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Gießen.

Nr. 1b.

1. Suli IblS.

Khronik.

Die zweite Hälfte des Juni ist durch die Offensive der Oesterreicher gegen die Italiener charakterisiert. Am 15. Juni begann die Offensive mit dem Uebergang über den Piave, der an mehreren Stellen von den Truppen der Armee Boroevic überschritten wurde. Den Oester­reichern gelang es, einen Teil des Montello, eines GebirgS- stocks auf dem westlichen Piaveufer,, zu besetzen- Zugleich wurden in der Gegend der sieben Gemeinden starke öster­reichische Angriffe vorgetragen. Da aber der Piave durch Hochwasser anschwoll und für die Oefterreicher Munitions­und Proviant-Nachschub infolge der Zerstörung der Brücken unmöglich wurde, sah sich die österreichische Heeresleitung genötigt, am 2-1. Juni ihre Truppen wieder über den Piave zurückzunehmen. Die Loslösung vom Feinde geschah ohne große Verluste. Ebenso waren die erkämpften Ge-

birgsstellungen auf die Dauer nicht haltbar. Wenn auch die österreichische Offensive so zu keinem dauernden stra­tegischen Gewinn geführt hat, hat sie doch bedeutende

italienische Kräfte gefesselt und so die Westfront ent­

lastet. Sie hat außerdem den Italienern große Verluste zugefügt, allein an Gefangenen wurden 50 000 eingebracht, denen nur 12000 österreichische Gefangene gegenüberstehen. Die österreichische Stellung bleibt weiter eine starke Be­drohung der italienischen Piavelinie. »

Auf der Westfront herrschte im ganzen Ruhe, die nur gegen Ende des Monats durch abgewiesene Teilvorstöße der Franzosen und Engländer unterbrochen wurde.

Die Maibeute des U-Bootkriegs betrug 614000 Ton­nen. sodaß seit Beginn dcs uneingeschränkten U-Bootkriegs 12 225 000, seit Kriegsbeginn 17 730000 Tonnen feind­lichen Schiffsraums versenkt worden sind. .

In Bulgarien wurde das Kabinett Radoslawow. das Bulgarien an der Seite der Mittelmächte in den Krieg geführt hat, gestürzt und durch ein Kabinett des Führers der Opposition Malinow ersetzt, weil im bulgarischen Parlament die Meinung herrschte, daß die territorialen An­sprüche Bulgariens gegenüber der Türkei und die Inter- effen des Landes in der Nahrungsmittelversorgung von dem bisherigen Kabinett nicht energisch genug vertreten worden sri.

M Jagd des „ V)

Captain Donaldsen.

Wir fuhren an den Fidschi-Inseln vorbei, ohne etwas zu sichten, kamen in das Gebiet der Salomo-Inseln und standen am 27. Juli in der

*) Wir entnehmen die spannende Schilderung dem Buche, in dem Fregattenkapitän Rerger, der Kommandant des „Wolf'', seine Fahrt beschreibt. (Verlag August Scherl G. m. b. H., Berlin, Preis 2 Mk.) Daß der .Wolf' seine schwierige Ausgabe, auf den fernsten Weltmeeren durch Minenlegen und Versenken die feindliche Schiffahrt zu lähmen und zu schädigen, aufs prachtvollste gelöst hat, ist längst bekannt; das Buch befriedigt nun die Neugierde auf

Nähe von Deutsch-Neuguinea. Es war ein wunder­voller und heißer Tag, als ein Segler am Hori­zont gemeldet wurde, der merkwürdigerweise bald mit den Masten über, bald unter dem Horizont erschien. Natürlich war eine Luftspiegelung die Ursache dieser Erscheinung. Er stand auf dem Kohlentreck und mußte daher Kohlen haben. Die Versorgung, die sofort ausgenommen wurde, dauerte eme halbe Stunde, ohne daß wir ihm näher ge­kommen waren, obwohl völlige Windstille herrschte. Plötzlich aber, während alles gebannt nach den Masten, die in der Ferne immer wieder austauchten, starrte, verwandelte er sich in dir Fontäne eines Walfisches, und die Leute, die sich schon zum Kohlen klargemacht hatten, weil Wachoffizier und Erster Offizier ihrer Sache ganz sicher zu sein be­haupteten, konnten beruhigt das Kohlenpäckchen wieder ausziehen.

Tags darauf fingen wir einen Funkspruch auf, drr an Rabaul gerichtet war und folgendermaßen lautete: »Burns Philp Rabaul. Donaldsen hat Sydney am 27. via Newcastle Brisbane m»t 340 Tonnen Stückgut, 500 Tonnen Westport-Kohle für Rabaul und 236 Tonnen Stückgut für Madang verlassen. Gezeichnet Burns."

Rabaul, der frühere Regierungssitz Deutsch- Neuguineas, beherbergt jetzt den englischen Gou­verneur. Wir überlegten noch hin und her, wer wohl Donaldsen sein könne, als ein neuer Funk- spruch eintras.

,29. Juli, 8 Uhr abends. Dampfer »Ma- tunga" an Brisbane. Wir sind Montag Mittag bei Cap Moreton?." Da hatten wir also deS Rätsels Lösung.

»Matunga" konnte nur Donaldsen sein. Wir rechneten uns aus, daß der Dampfer so und so viele Meilen lausen könne und ungefähr am 5. August bet uns erscheinen würde. Meine Absicht, weiterzusahren, gab ich natürlich aus und beschloß zu warten. Das Vertrauen, das man dem »Mols" schenkte, indem man so liebenswürdig war, ihm Gäste vorher schon anzukündigen, mußte doch be­lohnt werden. »Matunga" sollte über drn Empfang, den wir ihr bereiteten, nicht zu klagen haben.

das »Wie". Mit stolzer Freude beginnt man zu lesen und ist am Schluffe fast erstaunt, wie einfach das alles klingt, was wir mit Recht als beispiellose Leistung bewundern. So packend auch die Tatsachen des Buches an sich find, so liegt sein größter Reiz vielleicht doch darin, daß es bei aller Schlichtheit der Darstellung so ganz durchleuchtet .ist von deutschem Gemüt und behaglichem Humor.

Jeden Tag stieg das Flugzeug mehrere Male auf, um aufzuklären und nach »Matunga-Donaldsen" Ausschau zu halten. So auch am 5. August, der inzwischen herangekommen war. Trotz der großen Höhe, i;i die unser »Wölfcren" klettene, war aber weit und breit nichts zu sehen. Da, eben als es niedergegangen war und wieder an Deck stand, wurde unser langes Warten belohnt. Captain Donaldsen funkte an Burns Philp in Rabaul, daß er am 7. morgens dort einlaufen würde, und bat, Vorkehrungen zu treffen, daß er seine Kohlen direkt an Bürrows abgeben könne. »BurrowS?" Was war denn das nun wieder? In der Flottenliste fanden wir einen amerikanischen Zerstörer dieses Namens und dachten nun, er sei es, der in Ra­baul lüge. >

Die Lage war also für uns folgende: Die »Matunga" stand dicht bei uns und mußte am nächsten Morgen in unseren Händen sein. Sie sollte nur kommen! Wir drehten um und liefen mit kleiner Fahrt vor ihr her. Spät nachts kamen ihre Lichter auch wirklich rechts achteraus in Sicht. Wir lagen genau richtig, um sie abzufangen. Mit Hellwerden packten wir zu, der »Wo.f" stieß aus seine Beute. Der Prisenoffizier, den ich hinüber­sandte, wußte Bescheid. Ec konnte ohne weueres aus Kapitän Donaldsen zugehen mit der Frage: »Hallo, Kapitän, wo sind Ihre 500 Tonnen West­port-Kohle für Burrows, wo die 340 Tonnen Stückgut?"

Daß der Mann, wie er später selbst erzählte, über diese geheimnisvolle Kenntnis den Mund uuf- riß und eine halbe Stunde brauchte, ihn wieder zuzubringen, tat nichts zur Sache. Er dachte gac nicht daran, daß er ja selbst 'so liebenswürdig ge­wesen war, uns Meldung über seine Ankunft und die Ladung seines Schiffes zu machen.

»Matunga" hatte eine größere Anzahl Passa­giere an Bord, darunter australische Soldaten und zwei Aerzte, von denen der ältere, ein Generalarzt namens Strangman, stellvertretender Gouverneur in Rabaul werden sollte. Er -mußte jetzt seine Dispositionen etwas ändern. Sein Gefährte, der Oberstabsarzt Flood, hatte seine Frau mit, außer­dem befand sich noch eine englische Stewardeß bei ihnen. Hier möchte ich gleich erwähnen, daß diese Dame aus den nicht seltenen Namen Maria hörte. Wer die Sache ausgebracht harte, weiß ich nicht, ich lehne auch die Urheberschaft dafür unbedingt ab. Tatsache war nur, daß sie, die nicht gerate