Ausgabe 
1.4.1918
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Gießen.

Nr. 10.

Ostern 1918.

Khronik.

Im Osten ist der Friedensschluß Lon Breft-Litowsk vom 3. März vom Kongreß der Arbeiter- undSoldatenrüte in M o s- kau am 16. März ratifiziert worden. Schon zeigen fich in oroßen Umrissen die Züge der staatlichen Umgestaltung des Ostens. Nachdem Kurland fich als selbständiges Herzogtum konstituiert und dem deutschen Kaiser den Herzogshut an- geboten hat. ist am 12. März auch eine Abordnung des litauischen Landcsrats in Berlin erschienen. Auch Litauen will als selbständiges Herzogtum in enger Anlehnung att das Deutsche Reich die Grundlagen seiner nationalen Zu­kunft legen. Die Besetzung der verbündeten Ukraine durch deutsche und österreichische Truppen und die Befreiung von marimalistischen Banden und bolschewistischen Ueberläufern ßkvl weiter. Am 1. März Wurde Kiew, am 13. März Odessa besetzt.

Nachdem die Aussichten auf einen Verftändigungssrieden im Westen durch den hartnäckigen Kriegs- und Vernichtungs- Willen der Entente geschwunden find, hat der Kampf be­gonnen, in so riesenhaften Ausmaßen, wie der Krieg sie noch nicht gesehen. Am 21. März wurde gemeldet, daß die Artillerieschlacht in voller Stärke entbrannt sei. und schon am 22. März hörten wir, daß der Sturm in 90km Breite zwischen Arras und La Före losgebrochen sei. In den wenigen Tagen, die die Offensive bis etzt währte, find schon Erfolge errungen, wie fie den Offensiven unserer Gegner in ihren monatlangen Angriffen nicht annähernd beschieden waren? Von bebrütenden Orten find schon ge­fallen Ham, Peronne. Bapaume, Rohe, Noyons. Damit hoben wir das beim strategischen Rückzug 1917 preis- gegebene Gelände wiedererobert und sind schon .im Vor­schreiten über das beim Vormarsch 1914 eroberte Gelände hinaus. Die Beute ist gewaltig, an 50 000 Gefangene und 1000 Geschütze wurden bisher gezählt. Paris hatte in der letzten Zeit verschiedene schwere Fliegerangriffe zu be­stehen und wurde außerdem durch eine Beschießung aus weittragendem Geschütz in großen Schrecken versetzt. Dieses Geschütz hat die ans Fabelhat>e grenzende Geschoßweite von 120 km. Tie Endziele des Angriffs sind noch nicht abzu­sehen, wir können aber mit hochgemutem Vertrauen die weiteren Kämpfe abwarten. und die Heimat kann dieses Vertrauen dadurch am besten zum Ausdruck bringen, daß fie die 8. Kriegsanleihe zu einem vollen Siege werden läßt.

Ter Friedensschluß mit Rumänien ist in allernächster Zeit zu erwarten; das noch ententefreundliche Kabinett A v e r e s c u mußte am 18. Mär) dem vierbundfreundlichen Marghiloman Weichen.

Tie Februarbeute der U-Boote beträgt 680 000 Tonnen, das Gesamtergebnis seit dem 1. Februar 1917 10270000 Tonnen.

Die achte Kriegsanleihe.

Erneut tritt an das deutsche Volk in seiner Ge­samtheit die Forderung heran, dem Heere, das die Grenzen schützt und das die Kriegssackel siegreich in die Länder der Feinde getragen hat, weitere

Mittel zur Verfügung zu stellen, die es zur Durch­führung seiner Ausgabe, zur Erringung des letzten, den Frieden bringenden Sieges braucht. Wieder bittet und fordert das Reich: .Zeichnet Kriegsan­leihe!' Wieder heißt es, den letzten Pfennig für die Kriegsrüstung des Vaterlandes mobil zu machen. Es gibt keine bessere, sicherer verzinste, stärker durch die Macht und das Ansehen des Reiches verbürgte Kapitalsanlage als die deutsche Kriegsanleihe.

1. Wie kann man zeichnen?

Das Reich legt die neue Anleihe wie bisher wieder in zwei verschiedenen Arten auf. Dadurch ist dem Zeichner Gelegenheit geboten, sich ganz nach seinen persönlichen Verhältnissen und Kräften an der Anleihe zu beteiligen. Sie wird in 5 pro- zentigen Schuldverschreibungen und 4y 2 prozentigen auslosbaren Reichsschatzanweisungen ausgegeben, von denen die Schuldverschreibungen auch in das Reichsschuldbuch eingetragen werden können.

Wer sein Geld auf längere Zeit hinaus anzu­legen und von dieser Geldanlage keine Arbeit und Mühe zu haben wünscht, für den empfiehlt sich der Erwerb der 5 prozentigen Schuldverschreibungen der Reichsanleihe. Ganz abgesehen davon, daß der Inhaber dieser Schuldverschreibungen ein Papier von unzweifelhafter Sicherheit besitzt, das noch da­zu hochverzinslich und bis zum 1. Oktober 1924 unkündbar ist, genießt er auch sonst manche wohl ins Gewicht fallende Vorteile. Bei der Rückzahlung, die nach dem 1. Oktober 1924 erfolgen kann, er­zielt der Besitzer von 6 prozentiger Kriegsanleihe, da sie zum Kurse von 98 ausgegeben, aber zum Nennwert eingelöst wird, einen Gewinn von 2 Mk. aus 100 Mk. Der Zinsertrag stellt sich also unter Einrechnung dieses Vorteils aus 5.35 Prozent; er bleibt bis zum 1. Oktober 1924 unter allen Umständen in dieser Höhe bestehen. Wenn dann später, also nach dieser Zeit, eine Herabsetzung des Zinsfußes beschlossen werden sollie, so kann er Rückzahlung zum Nennwerte verlangen. Selbstverständlich ist er jederzeit in der Lage, das Papier zu verkaufen oder zu verpfänden, um über sein Geld bar verfügen zu können.

Der geringste Betrag, der aus die 5 prozentigen Schuldverschreibungen der Reichsanleihe gezeichnet werden kann, ist 100 Mk. Die Zeichnung aus die 5prozentigen Stücke kommt also in erster Linie für den kleinen Sparer, für den einfachen Mann in Betracht.

Auch die Zeichnung auf die 4% prozentigen Schatzanweisungen bedeutet eine sehr günstige Kapi­talsanlage. Allerdings lauten die Stücke der Schatzanweisungen nicht aus so kleine Summen, sondern auf 20 000, 10 000, 5000, 2000 und 1000 Mk.. so daß Zeichnungen nur in der Höhe von 1000 Mk. oder einem Vielfachen von 1000 möglich sind.

2. Was muß man besitzen, um zeichnenzu können und wieviel soll man zeichnen?

Zunächst und vor allem liegt denen die Pflicht des Zeichnens ob, die Bargeld zur Verfügung haben: Alles Bargeld gehört jetzt dem Reiche.

Aber auch wer sein Geld vorsorglich zur^Sparkasse und zur Bank getragen hat, kann und soll Kriegs­anleihe zeichnen. DaS Reich zahlt ihm höhere Zinsen, als eS die Sparkasse oder die Bank ver­mag. Die Bedenken, daß die Guthaben bei den Sparkassen, Genossenschaften und Banken vielfach satzungsgemäß einer gewissen Kündigungsfrist unter­liegen, also nicht sofort flüssig gemacht werden können, sind nicht stichhaltig, denn diese Institute sind gern bereit auf die Einhaltung der Kündigungs­fristen zu verzichten, und erleichtern dem Zeichner die Abwicklung seiner Zeichnungkgeschäfte mit allen Kräften.

Doch nickt allein an die Volkskreise, die Bar­geld und Bankguthaben zur Verfügung haben, wendet sich die Aufforderung des Reiches zur Zeich­nung aus die achte Kriegsanleihe; auch die kleinsten Sparer sollen zu ihrem Teil zum Gelingen der Anleihe beitragen. Wie geschieht das nun am besten? 100 Mk. ist die geringste Summe, die auf Kriegs­anleihe gezeichnet werden kann. Wer also 100 Mk. und darüber erspart hat, kann ohne weiteres 100 Mk. oder einige Hundert Mark zeichnen. Wer aber erst weniger hat zurücklegen können, soll auch zu seinem Teil besühigt sein, für das Vaterland sein Scherflein herzugeben. Denn viele Wenig machen ein Viel. Wem also noch einige Zehnmark­scheine an der Summe von 100 Mk. fehlen, und wer glaubt, daß er die ihm fehlende Summe in den nächsten Monaten ersparen kann, der soll ruhig zeichnen. Denn der letzte Zahlungstermin ist der 18. Juli 1918. Und wenn dann durch unvorher­gesehene Ereignisse die gezeichnete Summe noch nicht erreicht worden ist, so werden Freunde, Arbeit­geber oder auch die Sparkasse gern bereit sein, durch Vorschuß die Erfüllung der vaterländischen