bandenkämpfen in der Ukraine fiel im Osten, einschließlich Rumäniens, nichts vor. Die Unterzeichnung des Friedensvertrages dortselbst ist in Bälde zu erwarten.

Nachdem die Offensive der Engländer in Mesopotamien zuerst einige Erfolge gezeitigt hatte, ist durch das Ein­greifen deutscher Truppen das Gleichgewicht dort wieder hergestellt, und die Engländer beginnen fich bereits zurück- zuziehen.

Nach wie vor konzentriert sich unser ganzes Interesse auf die großen Ereignisse im Westen. Nach Erreichung gewisser strategischer Ziele trat eine gewiffe Pause in den kriegerischen Operationen ein, die von unserer Heeresleitung zur Herbeischaffung der schweren Artillerie, Umgruppierung von Truppen und zu sonstigen wichtigen Vorbereitungen benutzt wurde. Am 4. April setzte erneute Kampftätig- keit an beiden Ufern der Somme und an der Oise ein, wo unseren Truppen wieder große Sturmerfolge beschießen waren. Engländer und Franzosen opfern in überaus bluti­gen Gegenangriffen nutzlos ihre Truppen. Die Kamps- Handlungen sind in der Entwicklung begriffen und wir stehen vor großen Ereignissen, die wir im Vertrauen auf die Pläne unserer Heeresleitung erwarten dürfen. Die alleinige Schuld der Entente an der Fortsetzung des Blut- Vergießens geht erneut hervor aus den Enthüllungen des Grafen Czernin. denen zufolge im Jahre 1917 sowohl wie Anfang 1918 Fühlungnahme zwecks Friedensverhandlungen genommen wurde, die daran scheiterten, daß Clemenceau an der unsinnigen,Forderung einer Abtretung Elsaß-Lothringens an Frankreich festhielt.

Klocken stimmen.

Von Untoffz. Ernst Bach. z. Zt. Res.-Laz. Lehrer­seminar, Freiburg i. Br.

(Aus unserem VH. Preisausschreiben.)

Der serbische Feldzug mit seinen ungeheuren Anstrengungen für Mensch und Tier, die aber im Taumel des unaufhaltsamen, siegreichen Vorwärts- ltürmens gern und willig ertragen wurden und über den Siegerfreuden bald vergessen waren, lag hinter uns. Hatten wir einen echten, rechten, Be­wegungskrieg mitgemacht, so sollten wir auch den Stellungskrieg, und zwar gleich in seiner gewaltig­en Form, kennen lernen. Ununterbrochen tobte ^eit acht Wochen die Schlacht vor Verdun' das ge­waltige Artilleriefeuer zerrüttete unsere Nerven, stumpfte ab gegen Freud und Leid machte un­empfindlich gegen alle feineren Regungen und Emp­

findungen der Seele. In dem wochen- und mo­natelang immer gleichbleibenden, von keinem Sonn­oder Feiertag unterbrochenen, grausigen Ringen meldete sich erst leise und schüchtern, dann immer lauter und stürmischer der sehnsüchtige Ruf nach Ruhe, nach einem Stündchen behaglichen Ausruhens von der Blutarbeit der vergangenen Wochen. Ach l käme doch die selige Zeit nochmal wieder, wo wir am Sonntagmorgen unter feierlich-trautem Glocken­geläute der Heimat dem stillen Gotteshaus zupil- gerten. Ob wir das je nochmal erleben werden? Gab es denn das überhaupt noch? Gab es Ge­genden, die noch in friedlicher Ruhe dalagen und deren Gefilde nicht von Granaten zerwühlt waren?

Und plötzlich kam die tückische Krankheit, rasen­des Fieber peinigte wochenlang den matten Körper. Dem Tod draußen in Graben und Unterstand in seiner tausendfachen Gestalt war ich glücklich ent­ronnen, aber ein noch viel grausamerer saß neben meinem Bett und grinste mich, sein sicheres Opfer, höhnend an. Der Hals drohte mir zuzuwachsen, nur mühsam und rasselnd konnten die Lungen die kostbare Luft einatmen. Tag und Nacht lag ich da einsam und verlassen oben im Dachwinkel des Kriegslazarettes, als einzigen Gesellschafter den kalten Tod neben mir, der gierig nach meinem jungen Leben griff. Und Loch wollte ich noch nicht sterben, konnte nicht sterben, mit tausend Banden hing ich noch am Leben. Warum hatte mich drau­ßen nicht eine Granate weggerissen, schnell und schmerzlos, warum mußte ich hier langsam, tropfen­weise mein Leben von mir geben? Ach! wäre ich nur daheim bei meinem armen Mütterlein, das sich sorgte und grämte über den Sohn, der keine Karte und keinen Brief mehr schrieb; ach! hätte ich nur ein einziges Zeichen der Heimat, der lieben, teuren, gerne wollte ich dann sterben! Aber nichts, gar nichts, ganz allein draußen in Feindesland, als Diphtheriekranker von den Menschen gemieden, nur hin und wieder das ängstlich-fragende Gesicht des Wärters gewahrend. Da grinst wieder der schaurige Totenschädel über mir, mit seinen dürren Knochenarmen will er mich fassen! Ich stöhne und ächze, kalter Schweiß steht mir auf der Stirne, ein Kampf und ein Ringen hebt an, schrecklicher und grausamer als draußen die tobende Schlacht. Da, horch ! Was ist das? Ein tiefer, melodischer Glocken­klang tönt an mein Ohr, ein zweiter, dritter folgt. Gierig, wie ein Ertrinkender nach dem Rettungs- seil, greift mein Inneres nach diesen wundersamen.

beruhigenden Glockentönen, Friede und Ruhe ziehen in die Seele, mein ganzes Sein ist Horchen und Lauschen, und voll und immer voller tönt das Ge­läute. Nun bin ich ja daheim, daheim, geborgen und sicher und glücklich, zufrieden und selig schlummre ich ein der Gesundheit und dem Leben ent­gegen.

Hstergedanken zur achten Kriegsanleihe.

Von Gustav Frenssen.

Das deutsche Volk hat nun fast vier Jahre lang seine Kräfte angespannt wie nie zuvor und wie nie ein Volk vor ihm.

Bald vier Jahr lang stand nun seine junge Mannschaft vor dem Feind, stand in Gräben und spähte und sprang heraus und stürmte vor und wagte ihr junges Leben für das Land, oder stand in den Batterien r^id bediente treu und tapfer die Geschütze, immer vor Augen, plötzlich mit Eisen­hagel überworfen, ja gänzlich vernichtet zu werden.

Immer wieder, bald vier Jahr lang, stand die Mannschaft der Flotte auf den großen und kleinen Schiffen, allein und im Verband auf ihrer Wacht, und fuhr hinaus und suchte den Feind und suchte Gefahr und Not, und immer wieder . . gestern wieder, vorgestern auch . . ziehen seine U-Boote hinaus . . es weht die Fagge und der Wimpel; sie stehen im Kranz um den Turm und grüßen noch einmal die Heimat.

Immer, schon vier Jahr lang, gehen sie in die Fabriken, und feuern und schieben, und messen und feilen, und fassen und richten: morgens, wenn der Tag graut, zur Tagesarbeit, abends, wenn es dunkelt, zur Nachtschicht. Immer, fast vier Jahre schon, ist der Geist des Volkes auf der Wacht; in den Gemächern der Diplomaten, in den Stuben der Feldherren, in den Sitzungssälen des Reichstags, an den Tischen der Zeitungen, in den Räumen der Magistrate, in den Sälen der Chemiker und der Fabrikanten, in den hochgemuten Worten in den Kirchen, in den Gesängen in den Schulen, in den tapfern Briefen und Gebeten der Frauen, Mütter und Kinder.

Alle Kräfte, alle . . sind wach in dieser Sturm­zeit unseres Volkes. Trotz aller inneren Unrast