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Gießen.
Nr. 13.
15. Mat 1Y18.
Zßronik.
Auf dem w e st l i ch e n Kriegsschauplatz hat der Zeind in vielfachen Stürmen versucht, unsere Stellungen in Flandern und an der Lys zu erschüttern. Die Angriffe ourden abgewiesen.
Tie Befreiung Finnlands hat ihren Fortschritt genommen. Am 30. April wurde Viborg auf dem Wege lach Petersburg eingenommen, am 4. Mai die letzte größere Nacht der Roten Garde in Finnland zwischen Lathi und ^avestehus besiegt, wobei 20 000 Gefangene in die Hände >er verbündeten deutschen Truppen und der finnischen Weißen ^arde sielen. Das letzte Bollwerk der Roten Garde, Frede« eksham, wurde am 7. Mai genommen.
Tie Besetzung der Krim, die von den Bolschewisten tebrandschatzt wurde, hat gleichfalls weitere Fortschritte genacht. am I. Mai wurde Theodosia genommen, am 3. Mai Lebastopol besetzt. Tie ganze Krim, die durch ihre Fruchtbarkeit, ihr mildes Klima und ihre Schönheit berühmte Halbinsel, ist damit in der Gewalt der Mittelmächte. Auf schloß Djultar bei Jalta kam der Großfürst Nikolais Niko« ajewitsch. der Verwüster Ostpreußens, und die Zarin-Mutter Naria Feodorowna in die Gewalt der Deutschen.
In der Ukraine hat sich ein gewaltsamer staatlicher Imsturz vollzogen. Die sozialistische Rada-Regierung, die ich nicht auf die Gesamtheit des Volkes stützen konnte und >ie zuletzt gegen die deutschen Besatzungstruppen konspirierte, ourde durch den ukrainischen General Skorovadski. rnen Nachkommen des letzten Hetman der selbständigen Ukraine, am 3. Mai gestürzt. Skoropadski hat sich selbst um He^mon der Ukraine erklärt und eine neue Regierung ingesetzt, die in enger Fühlungnahme mit dem deutschen -kkupationsheere vorgeht. Es steht zu erwarten, daß die -eue Regierung mit größerer Energie als die alte für eine rdentliche Bestellung der Felder Sorge tragen wird. Einst- oeilen hat die neue Regierung das Prinzip des privaten Eigentums, das durch die Rada-Regierung abgeschafft war, oreder eingesetzt.
Am 12. Mai hat sich der österreichische Kaiser in das Hauptquartier begeben. Die eingeleiteten Verhandlungen ezwecren ein engeres Zusammenfassen der österreichisch-unga- rschen Monarchie und Deutschlands auf politischem, militä- rachem und wirtschaftlichem Gebiete.
Sturm in den Karpathen.
Von Peter Ruß,
. Zt. Vereinslazarett .Sprudel-Hotel', Soden a. Taunus.
(Aus dem VH. Preisausschreiben.)
Dumpf und schwer rollten die großen Truppen- ransporte über die deutsch-österreichische Grenze mch Galizien. Brave, tapfere Kerls, sturm- und ampserprobte Soldaten, welche seit dem Tag von Saby bie Helden einer ruhmgewordenen Division reworden waren, sammelte man in vielen Massen, lm sie mit der Kaiserlich deutschen Südarmee in
die Reihen der Verbündeten einzuschieben. Langsam rollten sie dem Südosten zu. Fauchend und schnaubend krochen die langen Wagenketten über den Schienenstrang, rollten von der Nacht in den Tag, von dem Tag in die Nacht; — ohne Ruhe, — immer weiter durch den Schnee und die Kälte, nach Galizien.
Alles war weißeS, weites Land. Ein graufahler Himmel, welcher schwer und düster über der Erde ging, drückte auf die tiefen Weidensteppen Ungarns, durch welche sich die schwarzen, langsam weiterfauchenden Truppentransporte schoben.
Bald war es Nacht.
Ueber den Abendhimmel zog ein grau verwebter Silberschein. Er wühlte sich in die weißen Schneefelder der ungarischen Tiefebene, huschte hinüber und herüber, suchte einen Haltepunkt, um verscheucht und aufgemartert in die Finsternis zu eilen.
Aus dem Halbdunkel der Nacht leuchtete das .fahl vereiste Licht des Gebirges, trug sich durch den Talkessel in die weite Steppe und zeigte den Weg zu seinem zerklüfteten Bergemeer. Ein bebender Wind kreischt auf und wirbelte den Schneestaub aus den Tälern, ballte ihn zu Wolken, riß ihn höher und ließ ihn wieder aus die Erde sausen.
Auf den Talseldern des Passes biwakierten die Regimenter. Hier und da züngelten kleine pro- zelnde Lagerfeuer auf. Frierende Soldaten scharten sich darum und stampften mit ihrem träppelnden Schritt den weichen Schnee zu einer festen Kruste. Kochgeschirre schmorten an einem dünnen Eisen- draht über der Glut der Feuer, aus welchen kleine Flämmchen züngelnd um sie leckten.
Sonst war es still. Nur der Wind hatte seine Zither angeschlagen.
Dichter Schnee rieselte herab.
Kommandos schwirrten durcheinander.
v Eine Patrouille österreichisch.ungarischer Hon- vedhusaren sprengte über ein Schneeseld. Die Reiter sprangen von den Pferden, stießen ihre Lanzen durch den Schnee in die Erde und verschwanden, ihre Pferde bei einer Wache zurücklassend, in einem Ruhtenerhaus.-
Vom Regimentsstab kam eine Gesechtsordonanz und meldete einem Kompagniesührer, dann verschwand sie unter den dunklen Gestalten, welche
sich schwer von dem glimmenden Rot des Feuers hoben, um hier und da mit einem dampfenden Kochgeschirr ins Dunkel zu kriechen.
.Fertigmachen! . .* rief der Kompagnieführer halblaut. .In einer Stunde müssen wir weiter, der Feind greift an/
Große, stiere Augen trugen sich zu ihrem Leutnant hinüber. Ein kurzer Fluch unterbrach hier und da das anbrechende Gemurmel, die glimmenden Feuer zischten aus und verloschen; — die Kompagnie stand marschbereit . . .
Ein Ungar schlug die Zymbal und sang ein halblautes Lied dazu. Die Soldaten horchten auf, warfen einen scheuen Blick zu dem Spielenden hinüber, dann trampelten sie, den Abmarsch erwartend. Kurze Augenblicke nur. Der Ungar hatte sein Lied noch nicht beendet, als durch den weißen Matten die Kompagnie marschierte und fahlgrau aus dem Dunkel eine schleichende, vorwärtskriechende Menschenkette bildete. Dann wurde es stiller und stiller. Ruhe und Frieden der Nacht. Nur die Soldaten marschierten weiter in die Nacht, den Morgen, aus/ welchem sich die ernste Eisenhochzeit reisen sollte.-
Durch den Talkessel zuckte plötzlich der Donner eines ausflammenden Artillerieduells. Schwere und leichte Kaliber, Dreitzigkommasünf und Mörser- batterien würfelten ihre Granaten durcheinander. Kurze, schwere Detonationen ließen die Erde erbeben, zitterten durch die Luft und trugen hingeraffte Soldatenseelen in die Ewigkeit.
Gespenstig dahinsausende Minen schrieen wie kreischende Geier und schwirrten wie aufgescheuchte Vögel durcheinander, fielen hernieder, krepierten, rissen tiefe, muldenförmige Trichter, spritzten mit ihren fletschenden Flügeln den Dreck der Erde mit aufgewühltem Schneeweiß in die Luft, fuhren in die Erde und schliefen' ein . . . ihre Opfer mit sich schlafen nehmend. Ruhig und gleichmäßig setzte Artilleriefeuer ein. Knarre um Knarre schien in Tätigkeit zu treten. Kleine, zuckende Flämmchen leuchteten aus den Läufen der Gewehre in die Nacht und mischten sich mit ihrem tausendfachen Geknatter unter den dröhnenden Sang der tätigen Artillerie.
Der Sturm war reis geworden.
900 Meter hatte man bereits in kriechendem, deckendem Vorwärtskommen, fast ohne Verluste


