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Gießen.
Nr. 12.
1. Mai 1918.
ßüronik.
Tie große Lffensive in Frankreich, die am 21. März begonnen hat, hat im Verlauf von wenig mehr als einem Monat zu Erfolgen geführt, die schon jetzt alS kriegsent- fcheidend betrachtet werden müssen. Hat man früher die beiderseitigen Verteidigungsstellungen rm Westen für unantastbar gehalten, so hat stch gezeigt, daß der Stoßkraft unserer Offensive die englische Verteidigungsstellung trotz stärkster Bewaffnung nicht stondhalten konnte. Ter erste Teil der deutschen Offensive in dem Abschnitt zwischen Arras und Soissons hat zu einem gewaltigen Einbruch in der feindlichen Front geführt und uns eine mächtige Offensivstellung in der Richtung auf Amiens verschafft. Die Kampfhandlung 'N diesem Teil wurde Anfang April eingestellt, aber die Verbindung der französischen und der englischen Armee blieb vor Amiens weiter an ihrer empfindlichsten Stelle bedroht, da ein Durchbruch nach dem Meere» das hier von dem vor» geschobenen Keil unserer Kampfstellung nur ca. 60 Kilometer entfernt ist, das englische Heer in Flandern und Nordfrankreich völlig von den Franzosen abschneiden müßte. Tie Franzosen haben, um diese Verbindung aufrechtzuerhalten, allmählich alle ihre strategischen Reserven einsetzrn müssen, die sie für Gegenangriffe gegen die deutschen Linien hatten auf- svaren wollen. Tie strategische Bewegungsfreiheit ist ihnen damit vollkommen verloren gegangen. Nach einer Vorbe» reitungspause hat am 9. April die deutsche Offensive mit ungeheuerer Wucht an anoerer Stelle wieder eingesetzt. Südlich der belgisch-französischen Grenze haben die deutschen Truppen Stellungen, die von Engländern und Portugiesen besetzt waren, durchbrochen und das schwierige Gebiet der öys-Niederung besetzt. Am 12. April fiel die bedeutende Industriestadt Armentieres, umflügrlt, in die Hände der deut- ichen Truppen, am 16. April der wichtige englische Etappenort B ai lleul an der belgisch-französischen Grenze. Durch den Einbruch des deutschen Heeres an diesen Stellen wurde die Stellung der Engländer in Flandern bedroht, und die nächste Folge war, daß die Engländer schon am 17. April sich aus dem Gebiete vor Npern zurückziehen mußten, das sie in den Flnndern-Schlachten unter Einsatz ungeheuerer Massen errungen haben. Langemorck und Paichendaele kam wieder in die Hände der Deutschen. Der Eriolg des Einbruchs bei Armenlieres ermöglichte, eine 2er stärksten Verteidigungsstellen der Engländer auf belgischer Erde zu nehmen. Nachdem am 28. April der Kampf nach 'iner neuen Vorbereitungspause wieder ausgenommen war, wurde am 27. AprU der Kemmelberg erstürmt, der die flandrische Ebene Überschaut, und die Verbindungslinie zwischen den Kanalhäfen Calais, Boulogne und Dün- 'irchen mit Hvern beherrscht. Ein neuer Rückzug der Engländer auf Hpern hin bestätigte den großen Erfolg unserer Waffen, der wohl in der Kanalge^end noch weitere Folgen haben dürfte. Am 28. April war auch die Stel- ung vor Amiens durch die Wegnahme von Hangard verbessert worden, ohne daß es in diesem Gebiete zu weiteren Rutschen Angriffen gekommen wäre. Die Tätigkeit der Franzofen und Engländer hat sich auf verlustreiche Abwehr und noch blutigere, aber ergebnislose Gegenangriffe beschränkt. > Nach Verlust der fest ausgebauten Stellung und eines großen Teiles des Kriegsgerütes mußten Franzosen und Engländer sich darauf beschränken, durch eiligst herbeigesührte Reserven vie Lücken auszufüllen. Ihre Einbuße an Menschenmaterial
übersteigt um ein Vielfaches die deutschen Verluste, die schon dadurch bei dieser Offensivhandlung um so viel geringer sind, als in den früheren Abwehrschlachten, weil die Engländer und Franzosen auf dem Rückzuge ihre Verteidigung notgedrungen größtenteils durch Infanterie und Maschinengewehre, aber nicht durch Artillerie bestreiten.
Um die deutsche U-Boottätigkeit lahm zu legen, wohl auch um die sinkende Stimmung in der Heimat aufzurichten, unternahm die englische Flotte in der Nacht vom 23. auf 24. April einen kühnen Handstreich gegen unsere belgischen U-Boothäfen Ostende und Z e eb r ü g g e, der zwar infolge einer Reihe für die Engländer günstiger Umstände bis an die Reede selbst heranführte, aber abgesehen von unbedeutenden Schädigungen der Mole von Zeebrügge nicht zu dem gewünschten Erfolg einer Absperrung der Ausfahrtsstraße für unsere U-Boote führte.
Einen schweren Verlust erlitt das deutsche Heer am 22. April: Rittmeister Manfred von Richthofen, unser heldenhafter Kampfflieger, siel, nachdem er seinen 80. Gegner im Luftkampfe besiegt hatte. Er wurde von den Engländern unter den höchsten militärischen Ehren bestattet.
Die U-Boot beute des März betrug 689000 Tonnen, sodaß nunmehr die Gesamtzahl des seit dem Beginn des uneingeschränkten U-Bootkrteges versenkten Schiffsraumes 10 959 000 Tonnen beträgt.
In Finnland macht die Besetzung des Landes durch die deutschen Truppen weitere Fortschritte. Nachdem am 2.April die ersten Truppen bei Hangö gelandet waren, wurde am 8 April Karns. am 18. April Helfingfors, am 19. April Abo. am 24. April Lantrs, am 24. April Tarvestehus besetzt. Auch die Besetzung der Ukraine macht weitere Fortschritte. Am 6. April wurde Iekaterinoslaw, am 19. April Tschaplinka und Melitopol besetzt, am 22. April wurde der Zugang zur Krim, der Halbinsel im Schwarzen Meere, erzwungen und am 29. April Simferopol in der Krim besetzt. Die Ordnung wird in der Ukraine in immer weiteren Gebieten hergestellt und durch Eingreifen der militärischen Autorität für genügende landwirtschaftliche Bestellung des fruchtbaren Landes, der ruffischen Kornkammer, Sorge getragen.
Tie Auseinandersetzung in Oesterreich, die sich an den Brief des Kaisers Karl an seinen Schwager, den Prinzen Sixtus von Parma, anschloß, hat ihren Fortgang genommen. In ihrem Verlaufe ist Graf Czernin am 14. April zurückgetreten. An seine Stelle tritt sein Vorgänger, der frühere Minister des Aeußeren. Baron Burian, ein Ungar, dessen unbedingtes Festhalten an dem Bündnis mit dem Deutschen Reich außer Frage steht. Der Telegrammwechsel zwischen dem österreichischen und dem deutschen Kaiser hat gezeigt, daß die an französischem Starrsinn gescheiterten Friedensversuche Kaiser Karls der Vergangenheit angehören, und daß der auf den Schlachtfeldern der Picardie und Flanderns sich offenbarende Waffenbund Deutschlands und Oesterreichs nunmehr uns den Sieg und mit dem Sieg den Frieden bringen mutz.
Jtanderuschtacht.
. . . Schon fällt der Tommy über den Graben her
— Immer noch ratterr's Maschinengewehr.
»Den Graben räumen", so ruft es zu Haus', -man suche die rückwärtigen Stellungen auf! - Alles läuft und drängt sich nach hinten,
um zu dem Gegenstoße Zeit noch zu finden.
— Jetzt ist der Graben schon nahezu leer, doch immer noch rattert's Maschinengewehr.
Die Letzten sie rufen: .Ihr seid ja des Tods!" -Wenn schon, dann ist es der Ruf unsres Gotts." Als im Laufgraben nun auch der Letzte verschwunden, haben endlich die Schützen auch Zeit gesunden, denn man hört den Befehl: .Schützen zurück — doch säumet keinen Augenblick.
Der Weg zuin Grabenwinkel ist ja nicht weit und seid ihr erst dort, dann seid ihr gefeit."
Um möglichst schnell nun in Deckung zu kommen wird dieser Abschnitt im Sturmschritt genommen. Rur jetzt noch flugs um die Ecke herum.
Doch— vor diesem Winkel blieb Einer noch stumm. Und dieser Eine — ich sah als er fiel sein bleiches Gesicht — trug meines Sohnes Profil. Von hinten traf ihn das englische Blei und schlug alle unsere Hoffnung entzwei.
Ich schaffe mich selbst in den Graben hinein, doch — behilflich könnt' ich ihm nicht mehr sein. Unentstellt — sein Gesicht zu mir spricht:
,Lebet wohl meine Lieben, vergeht meiner nicht".
Ldsturm. I. Schäfer d. I. R 118|1 3. Zt. Reserve-Laz. Abt. Sophienhaus, Worms am Rhein.
(VII. Preisausschreiben.)
Von Sanitätsunteroffizier Berk t old.
Res.-Lazarett Limburg a. d. L., Teillazarett Pallottinerinnen.
(VH. Preisausschreiben.)
Am 30. September 1915, vormittags 6 Uhr, geriet ich in der Champagne bei der großen Herbstschlacht in französische Gefangenschaft. Nach 7tt- stündigem Trommelfeuer gelang es den Franzosen, gemischt mit Senegalnegern, unsere Stellung zu durchbrechen. Meine vierte Kompagnie wurde somit im Rücken angegriffen. Der SanitätSunterstand befand sich zirka acht bis zehn Meter hinter der vorderen Stellung. In demselben befanden sich zehn Verwundete, zwei Krankenträger und zwei


